Waldbrunn blickt auf Kinder-Campus

Die Sternsinger eröffnen traditionell des Waldbrunner Neujahrsempfang am Dreikönigstag. (Foto: Hofherr)

## Heiteres und festliches, aber auch dramatisches Jahr 2017

Nachdem die Sternsinger ihren Segen überbracht und das Bläserquintett Hoher Odenwald die musikalische Begrüßung gestaltet hatte, durfte Waldbrunns Bürgermeister Markus Haas zahlreiche Gäste zum traditionellen Neujahrsempfang am Dreikönigstag in der Winterhauch-Halle in Strümpfelbrunn begrüßen.

Zu den Gästen gehörten auch Ehrenbürger Gerd Mosca, MdB Alois Gerig, Landrat Dr. Achim Brötel, Alt-Bürgermeister Klaus Schölch sowie die Bürgermeister Peter Reichert (Eberbach) und Bruno Stipp (Limbach) sowie viele weiteren Kommunalpolitiker, Vereinsfunktionäre sowie Vertreter der Wirtschaft, der Kirchen und des sonstigen gesellschaftlichen Lebens mit den besten Wünschen für ein gutes neues Jahr willkommen heißen.

In seiner Neujahrsansprache blickte das Gemeindeoberhaupt zunächst auf die vergangenen 12 Monate zurück und hob dabei hervor, dass die Menschen auf dem Winterhauch ein freudiges Jahr mit vielen Festen im Rahmen des 675-jährigen Jubiläums der ersten urkundlichen Erwähnung von Strümpfelbrunn sowie dem 100-jährigen Jubiläum der evangelischen Kirche ebenfalls in Strümpfelbrunn hätten feiern dürfen. Da Einwohner aller Ortsteile die Feierlichkeiten gemeinsam organisiert hatten, habe man einen starken Zusammenhalt, ein eindrucksvollen Waldbrunn-Gefühl manifestiert, auf das er sehr stolz sei, zog Haas Bilanz.

Bürgermeister Markus Haas blickte zurück und skizzierte dann seine Visionen von der Kinderbetreuung. (Foto: Hofherr)
Die Einweihung der in viel Eigenleistung sanierten Kneippanlage in Schollbrunn, die sich schnell zu einem Treffpunkt und Ort zwischenmenschlicher Begegnung entwickelt habe sowie die Beschaffung eine Hilfeleistungslöschfahrzeugs HLF 10 für die Freiwillige Feuerwehr (FFW) Waldbrunn waren laut Haas weitere Gelegenheiten um ein gutes Jahr zu feiern. Auch die gute wirtschaftliche Lage mit sprudelnden Steuereinnahmen haben zur guten Stimmung beigetragen.

Wie wichtig das Ehrenamt und damit insbesondere die Feuerwehren bzw. Blaulichtorganisationen sind, habe man in seiner ganzen Dramatik ebenfalls im vergangenen Jahr erfahren. War zunächst der Brand eines Wohnhauses im alten Ortskern von Waldkatzenbach, bei dem es lediglich der professionellen und entschlossenen Arbeit aller Waldbrunner Abteilungswehren, die dabei von Mosbach und Eberbach unterstützt wurden, zu verdanken, dass es nicht zu einer Katastrophe kam, bei dem der komplette Ortskern mit mehreren Wohn- und Geschäftshäusern völlig niedergebrannt wäre. Wurden bei diesem Einsatz „lediglich“ einige Personen und Floriansjünger verletzt, kostete ein schwerer Brand in Schollbrunn sogar ein Menschenleben. So war nach dem Starkregenereignis im Jahr 2016, auch das Jahr 2017 kein einfaches für die Waldbrunner Feuerwehren, hob Bürgermeister Haas hervor.

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Daher gelte es allen zu danken, die sich wie die Mitglieder der Feuerwehren im vergangenen Jahr zum Wohle ihrer Mitbürger und der Gemeinschaft bürgerschaftlich engagierten.
Mit dem Blick auf die Erschließung des Bauabschnitts Leimengrube III in Waldkatzenbach, des Hahnenfelds II mit der Einweihung des Kobersdorfer Rings mit einem Partnerschaftskreisel, von Bauplätzen in der Wilhelmstraße in Weisbach, dem Rückbau des Brandweihers in Oberdielbach sowie der Freischaltung der Breitbandversorgung habe man viele Schritte in Richtung einer nachhaltigen Zukunft beschritten, ließ der Rathauschef die Zuhörer wissen.

Anschließend skizzierte Bürgermeister Markus Haas einige Vorhaben bzw. Visionen, die das Verwaltungshandeln bestimmen.
Große Zukunftsthemen für 2018 sind die Sanierung der Talstraße im Ortsteil Schollbrunn für mehr als 4 Mio. Euro, die Sanierung des vor 30 Jahren erbauten Rathauses, des Bürgersaals in Waldkatzenbach sowie des Katzenbuckel-Turms. Als wichtigstes Thema stehe aber die Neuorganisation der (Klein)-Kindbetreuung. Dieses Thema war es auch, das zum Jahresende mit viel Unmut und Zwist diskutiert wurde.

MdB Alois Gerig überbrachte die besten Wünsche zum neuen Jahr. (Foto: Hofherr)
Nachdem die Planungen für die Sanierung der Talstraße bereits im Jahr 2016 nahezu abgeschlossen waren, die Maßnahme aber nicht in den Fördertopf kam, musste man ein Jahr später eine Kostensteigerung um 30 Prozent (1 Mio. Euro) aufgrund gestiegener Baukosten hinnehmen. Nicht nur deshalb lasse sich die Sanierung nur realisieren, wenn optimale Fördersummen aus diversen Töpfen fließen, umriss Haas die Maßnahme. Für 2018 sei er vorsichtig optimistisch, dass man Fördermittel erhalte um im Frühjahr/Sommer mit den Arbeiten zu beginnen.
Am 30 Jahre alten Rathaus nage der Zahn der Zeit an vielen Stellen. Außerdem müsse in Sachen Brandschutz nachgebessert werden. Es sollen aber nur kleine, sinnvolle und praktikable Maßnahmen durchgeführt werden um einerseits dem Mehrbedarf an Räumen gerecht zu werden, um andererseits in einem gewissen Kostenrahmen zu bleiben. Aber auch hier gelte, dass gebaut werden kann, wenn Fördermittel fließen.

Ganz oben auf der Agenda stehen laut Haas jedoch die Bedürfnisse junger Familien im Hinblick auf die Kleinkind- und Kinderbetreuung. Auch er als Gemeindeoberhaupt sowie der Gemeinderat und die Verwaltung seien von einer grundsätzlichen Notwendigkeit einer Verbesserung des Betreuungsangebots überzeugt. Man sei gewillt zu handeln, bekannte Haas. Allerdings plädiere er für eine ganzheitlichen Ansatz, weshalb inzwischen eine Machbarkeitsstudie ohne Denkverbote laufe, um die Zukunft der Kinderbetreuung möglicherweise in einem Waldbrunner Kinder-Campus münden zu lassen.
Man habe es jedoch mit einem Thema zu tun, bei dem sich ständig die Rahmenbedingungen ändern. Diese seien auch nicht von der Kommune zu beeinflussen, betonte das Gemeindeoberhaupt die Schwierigkeiten. Habe man noch vor einem Jahr über die Schließung einer Gruppe diskutiert, sei man von überproportional vielen Geburten und dem Zuzug von jungen Familien überrascht worden, sodass man mit Beginn des neuen Kindergartenjahres mit einer siebten Gruppe für Kinder über drei Jahren und dann 180 Kindern plane. In Oberdielbach betreue man darüber hinaus zusätzlich zwei Kleinkindgruppen. Hinzu komme außerdem eine dritte Kleinkindgruppe, für die man leider mangels Alternative nur eine Containerlösung anbieten könne.

Landrat Dr. Achim Brötel ließ die Waldbrunner wissen, dass die Verbindungsstraße von Oberdielbach nach Waldkatzenbach in diesem Jahr realisiert wird. (Foto: Hofherr)
Um diesem ständigen Wandel bei Anmeldezahlen und Anmeldeverhalten zu begegnen müsse man daher grundsätzlich an dieses Problem herangehen, wobei sich bisher drei Alternativen ergeben hätten. So könne man die über Dreijährigen alle in den freien Räumlichkeiten der Winterhauch-Grundschule unterbringen, während die Kleinkindbetreuung dann zentral in Oberdielbach angeboten werde. Man könne aber auch alle bestehenden Kindergärten sanieren und erweitern und drittens einen kompletten Neubau auf dem Gelände der Schule anzugehen, in dem dann alle noch nicht schulpflichtigen Kinder betreut werden. Mit einer gemeinsamen Kantine und der Verbesserung beim Einsatz des Personals sprechen einige Argumente für eine Zentralisierung, eben einem Waldbrunner Kinder-Campus. Die in den Ortsteilen gewonnenen Räumlichkeiten stünden dann für die Vereine bereit. So verfüge Strümpfelbrunn bis heute nicht über einen Bürgersaal und der in Waldkatzenbach sei sanierungsbedürftig, weshalb dort ebenfalls ein leerstehender Kindergarten eine Lösung sein könnte. Auch im Hinblick auf die Einrichtung einer Ganztagesgrundschule, für die es 2015 noch keinen Bedarf gab, oder die Einrichtung eines Horts für drei- bis 14-Jährige sei auf einem solchen Campus denkbar.

Allerdings sei eine solch weitreichende Überplanung des bestehenden Systems nur unter Mitnahme der betroffenen Mitarbeiter, Lehrer, Erzieherinnen sowie der Bürgerschaft zu realisieren.

Auch wenn Vieles noch im Ungefähren erkennbar sei, so könne er den Zuhörern versichern, dass Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung bereit stehen, um die großen Aufgaben anzupacken und Zukunft zu bauen.

Abschließend ging Bürgermeister Markus Haas noch auf eine Herzensangelegenheit ein. Mit der Sanierung des Katzenbuckel-Turms packe man zwar keine Pflichtaufgabe an, die Maßnahme gehöre dennoch zum Reigen der Zukunftsaufgaben für Waldbrunn. Immerhin sei der Turm nicht nur das Wahrzeichen des Katzenbuckels und damit Waldbrunn, vielmehr sei der Turm weit über die Gemeindegrenzen hinaus prägend für den ganzen Odenwald. Eine umfangreiche Sanierungsmaßnahme könne man möglicherweise bis spätestens 2021 mit Geldern der Europäischen Union (LEADER-Förderung) stemmen. Allerdings sei ein Eigenanteil in Höhe von 200.000 Euro zu finanzieren. Hier könne er sich ein sogenanntes Crowd-Founding-Projekt vorstellen, wie vor zehn Jahren bei der Finanzierung neuer Glocken für die evangelische Kirche in Strümpfelbrunn.
Wenn alle zusammenarbeiten, jeder seine Kreativität einbringe, sei dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, so Haas. Da die Zukunft für den Tapferen laut Victor Hugo eine Chance sei, Waldbrunn stets eine tapfere Gemeinde gewesen sei, rief er dazu auf, gemeinsam und tapfer an der Zukunft zu bauen und somit die Chancen für die Menschen auf dem Winterhauch wahrzunehmen, schloss Bürgermeister Markus Haas seine Neujahrsansprache.

In ihren Grußworten bescheinigten MdB Alois Gerig und Landrat Dr. Achim Brötel den Waldbrunner auf dem richtigen Weg zu sein. Dank des ehrenamtliches Einsatzes vieler Menschen habe man als ländlicher Raum den Städten einiges voraus, wussten beide hervorzuheben. Brötel ließ die Waldbrunner dann noch wissen, dass der Ausbau der K 3926 zwischen Oberdielbach und Waldkatzenbach im Frühjahr beginne. Im Herbst soll das Millionenprojekt dann abgeschlossen sein.

Den Grußworten folgten Ehrungen verdienter Kommunalpolitiker, Vereinsfunktionäre, Blutspender und Sportler (wir berichten gesondert). Musikalisch umrahmt wurde der Neujahrsempfang vom Bläserquintett Hoher Odenwald.


Das Bläserquintett Hoher Odenwald umrahmte den Neujahrsempfang musikalisch. (Foto: Hofherr)

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