Auf dem Sportplatz Leben gerettet

„Wir haben gewusst, dass irgendjemand was machen muss“

Dem Fußballplatz ist er treu geblieben: Vor genau einem Jahr ist Klaus Müller hier am Sonntagnachmittag als Zuschauer urplötzlich mit Herzkammerflimmern bewusstlos zusammengebrochen und eine beispielhafte Rettungskette wurde in Gang gesetzt. Heute führt der Hettinger schon lange wieder ein ganz normales Leben. (Foto: LRA)

Buchen. Sonntag, 11. Oktober 2009, 80. Minute im Spiel des Kreisligisten FC Viktoria Hettingen gegen den SV Osterburken. Der Zuschauer Klaus Müller, damals 53 Jahre alt, sportlich, schlank und vermeintlich kerngesund, fällt urplötzlich auf dem Hettinger Sportplatz  um und bleibt bewusstlos liegen. Was dann folgte, war absolut mustergültig: sowohl hinsichtlich des Verhaltens der couragierten Ersthelfer als auch der weiteren Rettungskette, die reibungslos funktionierte.

Dieser Rettungskette verdankt Klaus Müller aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur sein Leben, sondern auch die Tatsache, dass praktisch keine Einschränkungen zurückgeblieben sind und er am Jahrestag seiner „zweiten Geburt“ schon lange wieder an seinem Schreibtisch bei der Stadtverwaltung in Buchen sitzt. Ein im November 2009 implantierter Herzschrittmacher mit Defibrillator soll ein erneutes Kammerflimmern des Herzens – das nämlich war die Ursache für den Zusammenbruch – verhindern und ermöglicht dem passionierten Sportler ein fast normales Leben. „Ich lebe bewusster und habe ein bisschen zurückgeschraubt, was meine Vereinstätigkeiten und meine Termine betrifft. Ansonsten geht es mir gut und ich bin mehr als zufrieden“, erklärt Klaus Müller, der schon Anfang 2010 an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt ist. An die Geschehnisse auf dem Sportplatz hat er keine Erinnerungen: „Der komplette Sonntag ist aus meinem Gedächtnis gestrichen.“

Tatsächlich eilten dem bewusstlos am Boden liegenden, blau angelaufenen und völlig verkrampften Müller sofort der Rentner Rudi Knühl und Ulrich Wegert, ein selbstständiger Vermögensberater,  zur Hilfe. Beide sind keine ausgebildeten Sanitäter,  begannen aber ohne Umschweife mit Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. „Dabei haben wir uns abgewechselt“, so Rudi Knühl: „Wichtig war, die Ruhe zu bewahren.“ Und Ulrich Wegert ergänzt: „Ein Blick auf Klaus hat mir gesagt, dass was ganz Schlimmes passiert war. Der Puls war ja auch weg.“ Woher wussten die beiden, was in diesem speziellen Moment lebensrettend war? „Die Pumpe muss laufen, ohne die geht nichts“, fasst Knühl die Empfindung zusammen, die ihn auf dem Sportplatz das Richtige hat tun lassen. Ulrich Wegert war 15 Jahre bei der Bundeswehr: „Bestimmte Dinge bleiben da einfach haften.“ Und warum haben sie sich nicht darauf beschränkt, den Notarzt zu rufen und abzuwarten? „Wir haben gewusst, dass irgendjemand was machen muss, wenn der Klaus das überleben soll“, so die schlichte, einhellige Antwort.

Tatsächlich haben die beiden aller Wahrscheinlichkeit nach Müller das Leben gerettet und  durch ihr rasches Eingriffen verhindert, dass es zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn kam. So urteilt auch Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker, Chefarzt an den Neckar-Odenwald-Kliniken, der als Notarzt rund 5 Minuten nach dem Eingang der Meldung über die Notrufnummer 112 auf dem Sportplatz ankam. „Die Ersthelfer haben genau richtig gehandelt. Sie haben uns knapp und sachlich über das Geschehen informiert und halfen dann sogar noch, alles abzusperren, damit der Rettungshubschrauber der DRF landen konnte.“ Nachdem gemeinsam mit einem Team des DRK Buchen die Stabilisierung gelungen war und das Herz von Müller wieder selbständig schlug, fiel nämlich die Entscheidung, ihn ohne Zeitverlust per Hubschrauber in eine Klinik mit Herzkatheterlabor – in diesem Fall Würzburg – bringen zu lassen.

Beim professionellen Rettungs- und Notarztdienst haben in diesem Fall alle Glieder der Rettungskette reibungslos ineinander gegriffen. Notärzte der drei Notarztstandorte Mosbach, Buchen und Hardheim rücken im Schnitt zehnmal täglich aus, was sich auf rund 3800 Einsätze im Jahr summiert. Die Einsatzfahrzeuge werden von den beiden Kreisverbänden des DRK gestellt. Mit vier Rettungswachen im gesamten Kreisgebiet stellt das DRK gemeinsam mit den Krankenhäusern die Notfallversorgung über 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr sicher. Und das in der schnellstmöglichen Zeit, obwohl im Neckar-Odenwald-Kreis als Flächenlandkreis ein großes Gebiet abzudecken ist.

Ausschlaggebend für den überaus positiven Verlauf waren in diesem konkreten Fall aber die Ersthelfer,  so Genzwürker. „Natürlich haben wir unsere Arbeit gemacht, aber ohne den umgehenden Notruf und insbesondere die Wiederbelebungsmaßnahmen der Ersthelfer wäre dieses Unglück nicht so glimpflich ausgegangen. Das Verhalten von Rudi Knühl und Ulrich Wegert  war absolut vorbildlich.“ Selbstverständlich war und ist es leider nicht. Deshalb appelliert der erfahrene Notarzt: „Wenn Sie unsicher sind, machen Sie einen Kurs beim Roten Kreuz. Trauen Sie sich, stehen Sie nicht am Rand, sondern greifen Sie im Notfall beherzt ein. Das hat auf dem Hettinger Sportplatz ein Leben gerettet.“

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