Kreis baut sprachliche Barrieren ab

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 Unter dem Button „Leichte Sprache“ können leicht verständliche Informationen auf der Webseite des Kreises abgerufen werden. (Grafik: pm)

Beitrag zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen

Mosbach. Auch Sprache kann eine Barriere sein – und das nicht nur für Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung. Viele Menschen stoßen an ihre Grenzen, wenn es um schwierige Texte und komplexe Sachverhalte geht wie beispielsweise Bescheide von Behörden. Darauf weist die Beauftragte des Landkreises für Menschen mit Behinderungen, Jutta Schuele, anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderungen am 03. Dezember hin.

Entsprechend hat sich auch die Landkreisverwaltung unter der Federführung von Schuele auf den Weg gemacht, sich für die Umsetzung von Barrierefreiheit im Neckar-Odenwald-Kreis einzusetzen. Die Kommunale Behindertenbeauftragte nutzte dafür ein vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg kostenlos zur Verfügung gestelltes Angebot von Schulungen in Leichter Sprache. Gemeinsam mit der Stadt Buchen wurde ein Seminar zum Erlernen der Leichten Sprache für Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung organisiert, das mit 25 Teilnehmern eine sehr gute Resonanz fand.

„Leichte Sprache“, so eine Mitarbeiterin der Stadt Buchen nach der Teilnahme, „ist besonders für die Verwaltung wichtig. Viele Bescheide und Briefe sind bereits für Menschen ohne Behinderungen oft schwierig zu verstehen. Das Seminar hat zur Sensibilisierung beigetragen. Und wenn der nächste Brief kürzere, verständlichere Sätze und weniger Fremd- oder Fachwörter enthält, dann hat man schon etwas erreicht.“

Auch ein Mitarbeiter eines Pflegestützpunkts des Kreises zog nach dem Seminar ein positives Fazit: „Leichte Sprache ist wichtig, um komplexe Sachverhalte mit Verweisen auf Gesetzestexte anschaulicher zu machen. Gerade bei unseren Kunden, also oft ältere Menschen, teilweise mit Demenz, erleichtert die Leichte Sprache die direkte Kommunikation“.

So unterstützt der Neckar-Odenwald-Kreis auch mit der auf der Startseite der Landkreiswebseite abrufbaren Unterseite „Leichte Sprache“ die inklusive Gesellschaft. „Nur wer versteht, kann Entscheidungen treffen, kann mitreden, kann teilhaben. Und Leichte Sprache kann hier als Schlüssel zum Verstehen eingesetzt werden. Sie ist damit ein Instrument, das letztendlich ein Stück selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht“, erklärt Schuele.

Unter anderem wurde deshalb die Allgemeinverfügung des Landkreises zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Oktober dort in einer übersetzten Fassung eingestellt. Zudem stehen Informationen zum Bundesteilhabegesetz zur Verfügung. Mit jedem weiteren übersetzten Dokument werde eine Barriere, die es eben nicht nur im baulichen Bereich gebe, abgebaut, findet Schuele.

Auch wenn man hier noch am Anfang stehe und die Leichte Sprache die rechtskonformen und daher anspruchsvoller formulierten Bescheide der Behörden noch nicht rechtssicher übersetzen könne, sei es ihr wichtig, dies am Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen 2020 zu betonen.

Hintergrund:

Bei der Leichten Sprache handelt es sich um eine sprachliche Variante der deutschen Sprache mit speziellen Regelungen, die vor allem auf eine Verbesserung der Verständlichkeit von Informationen, Texten und Dokumenten abzielt. Von Leichter Sprache profitieren nicht nur Menschen mit eingeschränkter Lesefähigkeit, sondern auch Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sowie Menschen mit demenziellen Erkrankungen, aber auch Menschen, die sich schnell über das Wichtigste informieren möchten. Schätzungen zufolge profitieren bundesweit zehn Millionen Menschen von Leichter Sprache.

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