Keine Menschen zweiter Klasse


 „Hilfsfristen bis zum Eintreffen des Notarztes bzw. Rettungswagen im Land und im Neckar-Odenwald-Kreis werden immer größer – dringender Handlungsbedarf gegeben“

 
 
 
 
 Neckar-Odenwald-Kreis./
 In nur noch 92,1 Prozent der Einsätze ist im Neckar-Odenwald-Kreis der Rettungstransportwagen (RTW) innerhalb 15 Minuten am Einsatzort, noch schlechter ist die Quote bei den Notärzten. Dieser traf im Jahr 2014 nur in 88,4 Prozent der Benachrichtigungen innerhalb von 15 Minuten beim Notfallort ein. Die neuen Zahlen veröffentlichte das Innenministerium in den vergangenen Tagen. „Die Entwicklung ist skandalös. Es muss dringend gehandelt werden“, erklärte der Erste Stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion und Neckar-Odenwälder Landtagsabgeordnete Peter Hauk (CDU) die neuen Zahlen. Anstatt besser zu werden, verschlechtern sich die Zeiten von Jahr zu Jahr bis der Notarzt eintrifft. Im Jahr 2009 war der RTW noch in 96,4 Prozent, der Notarzt in 91,9 Prozent der Fälle innerhalb von 15 Minuten beim Notfallpatienten im Neckar-Odenwald-Kreis.
 
 Vor Jahren seien die Hilfsfristen im Land gesetzlich geregelt worden. Notarzt und Rettungswagen sollen innerhalb von 10 Minuten und müssen innerhalb von 15 Minuten in ganz Baden-Württemberg bei einem Notruf eintreffen. Diese Fristen werden fast nirgendwo mehr im Land erreicht. Die Landesregierung versuche im Gegenteil, das Gesetz zu ändern, um die Hilfsfristen „den Gegebenheiten anzupassen“. „In anderen Ländern werden Gesetze umgesetzt, in Baden-Württemberg sollen sie aufgeweicht werden“, stellte Peter Hauk empört fest. Dass es auch anders gehe, zeige der Blick über die Landesgrenze nach Hessen. Dort beschließt nicht der Bereichsausschuss, sondern der Kreistag über die Notfallkonzeption. Wenn die Bereichsausschüsse, in denen Kostenträger und Leistungserbringer vertreten sind, also die Krankenkassen und die Hilfsorganisationen, nicht umgehend für eine Verbesserung der Notfallversorgung sorgen, muss das Gesetz in Baden-Württemberg dahingehend geändert werden, dass in Zukunft die Kreistage über die Notfallkonzeptionen entscheiden, forderte der Erste Stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion.
 
 Peter Hauk machte deutlich, dass es bei dieser Diskussion nicht um eine reine Zahlendiskussion handele. „Es geht um Menschenleben und um die Gesundheit.“ Da sei Nicht-Handeln nicht mehr spaßig, sondern grob fahrlässig, warf er dem sozialdemokratischen Innenminister Gall vor. Er sehe anhand der neuen vom Innenministerium veröffentlichten Zahlen auch den Trend, dass der Ländliche Raum tendenziell schlechter abschneide als die Großstadt bzw. der Ballungsraum. Das dürfe nicht sein. Die Landesregierung habe schließlich die Aufgabe für gleichwertige Verhältnisse in Baden-Württemberg zu sorgen. „Wir sind keine Menschen zweiter Klasse“, sagte Hauk empört. Man habe vor Jahren mit Bedacht die 10-Minuten Hilfsfrist eingeführt. Natürlich seien Anstrengungen erforderlich, sie auch zu erreichen. „Aber in Zeiten der Vollbeschäftigung und sprudelnder Einnahmen der Krankenkassen können und dürfen Kostenargumente nicht ausschlaggebend sein“, stellte Peter Hauk fest.

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen:

1 Kommentar

  1. Die Rechtsaufsicht obliegt den Landräten.Die meisten Landräte in Baden-Württemberg sind Parteimitglieder von Herrn Hauks CDU.Wenn Herr Hauk sich ehlich empört, dann sollte er bitte schön auch Landräte kritisieren.

Kommentare sind deaktiviert.