Historisches Musikkulinarium in Osterburken

28.02.10

Musikalisch-literarisches Tafelkonfekt für Mittelalter-Begeisterte

(Fotos: Adventon)

Osterburken. (mw) Nach dem weiterhin erfolgreich etablierten Winterprogramm „Tafeln Trinken Tanzen“ beginnt im Frühsommer dieses Jahres die Reihe Musikalisches Tafelkonfekt im „Spießbürger“, dem Museumsrestaurant auf der Marienhöhe in Osterburken. Eines der abendfüllenden mit Musik und Texten untermalten Bankette heißt „Minne im Maien“. Der „Mayen“ ist des Minnesängers größte Freudenzeit: In unzähligen Liedern werden die Vertreibung des Winters, die Rückkehr der „vogellîn“ und die Farbenpracht der „bluomen“ gefeiert. Sein Können spricht für sich: Seckel hat bereits zum zweiten Mal den «Minnesänger-Wettstreit» gewonnen. Nach dem letztjährigen Sieg auf der Burg Trifels in der Südpfalz darf er sich nun wieder «Minnesänger des Jahres » nennen.

Wer könnte sagen wie die Sänger des Mittelalters geklungen haben? Wie mag wohl Walther von der Vogelweide oder Neidhart aufgetreten sein? Eine spannende und persönliche Antwort darauf gibt Knud Seckel bei gutem Essen, gutem Wein, in musikalischen und rezitierten Interpretationen von vor langer Zeit überliefertem Text- und Bildmaterial. Inspiriert von den Werken der Troubadoure und Trouvères jenseits des Rheines, spannt sich ein Bogen über die mittelhochdeutschen Lieder hinaus zu den anderen Literatursprachen des Mittelalters. Hierbei gleitet der Blick auch aus der christlichen Welt hinaus zum jüdisch-arabischen Kulturkreis. Oft ist es die Frau seines Herzens, die er öffentlich besingt – manchmal auch ein Selbstgespräch. Nie verliert er jedoch den Blick für sein Auditorium, ohne das er seine Kunst nicht leben kann. Die Zuhörer sind immer gleichzeitig Akteure wie bei einer höfischen Gesellschaft eingebunden in die Lieder und Ereignisse des Vortrages. Zarte, besinnliche Töne wechseln sich mit frechem, frivolem Gesang ab. Lyrische Melodien erklingen neben beschwingten Instrumentalstücken zum Tanz. Hohe und niedere Minne, sehnende und erfüllte Liebe sprechen aus dem Herzen des Minnesängers.

Knud Seckel ist nicht irgendeiner dieser vielen Spielleute auf mittelalterlichen Märkten. Er findet durch Reisen in die verschiedenen musikalischen Kulturen Westeuropas und Nordafrikas Zugang zu den lebendigen Spuren traditioneller Musik. Von 1994 – 2000 studiert er Romanistik, Kunstgeschichte und Musikwissenschaft in Heidelberg. Sein Interesse gilt hierbei dem Mittelhochdeutschen und den historischen Sprachen Südwesteuropas, deren Kenntnisse er durch längere Studienaufenthalte in Grenoble (Frankreich) und Sevilla (Spanien) vertieft. Schon seit 1986 beschäftigt sich Knud Seckel intensiv mit historischer Musik Seine Erfahrung als Sänger und Musiker bringt er in verschiedene Solistenensembles und als Instrumentallehrer ein. Er ist Mitbegründer der Formation „Wildwuchs“ im Jahre 1991 und des „Ensemble Trecento“ im Jahre 1995. Im gleichen Jahr beginnt die Mitwirkung bei der Gruppe „Wünnespil“, die bis 2001 andauert. Seit 2003 tritt er auch als Solist auf. Mehrere CD-Veröffentlichungen, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen kamen hinzu. Was noch nicht so richtig bekannt ist: Seit ein paar Jahren gibt es wieder Minnesängerwettstreite in Deutschland, maßgeblich organisiert von Dr. Lothar Jahn. Seckel gewann 2007 und 2009 jeweils den Haupt- und Publikumspreis.

Zum Repertoire des Abends gehören innig, verhaltene Stücke wie „Wol mich der stunde“ aber auch tänzerisch, beschwingte Interpretation von „unter der linden“ mit direkter Überleitung in das französische Trouvèrelied „en mai“. Walther von der Vogelweide, Neidhart, aber auch Oswald von Wolkenstein werden durch Seckel lebendig.

Walther von der Vogelweide hat eine Spannbreite von Literatur hinterlassen, wie kein anderer. Man wird in allen Bereichen fündig, von der politischen Einmischung in das Reichsgeschehen über Lieder von Lebensweisheit bis hin zu den Minneliedern, die von hoher wie auch niederer Minne berichten. „Da ist alles geboten und als Sänger kann man aus dem Vollen schöpfen“ so Seckel in einem Interview. „Auch Neidhart aus dem Reuental, den man auch heute noch wunderbar verstehen kann in seiner drastischen Sprache spielt in den Vorträgen eine Rolle. „Vor allem gibt er genügend Notenmaterial, welches man sehr ansprechend interpretieren kann. Er ist sicherlich der „Popstar“ des Mittelalters gewesen. Seine Melodien perlen heute genauso wie früher sehr gefügig über die Saiten, das macht große Freude. Es gibt auch eine ganze Reihe anonymer Texte, die mir sehr am Herzen liegen, darunter finden sich auch die Juwelen der mittelhochdeutschen Dichtung wie „ich zôch mir einen falken“, etc. Inhaltlich bin ich aber auch an den Dichtern interessiert, die aus der romanischen Kultur die Impulse in die Minnelyrik hineingebracht haben, wie z.b. Friedrich von Hausen oder Otto von Botenlauben. Dabei ist sicherlich auch Wolfram von Eschenbach zu nennen, der sich mit seinem Parzifal stark an dem französischen Vorbild orientiert. Bisweilen singe ich auch Oswald von Wolkenstein, der ist nun aber eigentlich kein Minnesänger mehr, obwohl er auch Minne- und Tagelieder geschrieben hat. Er stellt eine Art Bindeglied zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit dar, da er realistische Gegebenheiten besingt, die eben nicht wie in den Minneliedern zumeist nur eine erdachte Situation beschreiben“, sprudelt es aus dem begeisterten Mittelalter-Interpreten hervor.

Während die so genannten mittelalterlichen Märkte immer stärker musikalisch dominiert werden von lautstarken Musikanten mit nackten Oberkörpern traut sich hier einer den Weg des kultivierten Klanges zu gehen und ist dennoch tolerant: „Eine Facette der Rockmusik in Deutschland ist, sich am Fundus mittelalterlicher Melodien zu bedienen. Ich finde das völlig in Ordnung solange die Interpretation dieser Melodien musikalisch bleibt, nicht seelenlos nachgespielt wird und die schiefen Töne mit dem Prädikat „authentisch mittelalterlich“ entschuldigt werden. Man kann auch auf alten Instrumenten sauber spielen“. Knud Seckel ist zu Gast in Osterburken mit den Programmen „Minne im Maien“ am Freitag, 7, Mai, „Richard Löwenherz – König, Kreuzfahrer und Minnesänger“ am Freitag, 9. Juli und mit dem „Nibelungenlied“ am 23. Juli. Beginn des Musikkulinariums jeweils um 19 Uhr.

Infos im Internet:
www.ohnekartoffeln.de

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