Im Kreis Miltenberg endet eine Ära

Landrat Roland Schwing verabschiedet – Grüner Jens Marco Scherf wird Nachfolger

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In bewegten Worten verabschiedete sich die stellvertretende Landrätin Claudia Kappes von Landrat Roland Schwing, der mit Ablauf des 30. April in den Ruhestand geht. Im Namen der Landkreisverwaltung und des Kreistags überreichte sie ein E-Bike, das vom Leiter des Landratsbüros, Gerhard Rüth, präsentiert wurde. (Foto: pm)

Miltenberg. (pm) Ein Ginkgo-Baum, ein Essensgutschein und als Clou ein E-Bike: Landrat Roland Schwing ist am Freitagabend nicht nur mit vielen lobenden Worten, sondern auch mit mehreren Geschenken verabschiedet worden. Da Schwing auf eine öffentliche Abschiedsveranstaltung verzichtet hatte, nutzen die Gäste der Abschiedsfeier für die Kreisräte und Bürgermeister die Gelegenheit, dem scheidenden Landrat eine Freude zu bereiten und seine Arbeit zu würdigen.

Abweichend vom offiziellen Programm, hatte zunächst der Kreisvorsitzende des Städte- und Gemeindetags, Bürgermeister Michael Berninger (Erlenbach), das Wort ergriffen. Im Namen aller Städte und Gemeinden im Landkreis hob Berninger die ausgezeichnete Zusammenarbeit des Landkreises Miltenberg in Person von Landrat Roland Schwing mit den Kommunen hervor. „Das war ein Pfund, mit dem der Landkreis wuchern konnte“, sagte der Kreisvorsitzende und hob die hohe Lebensqualität im Kreis hervor, die Ausfluss dieses gemeinsamen Miteinanders sei. „Es macht Spaß, in diesem Landkreis zu leben und leben zu dürfen“, meinte Berninger. „Die hohe Lebensqualität verdanken die Menschen zu einem großen Teil auch der vorausschauenden Arbeit von Landrat Schwing“, stellte er fest. Die Zusammenarbeit mit Schwing sei nicht nur sehr angenehm, sondern auch sehr offen gewesen. Nach stehenden Ovationen für den scheidenden Landrat überreichte Berninger dem Landrat einen Essensgutschein.

Claudia Kappes, Stellvertreterin des Landrates, sprach von einer zu Ende gehenden Ära. Der Verzicht Schwings auf eine öffentliche Verabschiedung sei schweren Herzens akzeptiert worden. Allerdings wolle man den Landrat nicht ohne Weiteres in den Ruhestand gehen lassen. Schwing gehörte seit 1984 dem Kreistag an, seit 1. November 1986 ist er Landrat. Der am 30. April 2014 aus dem Amt scheidende Schwing habe in seiner fast 28-jährigen Dienstzeit mit ganzer Kraft und Herzblut dafür gesorgt, dass sich der Landkreis Miltenberg positiv entwickelt habe, würdigte Kappes Schwings Lebenswerk. Schwing habe stets Antworten auf immer neue Herausforderungen gefunden und dazu beigetragen, dass gerade im finanziellen, schulischen, sozialen und ehrenamtlichen Bereich immer wieder neue Ideen, Projekte und Initiativen entstanden. „Mit Deiner typischen Dynamik, Deiner zielorientierten und positiven Einstellung und Deinem wirtschaftlichen Weitblick ist es gelungen, den Landkreis immer weiter nach vorne zu entwickeln“, stellte Kappes fest und verwies auf unzählige Weichenstellungen, die teilweise weit über den Landkreis hinaus strahlten. Schwings übergeordnete Leitgedanken seien stets der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen gewesen. Zahlreiche sportliche, touristische, kulturelle, soziale und ehrenamtliche Projekte hätten den Landkreis lebenswert gestaltet. Das zeige auch die aktuelle Focus-Untersuchung, in der der Kreis Miltenberg unter 402 Kreisen und Städten den hervorragenden 65. Platz belegt habe.

Schwing habe aber auch überörtlich gearbeitet: als Mitglied des Innovationsrings des Deutschen Landkreistags, als Mitbegründer und Leiter des Bayerischen Innovationsrings, als Erster Vizepräsident des Bayerischen Landkreistages, als Mitglied des Präsidiums des Deutschen Landkreistages, als Verwaltungsratsvorsitzender der Anstalt für kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB) und zurzeit als kommissarischer Präsident des Bayerischen Landkreistages. „Du warst und bist immer ein gefragter Mann, der sich an jedem Platz und an jeder Stelle mit größter Leidenschaft einsetzt“, sagte Schwings Stellvertreterin. Schwing sei für die kommunale Familie im Landkreis, in Bayern und in ganz Deutschland ein Glücksfall gewesen.

Sie überreichte Schwing einen Ginkgo-Baum. Das Bäumchen, das in Asien als „Baum des Lebens“ gilt, solle den Beginn eines neuen Lebensabschnitts symbolisieren. Da Sport für Roland Schwing immer wichtig war und ist, überreichte Kappes dem leidenschaftlichen Fahrradfahrer im Namen des Landkreises und der Mitglieder des Kreistags ein E-Bike. „Ein Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich“, schloss Kappes ihre Laudatio mit einem Zitat Schillers. Schwings Frau Renate überreichte Kappes einen Blumenstrauß als Dank für die stete Unterstützung ihres Mannes. Lange stehende Ovationen der Gäste zeigten, dass Kappes mit ihren Worten ins Schwarze getroffen hatte.

Roland Schwing gab zu, dass er nicht gerne selbst im Mittelpunkt von Veranstaltungen steht. Zu den Bürgermeistern sagte er, dass diese der verlängerte Arm des Landrates zu den Kommunen seien. „Landkreis und Gemeinden ergänzen sich in ihren Bemühungen, einen möglichst attraktiven und lebenswerten Landkreis zu schaffen“, stellte er fest. Für den Landkreis Miltenberg könne man feststellen, dass es wenige Landkreise gibt, in denen die interkommunale Zusammenarbeit so gut funktioniert wie hier. Am Beispiel des Behördennetzes könne man das sehen. „Bei uns wird über interkommunale Zusammenarbeit nicht nur geredet, sondern sie wird täglich praktiziert“, so Schwing, „die kommunale Familie ist bei uns hier intakt.“ Die Geschenke seien eine tolle Überraschung und eine Erinnerung an eine schöne Zeit, freute sich Schwing. „Ich hoffe nur, dass man den Elektroantrieb abschalten kann“, scherzte Schwing, der gerne selbst mit voller Kraft in die Pedalen tritt.

„Ich war gerne Landrat und habe mit viel Engagement versucht, das Beste aus diesem Job zu machen“, sagte Schwing. Er habe sich stets zu 100 Prozent mit dem Beruf identifiziert, blickte er zurück. Vor sechs Jahren habe er sich mit seiner Familie zusammengesetzt und gesagt, dass er unabhängig von allen eventuell kommenden gesetzlichen Änderungen der Altersgrenze nicht mehr kandidieren würde. Schwing fand es aber schade, dass in einer Zeit, in der über die Rente mit 70 oder 72 diskutiert wird, hauptamtliche Kommunalpolitiker nur bis 65 Jahre arbeiten dürften. In vielen anderen Bundesländern sei diese Regelung schon längst abgeschafft worden, sagte der Landrat. „Ich hätte noch viele Ideen gehabt“, sagte er. Auch hätte er gerne noch die Brücke im Südspessart und die Ortsumgehung von Sommerau in seiner Zeit als Landrat erlebt, gab Schwing zu. Als Demokrat müsse man das knappe Landrats-Wahlergebnis akzeptieren, nahm er abschließend zur Kommunalwahl Stellung. Der Wähler erwarte nun, dass sich die Politiker nicht gegenseitig behindern, sondern gut zum Wohl des Landkreises zusammenarbeiten, stellte Schwing fest und bat um Unterstützung für den neuen Landrat und die neuen Kreisräte.

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Ein Ginkgo-Baum soll für Landrat Roland Schwing (rechts) den Beginn eines neuen Lebensabschnittes symbolisieren. Auch dem neuen Landrat Jens Marco Scherf scheint das hübsche Bäumchen gut zu gefallen. (Foto: pm)

 

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