Stadtkapelle Buchen mit glänzenden Solisten

Julia Janny, die erst seit fünf Jahren mit der Oboe eines der am schwersten zu erlernenden Musikinstrumente spielt, zeigte bei ihrem Solo beim Stadtkapellenkonzert ihr absolutes Ausnahmetalent. (Foto: Simone Schölch)

Schwierige Proben“ vor traditionellem Frühlingskonzert

Von Simone Schölch

Buchen. Aus Insiderkreisen war im Vorfeld von „schwierigen Proben“ zu hören.  Aber schwere Geburten bringen nicht selten die schönsten Kinder hervor: Das traditionelle Frühlingskonzert der Stadtkapelle Buchen jedenfalls überzeugte wie eh und je mit imposanter Klangfülle, beeindruckender Perkussion  und Perfektion. Gleichermaßen anspruchsvolle wie abwechslungsreiche Stücke, sensationelle junge Solomusiker – ohnehin wirkte die gesamte Stadtkapelle gefühlte „U 30“ – und ein begeistert mitgehendes Publikum  sorgten auch bei leichtem Schneefall  draußen für wohlige Frühlingsgefühle in der annähernd ausverkauften Stadthalle.

Den Auftakt machte nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Stadtkapelle, Christian Schulze, die Jugendkapelle unter der bewährten, unaufgeregten Leitung von Lisa Kohlmann.  Erst seit einem guten halben Jahr spielen die Jugendlichen in dieser Formation zusammen. Sie hatten sich ganz dem Thema Amerika verschrieben: Dem „Captain America March“ folgte mit …like a mighty stream“ von Johnny Vinsion die Geschichte Martin Luther Kings, textlich ergänzt von Julia Nagy, der charmanten Moderatorin des Abends.

„Traum und Streit“ folgte aller Gewalt zum Trotz „Hoffnung“, symbolisiert unter anderem mit der berühmten Gospelmelodie „We shall overcome“. Nach „Where the sun breaks through the mist“ von Michael Sweeney mutete „Shackelford banks – Tale of wild mustangs“  von Jay Bocook dann wie ein romantisches Westernintro mit Pferdegetrappel an, womit sich die hoch talentierte Jugendkapelle unter sehr viel Applaus verabschiedete.

Nachdem die rund 70 Musikerinnen und Musiker Platz genommen und Dirigent Alexander Monsch sich positioniert hatte , entführten sie die Gäste mit der wunderschönen Suite from „Abdelazer“ and „The Double Dealer“ von Henry Purcell in die höfische Welt des Barock. Klassisch blieb es mit „Dem Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini, einer der besten komischen Opern. Witz und Tempo kennzeichnen auch die berühmte Ouvertüre. Das berühmte „Rossini-Crescendo“, also das Spiel mit leisen und lauter werdenden Tönen, hat der Dirigent seiner „eher laut spielenden“ Kapelle laut Julia Nagy regelrecht „eingeprügelt“. Ohne blaue Flecken freilich, aber mit viel Erfolg.

Wie klingt eine Oboe? Seit Julia Jannys Auftritt , die „Variationen über ein Thema von Glinka“ von Nikolaj Rimski-Korsakov mit der zurückhaltenden Begleitung der Stadtkapelle spielte, dürfte dieses sehr schwierig zu erlernende Instrument eine ganze Menge Fans hinzu gewonnen haben.  

Das 15jährige Ausnahmetalent jedenfalls bezauberte gleichermaßen mit der russischen Musik wie mit ihrem einfühlsamen  Spiel auf diesem Holzblasinstrument, das mit seinem außergewöhnlichen Klang dafür wie geschaffen war. Dass die Solistin nach erst fünf Jahren Unterricht reihenweise Jugend musiziert-Preise abräumt, überraschte niemanden.

(Foto: Simone Schölch)

Mit den „Urban Dances“ von Erik Mordales – hier kamen vor allem die bis zu acht Perkussionisten in Wallung – verabschiedete sich die Stadtkapelle zunächst von der klassischen Musik und dann in die Pause, die sie mit dem „Grand March“ von Soichi Konagaya beendete. Damit war es Zeit für den zweiten Solisten, der mit seinen gerade mal 13 Jahren schon reguläres  und mehr als vollwertiges Stadtkapellenmitglied ist. Beinahe gelangweilt hörte sich Saxophonist Patrick Ritter die Lobeshymne Julia Nagys an und nur beim Hinweis auf die „schockverliebte Damenwelt“ huschte ein angedeutetes Lächeln über seine Lippen.

Scheinbar völlig gelassen spielte er in „Saxpack“ von Otto M. Schwarz den äußerst anspruchsvollen Solopart mit fliegendem Wechsel vom Alt- zum Sopransaxophon  – das Publikum war hin und weg. Bei diesem Gemütszustand blieb es auch bei „Mazedonia“ von Mario Bürki. Nicht nur der Dirigent schwitzte bei diesem furiosen Stück vorwiegend im 7/8 Takt, auch die Musiker und vor allem die Perkussionisten –  sogar ein Küchentuch kam an einem Dönerspießähnlichen Instrument zum Einsatz – gaben alles. Im Vorfeld, so verriet Julia Nagy, garantierte Alexander Monsch nach zu Beginn durchaus chaotischen Proben für „gar nichts“. Im Nachgang waren alle schlicht begeistert von den rasanten Taktwechseln, den sehnsuchtsvollen Klängen im Mittelteil  und dem schwungvollen Presto am Ende.

Wunderbar harmonisch wurde es mit den schönsten Melodien aus dem Musical „Les Misérables“ von Warren Barker und mit „An American in Paris“, in dem der Komponist George Gershwin seine Eindrücke als Tourist im energiegeladenen Paris der 20er Jahre beschreibt,  endete das offizielle Programm. Christian Schulze dankte allen, die dazu beigetragen hatten,  vor allem aber denen, die mit Talent und Probenfleiß diesen tollen Abend ermöglicht hatten: den Musikerinnen und Musikern mit ihren Dirigenten Monsch und Kohlmann.

Bürgermeister Roland Burger schloss sich gerne an: „ Ihr repräsentiert Buchen auf das Allerbeste!“ Nach den Zugaben, bestehend aus einem Frank Sinatra-Medley, bei dem Leonhard von Wedel  als Solist glänzte und dem Hoch Heidecksburg Marsch wurde Alexander Monsch persönlich: Vor 30 Jahren ist er nach Buchen gekommen und im Arbeitsamt habe man ihm damals scherzhaft-hilflos einen „Balalaika-Kurs“ angeboten, als er als Beruf „Musiker“ angegeben hat. Er ist dennoch geblieben und bekannte: „Ich bin froh, hier zu sein.“ Ein großes Glück für die Stadtkapelle. Ein Glück für Buchen!

Augenscheinlich völlig entspannt spielte der erst 13jährige Patrick Ritter im fliegenden Wechsel vom Alt- zum Sopransaxophon den anspruchsvollen Solopart aus „Saxpack“ von Otto M. Schwarz. (Foto: Simone Schölch)

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