Handwerker benötigen Bürokratieabbau

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(Foto: pm)

„Regionales Handwerk ist das Rückgrat des ländlichen Raums

 Neckar-Odenwald-Kreis.  (pm) Die Grünen-Landtagskandidatin Amelie Pfeiffer hat sich am Dienstag mit der Kreishandwerkerschaft Neckar-Odenwald-Kreis zu einem Online-Gespräch getroffen. Mit dabei waren Geschäftsführer Michael Windmeißer, sowie mehrere Obermeister der Fleischer-Innung, der Bäcker-Innung und der Innung für das Elektro- und Informationstechnikerhandwerk.

Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Forderungen regional verwurzelte handwerkliche Familienbetriebe an die Landespolitik stellen und wie ihre Arbeit politisch unterstützt werden kann.

„Regionales Handwerk ist das Rückgrat des ländlichen Raumes. Die Familienbetriebe bieten zahlreiche Arbeits- und Ausbildungsplätze und sind zur Stelle, wenn man sie braucht“, unterstreicht Pfeiffer gleich zu Beginn des Gesprächs. Trotzdem gibt es politischen Handlungsbedarf, wie Bäckermeister Thomas Mayer aus Neckarelz betont: „12,5 Stunden pro Woche muss ein Bäcker für die Bürokratiebewältigung aufbringen.

Der politisch gewollte Bürokratieabbau kommt in der Praxis nicht an.“ Hier wünschten sich Handwerksorganisationen mehr Kontinuität in den Verordnungen, unternehmerische Freiräume und Unterstützung im Ausbau der digitalen Verwaltung. Auch die technischen Sicherheitseinrichtungen für Kassen, die seit 2020 verpflichtend vorgeschrieben sind, sieht Mayer kritisch: „Das waren wieder hohe Kosten und großer Aufwand für uns. Das gleiche Ergebnis hätte man auch mit älteren Kassensystemen hinbekommen.“

Pfeiffer, selbst Landwirtin, Inhaberin einer Ponyreitschule und Anbieterin von Tourismusunterkünften kann den Unmut gut nachvollziehen: „Bei vielen Verordnungen und Gesetzen geht es um den Schutz der Bevölkerung.

Die Ideen dahinter sind oft nicht verkehrt, die Umsetzung ist aber meist kompliziert und unpragmatisch. Die Dokumentationspflichten nehmen Überhand, Zertifizierungsprozesse sind zu aufwändig und die Bürokratie nimmt die Lust am Arbeiten. Wir müssen wegkommen von einer Politik des Misstrauens und der Kontrolle, Gesetze evaluieren und gegebenenfalls nachjustieren. Dafür ist es wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen und an einem Strang zu ziehen.“

Metzger Ralf Herkert aus Buchen wies außerdem darauf hin, dass die regionale Schlachtung subventioniert werden müsse. Derzeit zahlen kleine Schlachtbetriebe eine dreimal so hohe Schlachtgebühr wie Großbetriebe.

„So kann das regionale Angebot kleinerer Betriebe nicht erhalten bleiben“, warnt Herkert. Pfeiffer setzt sich schon länger im Kreistag dafür ein, kleine Strukturen zu stärken und die Kosten für Schlachtungen anders umzuverteilen. „Da besteht definitiv ein Spielraum, der vom Landratsamt momentan nicht genutzt wird“, so Pfeiffer. Sie werde sich im Sinne des Tierwohls weiterhin für den Erhalt kleiner Schlachtbetriebe einsetzen.
Jochen Baumgärtner, Informationstechnikermeister aus Aglasterhausen, sieht außerdem Bedarf bei der Stärkung der Ausbildungsstandorte auf dem Land.

„Die Möglichkeiten zur Beschulung in der Region müssen erhalten bleiben, denn weite Anfahrtswege führen dazu, dass junge Menschen das Interesse an der Ausbildung verlieren. Nicht jeder Auszubildende hat heutzutage noch einen Führerschein. Lange Pendelwege sind da ziemlich unattraktiv“, weiß Baumgärtner. Zu einem attraktiven Ausbildungsangebot gehöre außerdem, dass Ausbildungsstätten modernisiert und ausreichend digitalisiert werden und der öffentliche Nahverkehr ausgebaut wird.

„Genau diese ‚Landprobleme‘ möchte ich in Stuttgart sichtbar machen. Ich weiß, woran es hier vor Ort mangelt und will mich für diese Themen gegenüber den Städtern stark machen. Dazu zählen auch kostengünstige und flexible Angebote im öffentlichen Nahverkehr, die verschiedene Verkehrsmittel miteinander verknüpfen.“

Nach zwei Stunden regen Austauschs beendete Moderator Windmeißer das Gespräch, versprach aber: „Man trifft sich immer zweimal.“ Und Bäckermeister Peter Schlär lud die Landtagskandidatin gleich auf einen Kaffee am nächsten Morgen in der Buchener Innenstadt ein – To go versteht sich.

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