Bürgerwindrad macht keinen Bürgerwindpark

Unabhängige Bürger Waldbrunn (UBW) informieren über Bürgerbeteiligung bei Windkraftanlagen

Besichtigung Windpark Großer Wald in Hettingen/Rinschheim und Fachvortrag zur Bürgerbeteiligung in Mülben

Am Donnerstag, den 10. April startete eine interessierte Gruppe Waldbrunner Bürgerinnen und Bürger bei bestem Wetter zur Windpark-Besichtigungstour nach Hettingen. Uwe Steiff, erfahrener Windparkplaner und -betreiber und Geschäftsführer der Windpark Großer Wald Hettingen/Rinschheim Verwaltungs GmbH, konnte für die fachkundige Führung gewonnen werden.
Den Kontakt zwischen der UBW und Uwe Steiff hatte Susanne Wirtz von der Bürgerenergiegenossenschaft eG hergestellt.

Spannend berichtete Uwe Steiff von den sehr schwierigen Anfängen der Windkraftentwicklungen in den 1990er Jahren bis zum Bau des aus fünf Windrädern bestehenden Windparks Großer Wald 2013. Nabenhöhe, Rotorblätter und Leistung der Windräder haben sich beständig erhöht und verbessert. 143 m hoch ist der Turm. Die Rotorblätter haben einen Durchmesser von 114 m bei einer Leistung von 3,2 MW. Sie sind also vergleichbar mit den Anlagen, die im Windpark Markgrafenwald geplant sind.

Deutlich kam im Bericht von Uwe Steiff zum Ausdruck, was ihm besonders wichtig ist: „Solch ein Projekt kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten von Anfang an mit im Boot sind: Ortsvorsteher, Bürgermeister, Landrat, Bürger, Naturschützer. Das erfordert eine offene, transparente Kommunikation und ein Höchstmaß an lösungsorientierter Kompromissbereitschaft von allen. So kann die Energiewende von unten, also ausgehend von den Bürgern, erfolgreich sein.“

Mit einem Blick ins Innere eines Windrads und der erstaunten Feststellung, wie leise es sich drehte, endete die aufschlussreiche Besichtigung.

Im zweiten Teil der Veranstaltung traf man sich um 20:00 Uhr im Gasthaus „Drei Lilien“ in Mülben. Bürgerbeteiligung war das Schwerpunktthema des Vortrags von Uwe Steiff. Genau das Thema, das beim Windpark Markgrafenwald die Waldbrunner Bürgerinnen und Bürger sehr beschäftigt.



Unter den Zuhörern konnte Reinhold Weis, Vorsitzender der UBW, auch die beiden Planungsinvestoren Bertold und Dr. Leopold Prinzen von Baden begrüßen.

Nahtlos schloss Uwe Steiff an seine Ausführungen bei der Besichtigung in Hettingen an.

Bürgerwindparks schaffen eine sehr hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Dies bedeutet: Anwohner und Bürger aus der Region können sich an dem Windpark in ausreichender Form beteiligen. Es sollte sich um ernsthafte, offene und nachvollziehbare Beteiligungsangebote handeln. Nur wenn die Bürger transparente Informationen haben, können sie sich qualifiziert einbringen. Auch eine Rücksichtnahme auf lokale Besonderheiten gehört dazu. Besonders wichtig ist es, Vertrauen aufzubauen, und in vielen Gesprächen alle mit einzubeziehen. Lösungsorientierte Kompromissbereitschaft ist das Schlüsselwort.

Für die Situation in Waldbrunn hatte Uwe Steiff keine „schlüsselfertige Lösung“ parat. Er hatte aber einige Tipps und Vorschläge, wie es in der aktuellen Situation weitergehen könnte.

Für die Beteiligung an Windparks gibt es im Wesentlichen zwei grundsätzliche Beteiligungsformen: GmbH & Co KG und Genossenschaften. Beide haben Vor- und Nachteile. Sowohl eine Genossenschaft oder ein Verbund aus mehreren schon bestehenden Genossenschaften braucht eine längere Vorbereitungszeit, bis die Beteiligung organisiert ist. Aber auch eine GmbH & Co KG muss sich in einem sehr aufwändigen Prospekt vorstellen und um die Beteiligungen aus der Bevölkerung werben. Uwe Steiff riet allen Beteiligten: „Gehen Sie möglichst rasch in den gemeinsamen Dialog und bauen Sie Vertrauen auf“.

In der sich anschließenden angeregten Diskussionsrunde versicherten die Prinzen Bertold und Dr. Leopold von Baden, dass es eine Bürgerbeteiligung geben solle. Ein Konzept zur Beteiligung der Bevölkerung muss in der nächsten Zeit von der „Windpark Markgrafenwald GbR“ noch erstellt werden. Sobald das „fertige Haus“ aufgebaut ist, sollen die Öffentlichkeit und die Mitbürger einbezogen werden.

In Anbetracht des planungsrechtlichen Fortschrittes blieb die Frage offen, wie viel Zeit noch verbleibt, die Bürger tatsächlich einzubeziehen und auch der Umfang der finanziellen Bürgerbeteiligung ist ungeklärt. Ein dem Windpark Hettingen-Rinschheim vergleichbares Bürgerprojekt mit regionaler und überregionaler Ausstrahlungskraft scheint es nicht mehr werden zu können. Wie die Konzeption umgesetzt werden soll und ob bei der Bürgerbeteiligung nur an die Waldbrunner Bürger gedacht ist, muss geklärt werden. Dabei bleibt offen, ob man gemeinsam den Eigenkapitalanteil für ein Bürgerwindrad stemmen kann. Aus Sicht des Referenten wäre damit eine große Chance verpasst worden. Es wäre überfällig diese Fragen konkret mit den Bürgern zu klären.

P2190024 JPG

(Foto: privat)

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: