Laudenberg – Geschichte eines ritterlichen Dorfes

04.02.10

Bernd Fischer machte Geschichte lebendig

(Grafik: Gemeinde Limbach)

Laudenberg (bd). Referent Bernd Fischer und Gastgeber Klaus Brauch-Dylla von der Limbacher VHS-Außenstelle machten schon vorab zufriedene Gesichter. Trotz heftigen Schneetreibens zog die angekündigte Reise in die Vergangenheit eine so große Besucherzahl in den Saal des  „Wilden Manns“, dass die Saaltür geöffnet werden musste. Überwiegend Einwohner des Odenwalddorfes aus allen Altersklassen, aber auch einige Geschichtsinteressierte aus der Nachbarschaft, darunter Bürgermeister Bruno Stipp, sollten am Beispiel des Odenwaldorts Wichtiges über die Siedlungsgeschichte der Region erfahren, das bis heutige vielfältige Auswirkungen hat.

Brauch-Dylla versprach in seiner Begrüßung die Klärung grundlegender Fragen – warum im Wappen des Ortes ein Horn statt eines Christbaums enthalten sei und weshalb der örtliche Fußballverein mit schwarz-weißen Vereinsfarben auf Punktejagd gehe.


Die Beantwortung auch dieser Fragen machte sich Bernd Fischer zur Aufgabe. Der Einbacher Heimatforscher griff dabei jedoch nicht nur auf seine umfangreichen Forschungen und Beiträge zurück, die im 1993 erschienen Heimatbuch „650 Jahre Laudenberg“ enthalten sind, sondern gestaltete für den Abend eine aufwändige Power-Point-Präsentation. Deren Nutzen wurde gleich zu Beginn deutlich, als Fischer die großflächigen Luftbildaufnahmen der Odenwälder Rodungsinseln mit Zeit- und Richtungspfeilen belegte und so darstellte, dass der südliche Odenwald zunächst von den Schlössern Lohrbach und Zwingenberg aus planmäßig und in Etappen erschlossen wurde, ehe das Kloster Amorbach als Akteur auf den Plan trat. Begünstigt habe die Gründung Laudenbergs, das als „Ludenberg“ erstmals 1345 urkundliche Erwähnung fand, seine geografische Lage. Es bildete eine Wegekreuzung auf der Süd-Nord-Route vom Neckar (Bad Wimpfen) zum Main, von West nach Ost kreuze der Weg von Eberbach nach Buchen, der kleine Laudenbach sei gut zu überqueren gewesen. Günstig für die Besiedlung auch die zahlreichen gut nutzbaren Quellen, die die Wasserversorgung sicher gestellt hätten. Die bei der Gründung angelegten Gehöfte und die zugehörigen Flächen seien zum Teil bis heute belegbar.

Laudenberg gehörte früh zur Mudauer Zent und stellte auch Schöffen für die dortige Gerichtsbarkeit, auf Schmunzeln beim Publikum stieß die von Fischer aufgezählte Zuständigkeit des Ortsgerichts: neben der Urteilsfindung bei nichtblutenden Wunden und einfachen Diebstählen saß man auch über das Vergehen der „Schwängerung“ zu Gericht.

Bemerkenswert die Besitzteilung des Dorfes zwischen Adel und Kloster, mutmaßliche Trennlinie dafür sei der Laudenbach gewesen. Die Ortsherrschaft war 1395 zu zwei Dritteln im Besitz des Klosters Amorbach, zu einem Drittel im Besitz des Adels, wohl schon damals der Herren von Adelsheim. Zeitweise waren einige Laudenberger Bauern auch der Pfalz Mosbach untertan, letztlich kamen die Adelsheimer mutmaßlich Mitte des 16. Jahrhunderts zur Alleinherrschaft. Als Adelsheimer Besitz war Laudenberg wohl schon seit dem 16. Jh. dem Reichsritterkanon Odenwald inkorporiert und kam 1805 an Leiningen, das bereits 1802/03 die Zentherrschaft übernommen hatte.

Und wer nun das Adelsheimer Wappen und dessen Farben vor Augen hatte, dem fiel die Beantwortung der Eingangsfragen nicht mehr schwer. Eine Frage aus dem Publikum konnte aber auch der mit großem Beifall und Dank bedachte Bernd Fischer nicht lösen: „Bei uns heests hiewem Bach und driewem Bach, aber wo issen jetzt hiewe – und wo is driewe?“

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