Waldtelefone – Kriegszeugen im Odenwald

In einer der Säulen ist noch eine Verteilerdose erhalten geblieben, ein nach unten gelochtes Gussgehäuse mit einer Bakelitplatte und Anschlusshülsen aus Messing. (Foto: Flowcatcher/Wikipedia)

von Ralf Seidel

Odenwald/Kraichgau. Vielen Spaziergängern werden im Odenwald und dem Kraichgau solche seltsame Betonhäuschen aufgefallen sein und schon so mancher fragend davorgestanden haben.

Es handelt sich dabei um steinerne Zeugen der Geschichte, die nunmehr seit über 65 Jahren an den Wegesrändern stehen. Sie wurden im Zuge der Errichtung einer Verteidigungsanlage, der Neckar-Enz-Linie, gebaut und dienten der Unterbringung von Verteileranlagen und Verstärkerstellen für das Festungsfernsprechnetz. Verbaut wurden dabei sogenannte Pupinspulen, die über größere Entfernungen halfen, die Qualität der Leitung zu verbessern bzw. eine Verbindung überhaupt erst ermöglichten.

Die damalige Technik setzte die Grenzen, denn nach etwa 7-800m musste die nächste Kabelsäule (s. Bild unten) stehen. Dies wurde auch konsequent durchgeführt, manchmal ungeachtet der örtlichen Gegebenheiten wie Täler oder Hanglagen, sie sind auch an mehreren Wasserdurchlässen an der Bahnstrecke entlang des Neckars zu finden.

Außerdem wurde genau darauf geachtet, dass die Türöffnung auf der „Freundseite“ lag. Manche der Kabelbrunnen sind daher rechtwinklig zum Weg oder Hang verbaut, was einen erneut fragend stehenbleiben lässt, wenn man die Hintergründe nicht kennt.

Die Technik stellte und installierte die Reichspost, die Erdarbeiten und die Herstellung der Säulen wurden durch das Militär erbracht. Wenn man die Säulen genauer betrachtet, sieht man, dass sie aus zwei „Gehäuse-“ Hälften gegossen und dann vor Ort mit Beton verbunden wurden.

Gerade in den Wäldern von Neckargerach bis Oedheim sind diese sogenannten Kabelsäulen bzw. -brunnen aufgrund der ausschließlichen Nutzung durch die Forstwirtschaft größtenteils noch vollständig erhalten geblieben.

Die Regelmäßigkeit in Entfernung und Ausrichtung setzt sich in den Stichstrecken fort, die vom Hauptstrang die Verbindung in Richtung Neckar herstellten. Jener läuft in etwa zwei Kilometer  Entfernung parallel zum Neckar. Manche Brunnen und Säulen sind mit im Innern per Schablone aufgemalten Buchstaben genauer bezeichnet, was heute eine leichte Folgerung und Auffindbarkeit ermöglicht, Stichstrecken haben eine nachgestellte Zahl als Unterscheidungsmerkmal.

In genannten Bereich sind momentan 45 Brunnen und Säulen bekannt und erhalten, zudem noch eine Reihe von Armierungsschuppen, diese meist als Fundamentreste mit den Maßen von zirka 6 mal 12 Metern.

Letztere dienten der Vorhaltung von Werkzeugen, Hilfsmitteln und Stacheldraht, welcher im Bedarfsfall schnell an die dafür vorher bestimmten Stellen gebracht werden konnte, um z.B. einen Talzugang abzuriegeln.

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Eine Kabelsäule als steinerner Kriegszeuge. (Foto: Flowcatcher/Wikipedia)

Infos im Internet:
de.wikipedia.org/wiki/Bespulte_Leitung
www.Hoehenglueck.de/NESIS
de.wikipedia.org/w/index.php?title=Neckar-Enz-Stellung&section=21#Nachrichtentechnik

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