Gemeinschaftsschule statt Wahlfreiheit?

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(Foto: pm)

Nüstenbach. (pm) Karl-Wilhelm Röhm, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag, informierte auf Einladung der CDU Mosbach im Cafe Haas in Nüstenbach über die derzeitige grün-rote Schulpolitik in Stuttgart.

Besonderes Augenmerk legte er dabei auf die neue Schulart Gemeinschaftsschule. Von Bildungsmanagern statt Pädagogen installiert, stehen hier „Lernbegleiter“ den Schülern zur Seite, die in einem „Lernatelier“ ihren „Lernjob“ verrichten. Sie sollen ohne Notengebung und ohne Klassengemeinschaft individuelles Arbeiten erlernen. Röhm, selbst Direktor an dem Gymnasium Münsingen, konnte dabei über seine Besuche in verschiedenen Gemeinschaftsschulen berichten und den zahlreichen Zuhörern aufzeigen, dass diese Art von „Unterricht“ für viele Schüler nicht geeignet ist. Nur mit der Einrichtung von Förderklassen konnte verhindert werden, dass diese Schüler auf der Strecke bleiben. Ihnen bleibe ein „Paukjahr“ nicht erspart, in dem sie von Lehrern wieder „auf die Spur“ gebracht werden. Dies alles vor dem Hintergrund, dass in diesen Schultyp enorme Steuergelder gepumpt werden. Zudem seien rückgängige Anmeldungen in den Gemeinschaftsschulen zu verzeichnen. Erste Eltern möchten ihr Kind bereits nach dem ersten Jahr wieder abmelden.

Dieser Entwicklung setze die CDU in Baden-Württemberg eine klare Alternative entgegen. Das bisher sehr erfolgreiche Schulsystem, in dem alle Kinder entsprechend ihrer Begabungen erfolgreich eine Regelschule besuchen können, müsse beibehalten werden. Besonders der Realschule komme in unserem Bildungssystem eine zentrale Bedeutung zu. Es sei nicht tolerierbar, dass diese erfolgreiche Schule in allen Belangen gegenüber der Gemeinschaftsschule benachteiligt werde. So klagte auch Rektor Lagler von der Realschule Obrigheim, dass die finanzielle Förderung auf höchstens die Hälfte der Förderung der Gemeinschaftsschule reduziert wurde. Auch der Wegfall der Grundschulempfehlung gehe zu Lasten der Realschule. Röhm stellte in diesem Zusammenhang klar, dass die CDU zwar die bestehenden Gemeinschaftsschulen nicht wieder abschaffen könne, aber zumindest für gleiche Arbeitsbedingungen eintreten werde.

Auch der Erhalt der Werkrealschulen sei im Sinne der CDU. Es sei nicht hinzunehmen, dass aufgrund eines falschen Menschenbildes Kinder nur dann als erfolgreich gelten, wenn sie einen höheren Bildungsabschluss besitzen. Viel wichtiger sei es dagegen, dass jedes Kind in seinen ganz eigenen Fähigkeiten Förderung erhalte. Erfolgserlebnisse begründen Selbstbewusstsein und garantieren jedem Kind, unsere Gesellschaft erfolgreich mitzugestalten.
Ebenso bestehe bei den Gymnasien Handlungsbedarf. Neben dem Erhalt von G 8 solle G 9 flächendeckend möglich sein. Gerade das Nebeneinander von verschiedenen Schulmodellen garantiere eine wirkliche Wahlfreiheit für Eltern.
Gemeinschaftsschule oder „Verheißungsschule“, wie Röhm diese Schulart nennt, als Ersatz für Hauptschule, Werkrealschule, Realschule und Gymnasium bedeute keine Wahlfreiheit. Sie nehme den Schulen die Möglichkeit einer eigenständigen Entwicklung, eines eigenen Profils. Gerade dies aber sei ein wichtiger Entscheidungsfaktor für die Eltern. Denn: „Eltern vertrauen der Schule, nicht der Schulpolitik“.

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1 Kommentar

  1. „rückgängige Anmeldungen in den Gemeinschaftsschulen zu verzeichnen“

    Hat das vielleicht etwas mit Sättigung zu tun? Die Anzahl der Schulen ist nun einmal begrenzt.

    Dass ein Gymnasiumsdirektor die Gemeinschaftsschule verfälscht darstellt, verwundert kaum. Hier werden Besitzstände verteidigt. Doch rückgängige Schülerzahlen machen eine Änderung der Schullandschaft unumgänglich. Furcht und Furcht schüren vor nötigen Veränderungen ist unverantwortlich und eines Rektors nicht angemessen.

    Zudem ausgerechnet von Herrn Röhm, der gleichzeitig MdL, stellvertretender Fraktionsvorsitzdender und Schuldirektor ist. Kann er diese Jobs mit der gebotenen Sorgfalt zeitlich überhaupt bewältigen?

    Flächendeckend beides, G8 und G9 ist absurdes realitätsfremdes Wunschdenken. Auch der Bildungsetat ist in den Landeshaushalt eingebunden, für den die Schuldenbremse gilt.

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