Luft im Bauch – wie entstehen Blähungen?

von Dr. med. Christof Pfundstein
Beim Verdauungsvorgang entstehen bestimmte Gase im Darm. Der Großteil dieser Gase wird über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen und über die Lunge ausgeatmet. Der übrige Gasüberschuss (meist in Blasen eingeschlossen) verlässt den Körper hingegen nach oben als „Luftaufstoßen“ oder nach unten als „Wind“, auch Flatulenz genannt. Dieser natürliche Vorgang ist in der heutigen Gesellschaft nach wie vor ein Tabu-Thema, weswegen wir an dieser Stelle klären möchten, wie Blähungen entstehen, was „normal“ ist und was im Falle von übermäßigen Blähungen und einem Blähbauch helfen kann.

Ab wann sind Blähungen „unnormal“?

Zwischen zehn und zwanzig Mal pro Tag entweichen Gase aus dem Darm, der im Schnitt zwischen 600 ml und 2 Liter Gase im Laufe des Tages bilden kann. Je nach Nahrungsaufnahme können auch vermehrt Blähungen auftreten, etwa beim Verzehr vieler Ballaststoffe oder Zucker, Darmträgheit sowie Unverträglichkeiten. Gehen diese Gasbildungen mit Bauchschmerzen, unangenehmen Gerüchen, Beimengungen von Stuhl und Einschränkung der Lebensqualität einher, sollten die Ursachen abgeklärt werden.

Ursachen für vermehrte Flatulenzen

„Gesunde“ Blähungen rühren in der Regel von vielen Ballaststoffen her, etwa Getreide, (Vollkorn-)Müsli, Rohkost und verschiedene Gemüsesorten. Diese Nahrungsmittel kurbeln die Verdauung an, was nicht schlecht ist, aber durchaus mit vermehrten Blähungen einhergehen kann. Eine leichte Reduktion führt hier in der Regel bereits zu einer Besserung. Ähnliches gilt für Hülsenfrüchte, also Bohnen, Erbsen oder Erdnüsse. Diese enthalten verschiedene Zuckermoleküle, die der Dünndarm nicht zersetzen kann. Dies geschieht erst im Dickdarm und geht dann nach Aufspaltung durch Darmbakterien mit der Bildung von Gasen einher. Neben diesen natürlichen Auslösern, können auch Zuckeraustauschstoffe, etwa Sorbit, für Flatulenzen sorgen. Sorbit ist unter anderem in Bonbons, Kaugummis oder Fruchtsäften enthalten und wird lediglich in kleinen Mengen vom Körper verwertet, der Großteil wird als Gas ausgeleitet.

Blähungen können auch infolge einer Laktose-, Fructose- oder Histamin-Intoleranz entstehen und werden meist von Durchfällen begleitet. Hier ist eine Vermeidung der entsprechenden Lebensmittel angezeigt. Unser Trinkverhalten hat ebenfalls Einfluss auf mögliche Flatulenzen, denn das Gas stark kohlensäurehaltiger Getränke muss ebenfalls auf die eine oder andere Art aus dem Körper geleitet werden.

Wie entstehen Blähungen?

Im Wesentlichen entstehen Gase im Darm, wenn die dort angesiedelten Bakterien die Verdauung vorantreiben. Je nach konsumiertem Nahrungsmittel bilden die Bakterien mehr oder weniger Wasserstoff, Methan und Schwefelverbindungen. Zusätzlich entsteht Kohlenstoffdioxid im Magen, wenn dort die Nahrung auf Salzsäure trifft. Diese Kombination unterschiedlicher Gase wird vom Körper schließlich an die Umwelt abgegeben. Es gibt aber auch ernsthafte Erkrankungen der Verdauungsorgane, die zu einer verstärkten Gasbildung führen.

Was hilft gegen akute Blähungen?

Die Linderung der Beschwerden erfolgt im besten Fall durch Meiden zutreffender Lebensmittel oder mit natürlichen Wirkstoffen, auch bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Simeticon können die Bildung von Gasblasen verhindern und Linderung schaffen, zumindest vorübergehend. Kurzzeitig kann z.B. mittels Kurkuma, Artischocken oder einem Tee aus Kümmel, Anis oder Fenchel sanft Abhilfe geschaffen werden. Daneben kann Wärme helfen, – etwa in Form eines Kirschkernkissens oder einer Wärmflasche – um den Darm zu entspannen und Bauchschmerzen zu lindern. Eine weitere Möglichkeit ist die Bauchmassage. Hier wird der Bauch im Uhrzeigersinn kreisend massiert und der Darm erfährt somit Unterstützung beim Weitertransport des Gases. Körperliche Bewegung nach dem Essen fördert den Nahrungstransport und kann Blähungen bessern.

Hilfe auf lange Sicht

Bestehen Blähungen, insbesondere die Bildung eines meist druckschmerzhaften Blähbauches, länger oder treten immer wieder auf, kann es sinnvoll sein, eine Art Tagebuch zu führen. Hier werden die Speisen sowie mögliche Verdauungsprobleme eingetragen. Oft lassen sich hieraus Unverträglichkeiten oder falsche Ernährungsweisen ableiten. Meist lohnt sich auch ein Blick auf das seelische Befinden, denn der Darm und die Psyche hängen eng zusammen und wer stetig unter Stress steht oder Kummer hat, quält sich meist mit Darmproblemen herum. In diesen Fällen können bewusste Entspannung oder entsprechende Gesprächstherapien helfen.

Wenn die Beschwerden über Wochen bestehen und Ihr Leben beeinträchtigen, insbesondere wenn Durchfälle, Bauchschmerzen oder gar Blut im Stuhl auftreten, sollte unbedingt eine strukturierte und sorgfältige Abklärung durch den Gastroenterologen erfolgen. Dieser führt Untersuchungen des Blutes und des Stuhles, eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes und manchmal auch eine Magen- und Darmspiegelung mit Gewinnung von Gewebeproben durch, um bekannte und unter Umständen bedrohliche Erkrankungen oder Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Abhängig von den Ergebnissen kann er dann eine entsprechende Therapie z.B. auch mit komplementären Ansätzen wie Probiotika oder pflanzlichen Mitteln einleiten.

Der Autor:

Dr. med. Christof Pfundstein

(Foto: pm)
– Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Notfall- und Ernährungsmedizin
– eigene Praxis in München
Dr. Pfundstein war in verschiedenen Kliniken und Praxen tätig, bevor er sich 2013 in seiner eigenen Privatpraxis in München-Bogenhausen niederließ. Mit hohen Ansprüchen widmet er sich allen gastroenterologischen Erkrankungen und Untersuchungen – von Darmspiegelungen über Hämorrhoiden bis zu Sodbrennen.

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