Liedermacherkunst auf höchstem Niveau

Sebastian Lohse & Die Feine Gesellschaft

von Martin Hammer

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500 Lohse Kommode

(Foto: Michael Pohl)

Osterburken. „Erfolg für Alle“ versprach Sebastian Lohse in seinem Konzert bei der Kulturkommode Osterburken. Auch der Titel seines Programms „Erfolg“ ließ eigentlich darauf schließen, dass der Dresdner Liedermacher an diesem Abend nur Positives weiterzugeben hätte. Doch Erfolg sei durchaus ein zweischneidiges Schwert, ließ Sebastian Lohse die Zuhörer in der Alten Schule wissen. Er verändere die Menschen nicht, er entlarve sie. Um diesem Umstand gerecht zu werden, fanden sich poetische Chansons, Liebeslieder und gesellschaftskritische Songs gleichermaßen im Konzert, bei dem Lohse durch „Die Feine Gesellschaft“ in Person von Pianist Matthias Krüger begleitet wurde.

Sebastian Lohse ist ein außergewöhnlich vielseitiger Künstler: als Sänger und Gitarrist präsentiert er auf der Bühne Eigenkompositionen, deren Texte ebenfalls von ihm selbst stammen. Dass er auch Schauspielunterricht genoss, spürt man als Zuschauer an der Art, wie mitreißend er seine Auftritte gestaltet: mit passend eingesetzter Mimik und Gestik, vor allem aber mit seiner ausdrucksstarken Stimme gibt er seinen Songs eine Lebendigkeit, die einen nicht unberührt lässt. Er versteht es, ein Lied unscheinbar zu beginnen und die Intensität gegen Ende derart gewaltig zu steigern, dass es auf die Zuhörer einen beinahe magischen Sog ausübt.




Lohses Musik ist in Ansätzen durchaus an die Stimmung französischer Chansons à la Jacques Brel oder den Schlagern der 1920er Jahre angelehnt; jedoch hinken Vergleiche dieser Art ob der großen stilistischen Bandbreite und der modernen Kompositionen, die seinem Repertoire einen eigenständigen und frischen Charakter verleihen.

Mit feiner Ironie, poetischen Bildern und in vordergründig charmante Melodien verpackt singt der Liedermacher von Sehnsüchten, Enttäuschungen und entlarvt so manchen sozialen Misssstand. Das „Brunnenlied“ beispielsweise ist eine Parabel auf Verführbarkeit und Kollektivismus. Wer einmal vom Brunnen hinterm Tor getrunken hat, ist verdammt, immer wieder zu trinken und verfällt dadurch einer anonymen Macht. „Das Rädchen“, das sich im Kreise dreht, sind natürlich wir Bürger, integriert in einen gnadenlosen Arbeitsprozess. In einem anderen Stück dichtet Lohse: „Kleiner Mann, fang nicht zu jammern an. Sieh dir den Großen an, der hat auch seine Sorgen.“ Offenbar ein Seitenhieb auf aktuelle Manipulationsstrategien, mit denen Normalverdiener zum Stillhalten aufgefordert werden, während die großen Vermögen ins Unermessliche wachsen.

Sebastian Lohses eigentlich vierköpfige Begleitband „Die Feine Gesellschaft“ ist gerade bei Auftritten in kleineren Konzerträumen häufig lediglich durch Pianist Matthias Krüger vertreten, was auch in Osterburken dem musikalischen Gesamteindruck aber keinerlei Abbruch tat. Bestens aufeinander abgestimmt harmonieren Lohse an Gitarre und Krüger am Flügel und anderen Tasteninstrumenten gerade als Duo besonders gut. Nicht zuletzt bei den ruhigeren Liedern kommt Matthias Krügers einfühlsames Instrumentalspiel zum Tragen. Bei einigen Stücken waren die Zuhörer so gebannt, dass der Applaus erst nach dem Verklingen des letzten Akkords einsetzte.

Eines wurde am Ende des Abends klar: Sebastian Lohse und „Die Feine Gesellschaft“ bescherten dem Osterburkener Publikum ein eindrucksvolles Konzerterlebnis, das poetische Liedermacherkunst auf höchstem Niveau präsentierte und zum Genießen und Nachdenken gleichermaßen anregte.

 

Infos im Internet:

www.kulturkommode.de

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