Premiere bei interaktivem Nachmittag

Premiere bei interaktivem Nachmittag
Premiere bei interaktivem Nachmittag

Klaus Streib, Stefan Farrenkopf und Elfi Neubauer-Theis. (Foto: Liane Merkle)

Mudau. (lm) „Mundart im Dreiländereck“ hatte mit einem interaktiven Nachmittag im Mudauer „Café Rose“ mal wieder eine Premiere. Im familiären Ambiente des kinderfreundlichen Cafés hatte sich ein kleines, dafür um so interessierteres Publikum eingefunden, das „seine Sprachlichkeit“ – Mundartpapst Hans Slama – mit den unterschiedlichsten „Histörchen“ vom Mundartweg herzlichst begrüßte.

Dabei musste er feststellen, dass so mancher Dialekt – zum Beispiel der Rinderfelder – für die Zunge eines Langenelzers zur Stotterfalle werden kann. Doch kleine Versprecher, wenn man sich im Lesen der Dialekte von Owwerrin‘ (Obrigheim) über Schlossi (Schloßau) bis zur blau-weißen Grenze übt, nahm keiner übel, schließlich sind die Originale auf der Homepage des Buchener Bezirksmuseum oder bei einer Radtour an den über 70 Tafeln des Mundartwegs jederzeit akustisch abrufbar.

Und Dank dieser großartigen Projektleistung sind die Initiatoren des Mundartweges auch am Workshop „inklusives Kulturerleben“ der Hochschule Heilbronn und des Naturparkzentrums als „immaterielles Kulturerbe“ neben den Burgen Hornberg und Guttenberg, sowie der Burgenlandschaft beteiligt, praktisch als jüngste Auszeichnung in Sachen Mundartpflege.

Aber zurück zur „Rousche“, wo die Mundartautorin Elfi Neubauer-Theis aus Neckarbischofsheim den Kraichgau nicht nur sprachlich, sondern auch menschlich vorstellte und mit einer Sage aus eigener Feder erklärte, wie Neckarbischofsheim zu seinem Namen kam und warum es viel schöner und heimeliger, aber eben so gar nicht anonym auf dem Land zu leben lohnt, statt in der Stadt.

Sie hat bereits vier Bücher veröffentlich, u.a. Mundartgedichte im „Mid em Löwezahn fliege“, und ihr Verlag beschreibt sie folgendermaßen: „Die Autorin kann mit ihrer Lyrik, was viele mit vielen Worten umsonst versuchen: weitergeben, was sie bewegt, Gemeinsamkeit schaffen.

Mit feinen Antennen spürt sie dahin, wo das moderne Auge längst nicht mehr hinkommt: unter Beton, hinter Fassaden, in den fernen Himmel.“ Der „Ewwerbächerr“ Roland Beigel, bekannt als Rolling Roland, stellte seinen geliebten kurpfälzer Dialekt vor allem musikalisch und in Gedichtform vor, beides in unglaublicher Geschwindigkeit und unter dem Slogan „Spirit in da Haus“.

Die Liebe zu seiner Heimatstadt drückt er mit Auszügen aus dem „Kurpfälzer Reiter“ ebenso aus wie mit der Story vom cholerischen Eberbacher Frisör und seinem ungeschickten Lehrling oder dem Lied von „de Kohleschipper“ oder vom „Hölzerlips“ als Robin Hood des Odenwalds. Und natürlich durfte das Gedicht über’s „Palatinal“ – wie das kurzpfälzer Deutsch auch genannt wird – nicht fehlen.

Hans Slama stellte den Mudemer „Baschle un sei Äggerle“ ebenso vor wie die „De Baschle un de Seppl“ von Schlossi oder den Bauernhof aus „Großrinnerfl“ oder den Owwerischer Kropf samt Gruß oder „es Mudemer Bimmelbähnle“ von Amalie Grimm. Und er erläuterte, dass die A-Sprecher aus Mudi sich ganz einfach mit dieser besonders intensiven A-Sprache als „Halbherrn“ von den umliegenden O-Sprechern unterscheiden mussten.

Aus dem Publikum erzählte der Kerrichzeller (mit 3 R und 7 L) von seinem Vater, dem größten Bauer im Dorf – immerhin 1,93 Meter – und dass er inzwischen viele Dialekte kann, nur eben kein Schriftdeutsch. Und Klaus Streib (ehemaliger ostdeutscher Flüchtling und inzwischen „Fast-Mudemer“) wusste einige Geschichtchen aus der Zeit als er die hiesigen Dialekte noch für „auswärts“ hielt.

Hans Slama berichtete vom Wallfahrtsmarkt Walldürn als „Frankfurter Mess‘ im Odenwald“ und gab einen Crash-Kurs in der Räubersprache, die mit den Ausdrücken „maloochen, Kaff, schmusen (reden) oder linken noch heute manchmal im Sprachgebrauch ist. Er wusste aber auch eine Menge „Räuberzeichen“ zu deuten, was ganz brauchbare Hinweise auch noch heute, für das Publikum beinhaltete.

Alles in allem war die „Mundart in de Rousche“ ein überaus unterhaltsamer und lehrreicher Nachmittag in Wohnzimmer-Atmosphäre und für die Aktiven gab es Applaus „w.z“, also „wie d’Zau“!.

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