Arbeitsagentur unterstützt DRK-Rettungsdienst

Gesetzesänderung führt zu Engpass

  (aat) Aufgrund einer Gesetzesänderung Ende 2015 muss das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Fahrer und assistierende Kraft Rettungssanitäter in der Notfallrettung einsetzen. Bisher wurde diese Stelle von Rettungshelfern, welche meist im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres beschäftigt waren, übernommen. Das bedeutet: „Wir suchen allein im Landkreis Schwäbisch Hall über 20 Rettungssanitäter“, so Vivien Rieger vom DRK. Das ist auch für die Agentur für Arbeit eine große Herausforderung. „Für diesen großen Personalbedarf haben wir auf den ersten Blick keine ausreichende Zahl an Bewerbern, doch unser zweiter Blick fällt auf Arbeitnehmer, die das Potenzial haben, Rettungssanitäter zu werden“, erklärt Sonja Binder, Standortleiterin in der Haller Arbeitsagentur.

Eine breite Palette an Unterstützungsmöglichkeiten zur Qualifizierung beschäftigter und arbeitsloser Menschen steht zur Verfügung. „Gemeinsam mit dem Arbeitgeber gehen wir verschiedene Wege, um die freien Stellen zu besetzen. Im letzten Jahr hatten wir dem DRK mehrere ältere Arbeitslose vermittelt, die als Krankentransportfahrer eingesetzt wurden. Jetzt nutzen wir das Sonderprogramm „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“, um diese Arbeitnehmer bei ihrer Weiterbildung zum Rettungssanitäter zu unterstützen.“

Für Arbeitslose bietet der Engpass im Rettungsdienst des DRK eine gute Chance auf einen qualifizierten, sicheren Arbeitsplatz. Die Arbeitsvermittler der Agentur und des Jobcenters haben Bewerber ausgewählt, die sich eine Tätigkeit im Rettungsdienst vorstellen können und die Voraussetzungen für einen Bildungsgutschein erfüllen. Zehn Frauen und Männer wurden zu einer Informationsveranstaltung mit der Projektmanagerin Vivien Rieger und dem Rettungsdienstleiter Constantin Goethe des DRK in die Agentur für Arbeit eingeladen. Alle haben eine eigene Geschichte darüber zu erzählen, warum sie ohne berufliche Qualifizierung auf dem Arbeitsmarkt nicht unterkommen. So zum Beispiel ein 42-jähriger Bauschlosser, der viele Jahre im Ausland lebte und jetzt – zurück in Deutschland – vor dem „Nichts“ steht oder die 54-jährige Versandarbeiterin, die vor einem Jahr ihren Arbeitsplatz verloren hat und bei der aufgrund familiärer sowie gesundheitlicher Probleme die Arbeitsuche zunächst auf der Strecke blieb.

Ihnen allen stellt Constantin Goethe die Ausbildungsmöglichkeiten beim DRK vor. In erster Linie werden im Moment Rettungssanitäter gesucht. Rund 14 Wochen dauert die Ausbildungszeit. Praktika und Theorieblöcke wechseln sich ab. Zum Einstieg hospitiert jeder Bewerber mindestens eine Woche lang bei Krankentransporten. So können beide Seiten überprüfen, ob eine Eignung für die sehr abwechslungsreiche aber auch verantwortungsvolle Arbeit vorliegt. „Wir möchten Sie gerne für den Beruf begeistern“, erklären Constantin Goethe und Vivien Rieger, ohne die körperlichen und psychischen Belastungen des Berufes zu verschweigen. Und das gelingt beiden auch, denn am Ende vereinbaren alle zehn Bewerber einen Termin für ein Vorstellungsgespräch. Sonja Binder erklärt wie die Arbeitsagentur oder das Jobcenter die Qualifizierung unterstützt. Bewerberin Diana Doderer ist vom Angebot begeistert. Auch Dirk Wulle freut sich auf das Vorstellungsgespräch: „Als Zivildienstleistender habe ich schon Erfahrungen gesammelt und im Angebot des DRK sehe ich eine langfristige Perspektive für meine berufliche Zukunft.“

„Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Unternehmen ist für uns eine wesentliche Voraussetzung dafür, Menschen schnell und nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, erklärt Sonja Binder. Und weiter: „Der Bedarf an gut qualifizierten Arbeitskräften steigt, während das Bewerberpotential demografisch bedingt abnimmt. Passende Bewerber sind immer seltener zu finden und wir unterstützen Arbeitgeber dabei, innovative Rekrutierungsstrategien zu finden“. Der Agentur für Arbeit stehen für 2016 7,6 Mio. Euro für berufliche Qualifizierung zur Verfügung. Dazu kommt ein breites Angebot an Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten.  Die richtigen Ansprechpartner für interessierte Unternehmen sind die Mitarbeiter im Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit.

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Der Vortrag des DRK stößt auf großes Interesse bei den Arbeitslosen – Termine für Vorstellungsgespräche werden unmittelbar vereinbart. (Foto: Agentur für Arbeit)

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