Wasserversorgung mit zwei Standbeinen

Wasserversorgung mit zwei Standbeinen
Wasserversorgung mit zwei Standbeinen

Die geladenen Gäste bei der Einweihung. (Foto: Roland Bangert)

Jahrhundertprojekt für Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit

Von Liane Merkle

Seckach. Seit dem 29. Oktober 2025 werden über 99 Prozent der Einwohner der Gesamtgemeinde Seckach mit einheitlichem Mischwasser aus dem Tiefbrunnen „Kohlplatte“ in Großeicholzheim und der Bodenseewasserversorgung versorgt. Nach 18 Jahren Planungs- und Bauzeit ist die Wasserversorgungskonzeption für die Gesamtgemeinde, die in drei Ausbaustufen erfolgreich umgesetzt wurde, nun abgeschlossen. Ein guter Grund für zwei Tage Feststimmung.

Tag der offenen Tür für die Bevölkerung

Für die Bürgerinnen und Bürger bot sich im Rahmen eines Tages der offenen Tür die Gelegenheit, die drei wichtigsten Bauwerke der Seckacher Wasserversorgung kennenzulernen: das Pumpwerk Kohlplatte in Großeicholzheim, den Hochbehälter Mutschere in Großeicholzheim, in dem das Eigenwasser mit dem Bodenseewasser gemischt wird, sowie den Hochbehälter Talberg in Seckach, der mit einem Fassungsvermögen von 1.100 Kubikmetern die Ortsteile Seckach und Zimmern mit Trinkwasser versorgt. An jeder der drei Stationen erläuterte ein Wassermeister der Wasserversorgung Bauland die jeweilige Funktion. Zudem präsentierte die Gemeindeverwaltung Fotos und Pläne der einzelnen Ausbaustufen. Auch die Feuerwehr Seckach war an allen drei Stationen vertreten und sorgte für eine Rast der interessierten Besucherinnen und Besucher.

Abschied von einer langen Bauphase

Am Folgetag versammelten sich auf Einladung der Gemeinde Seckach neben den Ortsvorstehern Reinhold Rapp und Siegfried Barth auch Gemeinde- und Ortschaftsräte, Vertreter der Ingenieurbüros Fritz-Planung aus Bad Urach und Sack & Partner aus Adelsheim, des Zweckverbands Bodenseewasserversorgung, der beteiligten Baufirmen Wolff & Müller sowie Kuhn, des Landratsamts Neckar-Odenwald-Kreis und des Regierungspräsidiums Karlsruhe, um beim Hochbehälter Mutschere und anschließend im Gasthaus „Löwen“ den Abschluss dieser größten Infrastrukturmaßnahme gebührend zu würdigen.

Bürgermeister Thomas Ludwig betonte vor den Gästen, darunter auch Bauamtsleiter Roland Bangert, Kämmerer André Kordmann und Mario Bierl von der Wasserversorgung Bauland GmbH, das große Interesse am Tag der offenen Tür. Dieses sei nicht nur dem guten Wetter, sondern vor allem der enormen Bedeutung einer funktionierenden Wasserversorgung für jeden einzelnen Mitbürger und die gesamte Gemeinde geschuldet gewesen.

Die Anfänge der Seckacher Wasserversorgung

In seinem Rückblick auf die vergangenen 18 Jahre ging der Bürgermeister auch auf die teils schwierigen Anfänge der örtlichen Wasserversorgung ein. Bereits 1912 habe es Überlegungen gegeben, für Zimmern und Seckach eine gemeinsame Wasserversorgung zu errichten, was jedoch nicht umgesetzt worden sei. Aufgrund staatlicher Anstöße mussten Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in allen Dörfern Grundsatzentscheidungen zu diesem Thema getroffen werden, da viele Schultes der Ansicht waren, die althergebrachten öffentlichen Brunnen seien ausreichend.

Auch in Seckach dauerte es noch bis zum 28. Dezember 1907, ehe der Gemeinderat den erstmaligen Bau einer Wasserleitung beschloss. Doch Leitungen allein seien nur ein Aspekt gewesen, leistungsfähige Quellen der andere. Bis in die 1970er-Jahre hinein gaben Seckach, Großeicholzheim und Zimmern erhebliche Summen für Probebohrungen aus, um quantitativ und qualitativ geeignete Quellen zu finden. Die starke Bevölkerungszunahme nach dem Zweiten Weltkrieg machte diese Suche noch dringlicher.

Vom Eigenwasser zur Mischwasserversorgung

1968 gab es unter anderem Pläne zur Bildung eines Zweckverbands „Wasserversorgung Hergstbach-Seckachgruppe“ zur Versorgung der Gemeinden Seckach, Sennfeld, Unterkessach sowie der Stadt Adelsheim mit der neuen Justizvollzugsanstalt. Schließlich erfolgte im April 1974 der Anschluss des Ortsteils Seckach an die Fernwasserversorgung Rheintal, die zum 1. Januar 1981 von der Bodenseewasserversorgung übernommen wurde. Großeicholzheim und Zimmern behielten zunächst ihre Eigenwasserversorgungen.

Die dringend notwendige Sicherstellung von ausreichend sauberem Trinkwasser stand lange Zeit althergebrachten Befindlichkeiten entgegen. So lehnte etwa der Ortsteil Zimmern 1992 den Anschluss an die Bodenseewasserversorgung noch ab. Man wollte das eigene Wasser behalten, obwohl es immer unsicherer wurde. Hinzu kamen zunehmend Beschwerden über den hohen Kalkgehalt des Wassers, der zwar keinen Einfluss auf die Trinkqualität hat, aber Haushaltsgeräte belastet.


Die Leitungen vom Bodensee bis Seckach. Im Hochbehälter Mutschere finden sich die Zuläufe von Bodenseewasser, und Großeicholzheimer Wasser zur Mischung im Hochbehälter. (Fotos:Roland Bangert)

Erst 2008 nahm die Entwicklung richtig Fahrt auf, nachdem der Tiefbrunnen „Kohlplatte“ in Großeicholzheim trüb geworden war. Bis zum Einbau einer Ultrafiltrationsanlage im Jahr 2010 musste Großeicholzheim mit einer provisorischen Leitung vom Seckachweiher bis zum Hochbehälter Mutschere mit Bodenseewasser versorgt werden. Diese Phase machte allen Beteiligten deutlich, wie anfällig eine Wasserversorgung ist, die nur auf einem Standbein ruht.

Mehr Resilienz für die Gesamtgemeinde

Die Ereignisse führten zu einem Umdenken: Auch die Versorgung Seckachs mit Bodenseewasser erwies sich nicht als unverwundbar. Die Fachwelt stand Mischwasserversorgungen zwar lange skeptisch gegenüber, doch die Zerstörung der Twintowers veränderte die Sichtweise grundlegend. Für die Gemeinde Seckach ging es fortan darum, für alle drei Ortsteile zwei Standbeine zu schaffen und damit die Resilienz der Wasserversorgung zu stärken. Wasserversorger zählen zur kritischen Infrastruktur, weshalb der Schutz vor physischen Angriffen ebenso wie vor Cyberangriffen essenziell ist.

Zwar hatte das Ingenieurbüro Fritz-Planung aus Bad Urach bereits 2008 den Planungsauftrag für die Wasserversorgung im Ortsteil Großeicholzheim erhalten, doch 2009 folgte ein Auftrag für die Gesamtgemeinde, gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Sack & Partner. Seit der ersten Bezeichnung „Wasserversorgungskonzeption für die Gesamtgemeinde“ am 15. September 2009 entwickelte sich ein breit angelegter bürgerschaftlicher Beteiligungsprozess.

Planung, Varianten und Beschlüsse

Am 15. September 2010 stellte Dr. Edmund Leiber vom Büro Fritz-Planung den ersten Entwurf in der voll besetzten Seckachtalhalle vor. Als technischer Geschäftsführer des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung sprach sich Prof. Dr.-Ing. Hans Mehlhorn für die Mischwasserlösung aus. Die Seckacher lehnten jedoch den ersten Lösungsansatz und die Unterteilung in „Seckach-West“ sowie „Seckach-Ost“ ab, weil das Vertrauen in das Zimmerner Eigenwasser nicht besonders ausgeprägt war.

Der Gemeinderat nahm dies ernst und beauftragte das Ingenieurbüro Fritz-Planung am 4. Juli 2011 mit einer weiteren Variantenuntersuchung. Am 21. Mai 2012 entschied sich das Gremium schließlich für die „Variante 7“: ein umfangreiches dreiteiliges Projekt zur einheitlichen Mischwasserversorgung der Gesamtgemeinde, bei dem die drei zentralen Ziele Vorrang des Eigenwassers, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit mustergültig umgesetzt wurden.

Der erste Bauabschnitt: Hochbehälter Talberg

Nach umfangreichen Abstimmungen mit den technischen Fach- und Förderbehörden beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis und dem Regierungspräsidium Karlsruhe begann der erste Bauabschnitt mit dem Bau des neuen Hochbehälters Talberg in Seckach mit einem Fassungsvermögen von 1.100 Kubikmetern sowie dem Anschluss des Ortsteils Zimmern an diesen Behälter. Die zugehörige Fachförderung in Höhe von knapp 2,3 Millionen Euro, damals die größte Einzelförderung in ganz Baden-Württemberg, wurde am 3. Mai 2013 von Helmfried Meinel, dem Amtschef des Umweltministeriums, persönlich überreicht. Die Inbetriebnahme des Hochbehälters Talberg erfolgte am 15. September 2015. Seit diesem Tag wird der Ortsteil Zimmern mit Bodenseewasser versorgt.

Die Zimmerner Quelle wurde aus der regelmäßigen Nutzung für die Trinkwasserversorgung herausgenommen, dient aber weiterhin als Brauchwasserquelle, etwa zur Sportplatzbewässerung, und könnte in außergewöhnlichen Notsituationen binnen weniger Tage wieder an das Netz angeschlossen werden.

Der zweite Bauabschnitt: Verbesserte Druckverhältnisse

Der zweite Bauabschnitt betraf den Anschluss des Ortsteils Seckach an den neuen Hochbehälter Talberg. Für die Seckacher Hochzone konnte im Zuge dieser Maßnahme die lang ersehnte deutliche Verbesserung der Druckverhältnisse umgesetzt werden. Mit erneuter finanzieller Unterstützung des Landes Baden-Württemberg begannen die Bauarbeiten im Herbst 2017.

Der umfangreiche Leitungsbau umfasste unter anderem die Durchpressung des Bahndamms am Bahnhof Seckach. Auch der Einbau eines Schachtbauwerks in der Waidachshofer Straße war damals ein spektakuläres Ereignis. Im Rahmen des ersten und zweiten Bauabschnitts konnten bis Anfang 2021 fünf alte Hochbehälter und Pumpwerke außer Betrieb genommen werden, wodurch sich die Wirtschaftlichkeit der Wasserversorgung weiter verbesserte.

Der dritte Bauabschnitt: Doppelleitung und Umbauten

Der Gemeinderat stimmte im selben Jahr der dritten und letzten Ausbaustufe zu. Sie umfasste den Bau der 3,9 Kilometer langen Doppelleitung zwischen Seckach und Großeicholzheim sowie den Umbau des Hochbehälters Mutschere und des Pumpwerks Kohlplatte für den Mischwasserbetrieb. Mit geplanten Nettobaukosten von über 4,3 Millionen Euro war auch dieser Abschnitt ein großes Vorhaben.

Bereits im Herbst 2021 wurde der Förderantrag gestellt, die Bewilligung erfolgte jedoch erst 2024. Danach ging es zügig voran: Am 24. April erfolgte die Auftragsvergabe für den Bau der Doppelleitung an die Bietergemeinschaft der Firmen Wolff & Müller Tief- und Straßenbau sowie Schäfer Rohrnetz- und Anlagenbau. Der offizielle Spatenstich fand am 30. Juli 2024 statt. Am 27. Januar 2025 wurde schließlich der Auftrag für den Umbau des Hochbehälters und des Pumpwerks vergeben.

Ein Meilenstein für die Zukunft

Dann kam der 29. Oktober 2025. „Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für die Gemeinde Seckach und ihre Bürger“, sagte Bürgermeister Ludwig: Nach zwölfjähriger Bauzeit hieß es „Wasser marsch“ für das einheitliche Mischwasser aller drei Ortsteile.

Immer wieder seien zwar Diskussionen über die Sinnhaftigkeit der Wasserversorgungskonzeption aufgeflammt, doch letztlich sei dieses Jahrhundertprojekt in Seckach heute bürgerfreundlicher denn je. Die Versorgungssicherheit habe sich in einem bislang nie dagewesenen Ausmaß verbessert. Selbst bei einem kompletten Ausfall des Bodenseewassers könne der normale Trinkwasserbedarf der Bevölkerung aller drei Ortsteile über das Eigenwasser aus dem Tiefbrunnen Kohlplatte leitungsgebunden gedeckt werden.

Ludwig hob hervor, dass zwei Standbeine für die Zukunft das wichtigste Faustpfand seien. Wer wolle sich im Ernstfall schon in eine Menschenschlange einreihen, um sich in der Ortsmitte am Zapfhahn eines Tankwagens Trinkwasser in Kanister füllen zu lassen? Ein Zwischenfall könne bei einem an 365 Tagen rund um die Uhr betriebenen System wie der Trinkwasserversorgung jederzeit auftreten. Dafür brauche es nicht einmal einen äußeren Angriff. Erst kürzlich, am 29. April 2026, sei es wegen eines defekten Steuerungsteils an der Ultrafiltrationsanlage im Tiefbrunnen Kohlplatte in Großeicholzheim zu einem Ausfall des Eigenwassers gekommen. Davon habe jedoch niemand etwas bemerkt, da durch die Doppelleitung von Seckach nach Großeicholzheim sofort 100 Prozent Bodenseewasser zur Verfügung gestanden habe.

Mehr als nur Trinkwasser

Zusätzlich wurde durch das Großprojekt auch die Löschwasserversorgung auf den neuesten Stand gebracht. Die Bannholzsiedlung profitiert von der dringend erforderlichen Erneuerung ihrer Ortsnetzleitung mit gleichzeitigen Glasfaserleerrohren sowie von der Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße Großeicholzheim–Bannholzsiedlung.

Größte Tiefbaumaßnahme in der Seckacher Geschichte

Ein Blick auf die Baukosten zeigt, dass das Projekt mit Nettokosten von rund 9,5 Millionen Euro für die Gemeinde Seckach, möglich nur dank einer Fachförderung des Landes in Höhe von rund 5,4 Millionen Euro, als größte Tiefbaumaßnahme in die Seckacher Geschichte eingeht.

Mit einem Dank an alle, die über viele Jahre geduldig, überlegt, kooperativ und termintreu an Planung und Umsetzung des Projekts beteiligt waren, darunter vor allem Bauamtsleiter Roland Bangert und Kämmerer André Kordmann, schloss Ludwig seine Festrede. Für alle am Bau Beteiligten dankte anschließend Fynn Droste vom für Planung und Bauleitung verantwortlichen Ingenieurbüro Fritz-Planung aus Bad Urach der Gemeindeverwaltung, Bauamtsleiter Bangert und allen Kolleginnen und Kollegen für die gute Zusammenarbeit.

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