SPD-Kreistagsfraktion informierte sich über Sucht

Vereine zeigen wenig Bereitschaft zur Prävention

Mosbach. “Eine besondere Herausforderung der nächsten Jahre wird ein wirksamer Spielerschutz zur Eindämmung der Glücksspielsucht sein“, berichtete der Leiter der Beratungsstelle Sucht Karl Pfeil bei der Sitzung der SPD-Kreistagsfraktion am vergangenen Mittwoch. Sein Referat bildete den Schwerpunkt des Austausches zwischen den Mitgliedern der SPD-Kreistagsfraktion und den  Mitarbeitern der Fachstelle Sucht in Mosbach.

In seiner Zusammenfassung über die Ausmaße der Glücksspielsucht und deren Ursachen berichtete er über  die finanziellen Zusammenhänge und die gesetzliche Lage im Bund und den Ländern in diesem Bereich: ca. 500 000 Spielsüchtige gibt es in der BRD (ca. 1000 im Neckar-Odenwald-Kreis). Insgesamt werden jährlich 11 Mrd. umgesetzt, wovon ca. 4.4 Mrd. allein bei den Glückspielautomaten entstehen. Dabei ergeben sich ca. 1,3 MRD. Steuereinnahmen! Diese werden natürlich gerne von Bund, Ländern und Kommunen eingenommen. Dass dabei aber auch pro abhängigem Spieler für diesen ca. 70.000 Euro Schulden entstehen wird meistens verdrängt. Deshalb sei es umso dringender, dass ein wirksamer Spielerschutz eingerichtet werde.

Zwar werden sowohl im Bund und auch im Land Gesetze verabschiedet, die dieses Ziel verfolgen, aber sie werden immer sehr schnell von den Spielautomatenbetreibern ausgehöhlt und unwirksam gemacht. Besonders bedenklich sei es, dass in BW in vielen Gaststätten Spielautomaten aufgestellt würden, aber das Personal nicht geschult werde, um die Spieler zu schützen und vor problematischem Spielverhalten zu warnen, wie das in Spielhallen  vorgeschrieben sei. Auch der Schutz von unter 18-Jährigen sei nicht überall gewährleistet und ebenfalls  die  vorgeschriebenen Höchstverluste oder -gewinne  werden in der Realität nicht eingehalten. Problematisch sei auch, dass sich ein süchtiger Spieler aus Datenschutz rechtlichen Gründen nicht sperren lassen könne. Insgesamt habe die Spielsucht in den letzten Jahren stark zugenommen ähnlich wie die Anzahl der Spielhallen und die Spielgeräte in den Gaststätten.

Die Fraktionsmitglieder waren sich einig, dass dieser Suchtproblematik stärker entgegen getreten werden müsse. MdB Dr. Dorothee Schlegel und MdL Georg Nelius sagten zu, dass sie sich in ihren Gremien für einen besseren Schutz einsetzen werden.

In seinen weiteren Erläuterungen berichtete Karl Pfeil über die recht erfolgreiche Arbeit mit Betroffenen anderer Süchte, wie Alkohol, Medikamente und illegale Drogen und die Präventionsarbeit.  Auch die schwierige finanzielle Lage der Beratungsstelle wurde thematisiert, die die Mitarbeiter nur durch Einkünfte aus Schulungen des Servicepersonals der Spielhallen verbessern könnten, was teilweise zwiespältig gesehen werde.

Dr. Schlegel berichtete ihrerseits von den Bemühungen zur Vorbeugung vom Alkoholkonsum im Sportbereich, auch bei Jugendlichen und äußerte ihre Enttäuschung über die nicht ausreichende Resonanz auf Präventionsangebote, bzw. über die Tabuisierung dieser Thematik.  Fraktionsvorsitzende Heide Lochmann beschloss den Beratungspunkt mit den Worten:“ im Namen der SPD- Fraktion herzlichen Dank  allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Beratungsstelle für die engagierte und für viele Menschen sehr hilfreiche Arbeit. Sie sind häufig der wichtigste Ansprechpartner um Betroffenen zu helfen, auszusteigen aus ihren Problemen mit Spiel, Alkohol Medikamenten und anderen Süchten“

 Der zweite Schwerpunkt der SPD-Fraktionssitzung war die Vorbereitung verschiedener Ausschusssitzungen und der Kreistagssitzung. Diskussionsthemen waren Breitbandversorgung, Öffentlichkeit von Aufsichtsratssitzungen und die Einrichtung neuer Berufsschulklassen. Heide Lochmann und Georg Nelius wiesen darauf hin, dass  die Landesregierung  die Mittel zur Finanzierung des Breitbandausbaus gegenüber der Vorgängerregierung verdreifacht habe. Deshalb seien die Vorwürfe der  CDU- Fraktion völlig unverständlich.

 

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