Chapati-Mehl „made in Dallau“

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(Foto: Liane Merkle)
Dallau. (lm) Wenn gleich sie nicht mehr wie in alten Zeiten am rauschenden Bach klappert, präsentiert sich heute die Biemer`s Mühle im schönen Dallauer Mariental als ein modern und zukunftsfähig aufgestellter Mühlenbetrieb. Für den Außenstehenden aufgrund der idyllisch abgeschiedenen Lage, nahe der Dallauer Elzbergsiedlung und in unmittelbarer Nähe zum Fischereibetrieb Burkowski gelegen, kaum wahrgenommen, besteht die Mühle heute aus einem mit Mühlenprodukten und Erzeugnissen aus der gesamten Region bestückten Hofladen und dem mit modernster Computertechnik ausgestatteten Mühlenbetrieb. Hinzu kommen eine neu erstellte Lager- und Umschlaghalle, Getreidesilos und neue Mühlenprodukte, die aufgrund ihrer hohen Nachfrage dem Mühlenpersonal rund um Inhaber Albert Biemer und seiner Tochter Ina, beide versierte Müllermeister, alles an Arbeitskraft abverlangt.

Die Biemer-Mühle ist die einzige deutsche Mühle, die das traditionelle „Chapati“ Mehl für Fladenbrote in ausreichender Menge und in dieser hervorragenden Qualität liefern kann. Wie der Betriebsinhaber mitteilt, liefert man diesbezüglich an Großhändler in Deutschland, Frankreich, Polen, Italien, Österreich und seit der Corona-Krise auch nach England. „Wir arbeiten momentan in zwei Schichten und auch unsere Mitarbeiter kommen kaum mit der Arbeit nach“. Als Grundlage für diesen Boom gilt die Tatsache, dass das „Chapati-Mehl“ lange Zeit nur als Importware über asiatische Lebensmittelhändler bezogen werden konnte. In Nordindien und Pakistan gehört dieses ungesäuerte Fladenbrot zu fast jedem Essen und wird aus einer Mischung aus Vollkornmehl, Wasser und diversen Gewürzen hergestellt. Auf indischen Tischen findet man häufig dazu Linsen, Kreuzkümmel und Koriander. Nachdem indische und pakistanische Auswanderer dieses Fladenbrot besonders in Afrika verbreitet hatten, fand es sehr schnell auch den Weg nach Europa, wo es Chapati-Mehl auch aus Gerste, Hirse und Weizen als reines Vollkornmehl zu großer Beliebtheit brachte.

Seit etwas mehr als 189 Jahren ist die Biemer-Mühle in Familienbesitz, wobei der Mühlenstandort im Mariental in seiner über 350-jährigen Geschichte so einiges über Hochs und Tiefs zu erzählen hätte. Zu schaffen machte den Biemers, besonders unter der Ägide von Vater Rudolf (besser bekannt als „de Biemersch Ruddl) Biemer, zum einen die Konkurrenz durch große industrielle Mühlen und zum anderen der dauerhafte Preisdruck. Dass diese Familientradition auch heute in der siebten Generation Bestand hat, ist der Geschäftstüchtigkeit und dem innovativen Engagement von Albert Biemer zu verdanken.

Nach der Installation des Hofladens experimentierte der Müllermeister später lange Zeit mit der Entwicklung des asiatischen Mehls, das mal zu grob, mal zu fein wurde und auch geschmacklich lange nicht mit den erhaltenen Proben mithalten konnte, sondern immer nur „nah dran“ war. Nach gut zehnjähriger Entwicklung befanden asiatische Kenner der Materie endlich das Produkt aus Elztal für „gelungen und sehr gut“. Nachdem der asiatische Markt in Europa das Mehl in sein Sortiment aufgenommen hatte und der Verkauf bei Groß- und Kleinhändlern gut anlief, musste Albert Biemer auch seinen Mühlenbetrieb umstellen. „Wir rüsteten mit großem persönlichem Einsatz und erheblichen finanziellen Mitteln unsere bisherige 5-Tonnen-Mühle auf eine moderne 15-Tonnen-Mühle um und ließen eine komplette Mühlenmodernisierung durchführen.

Mittels eines durchgehenden Computersystems mit nagelneuer Hard- und Software und einer optimalen Vernetzung konnte man von da an eine gleichbleibende, auf hohem Niveau stehende Qualität und Zuverlässigkeit garantieren und, mit den großen Industriebetrieben mithalten. Albert Biemer: „Wir sind stets darauf bedacht, in erster Linie den direkten Kundenkontakt zu erhalten, wofür unser Hofladen ja bestens geeignet ist. Stolz sind wir auch darauf, dass heute knapp 30 Prozent der gesamten Produktionsmenge in europäischen Großstädten ihren Absatz finden und sich Groß- und Kleinhändler sowie Kunden sehr zufrieden über das Chapati-Mehl „made in Dallau“ äußern.“

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