Nach Angriffskrieg die Heimat verloren

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 Ein Teil der Vertriebenen zusammen mit ihren Nachfahren sowie Frank Metsch, Bürgermeister Thomas Ludwig und Bürgermeister i.R. Ekkehard Brand. (Foto: Liane Merkle)

In Seckach ein neues Zuhause gefunden und von Alt-Bürgern geachtet

Seckach.  (lm) Vor 75 Jahren wurden sie in Schüttwa , heute Sitbar in Tschechien, aufgefordert ihre Häuser zu verlassen und viele von ihnen fanden in Seckach eine neue Heimat. Längst sind sie hier zuhause und von den Seckachern geachtet. Und wie sowohl Bürgermeister i.R. Ekkehard Brand als auch sein Nachfolger Thomas Ludwig bestätigten, habe die positive Entwicklung der Gemeinde Seckach viel mit der Ansiedlung der Vertriebenen zu tun, die beim Wiederaufbau kräftig mit angepackt hätten.

Ludwig mahnte an, diese schlimme Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, damit unsere erste langanhaltende Friedensperiode noch lange bestehen möge und Ekkehard Brand resümierte voller Hochachtung den Grundstein der Patenschaft Seckach – Schüttwa, der 1979 gelegt worden war, als der Lamm-Saal fast aus allen Nähten platzte, weil Schüttwaer aus allen Himmelsrichtungen, sogar Australien und England zum ersten von vielen – dann zweijährigen Treffen in Seckach angereist waren.

Wie wichtig der Zusammenhalt auch über Grenzen hinweg für die Menschen ist, machte mittels einer herzigen Engelsgeschichte auch die Predigt von Pfarrer Wolf zum Gedenktag deutlich. Franz Metschl – Ortsbetreuer von Schüttwa – erinnerte sich nach diesem Gottesdienst am Schüttwaer Gedenkstein auf dem Seckacher Friedhof , wozu er Schüttwaer, Landsleute und Freundebegrüßte, ausdrücklich „ohne Hass und Rachegefühle, obwohl wir ja Grund genug hätten.

Denn, was nach Kriegsende von den Siegermächten festgelegt wurde, war, ist und bleibt menschenverachtend. Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat – Ostpreußen, Schlesien, Sudetenland über Ungarn bis zur Krim am Schwarzen Meer aus ihrer Heimat vertrieben und nach Westen in Viehwaggons abtransportiert, obwohl sie schon hunderte von Jahren dort verwurzelt waren!

Am 18. Juli 1946 wurde der Dorfgemeinschaft um 19 Uhr von einem tschechischen Offizier das Ausweisungsprotokoll bekanntgegeben und sogleich das Standrecht über das Dorf Schüttwa verhängt. Franz Metschl zitierte aus dem Heimatbuch von Gretl Riehl: „Minutenlang schien es, als wäre das ganze Dorf erstarrt. Doch dann begann ein hektisches Treiben. Es blieben nur 12 Stunden, um ein Gepäckstück von 50 kg und ein Handgepäck von 15 kg pro Person zu richten, denn morgens um 7 Uhr musste das Dorf geräumt sein.

Es war eine Nacht, die sich ein Unbeteiligter kaum vorstellen kann. Am nächsten Tag um 6 Uhr morgens zelebrierte Pfarrer Maurer die letzte Hl. Messe und um 7 Uhr setzte sich ein Zug von landwirtschaftlichen Fuhrwerken, beladen mit Kindern, alten und kranken Menschen, sowie einigen Habseligkeiten in Bewegung. Es spielten sich erschütternde Szenen ab, beim Abschied von Haus und Hof und vom Heimatdorf.“

Das Ziel sei ungewiß gewesen, doch die Viehwaggons, beladen mit über 1.200 Personen, seien am 26. Juli um 15.Uhr in Seckach angekommen. Und die Flüchtlinge waren im jetzigen Jugenddorf Klinge, die damalige Teufelsklinge, von Landrat des Kreises Buchen, Dr. Schmerbeck, begrüßt worden. Er habe den Ankömmlingen Mut und Hoffnung zugesprochen. Pfarrer Magnani und Hettinger Bürger hätten sich um das Lager gekümmert, und Verpflegung wie Betreuung seien für die damaligen Verhältnisse so gut gewesen, dass sich die Angst der meisten legte, und sie auch frohe Stunden genießen konnten.

Noch waren alle beisammen, aber das sollte sich bald ändern. Wie Metschl weiter berichtete, wurden die Familien nach einem kurzen Aufenthalt im Lager auf die umliegenden Orte verteilt. Zwangseinquartierungen führten zu Spannungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. „Man kann das heute verstehen, wir wurden in ein Land versetzt, das selbst nicht viel hatte.

Aber es gab auch Menschen, die Verständnis für die Neuankömmlinge hatten“. Manche arbeiteten beim Bauern mit auf dem Hof, andere suchten in größeren Städten wie Mannheim oder Stuttgart, soweit es möglich war, eine Arbeit. Franz Metschl dankte abschließend dieser harten Erinnerungen allen Menschen mit besonderem Augenmerk auf Pfarrer Magnani, die Gemeinde Seckach und die umliegenden Gemeinden mit ihren Verwaltungen, die damals Heimatvertriebene in der größten Not aufgenommen haben.

Außerdem gedachten die Anwesenden aller Verstorbenen, in der alten und neuen Heimat, bzw. während der Vertreibung ums Leben gekommen sind. Dankbar erkannte der Ortsbetreuer: „Wir Heimatvertriebenen haben gegenüber denen, die zurückbleiben mussten, ein neues Leben in Freiheit bekommen. Wir können nur hoffen, dass unsere Kinder und Enkel diese Freiheit und Demokratie weiterleben können und dafür auch einstehen.

Möge Krieg, Flucht und Vertreibung ihnen erspart bleiben und sie nie entrechtet und heimatlos werden! Ein Zurück wird es für uns nicht mehr geben, daher liegt die Zukunft für uns und die westliche Welt in einem gemeinsamen Haus Europa!“

Darüber hinaus galt seine Bewunderung und sein Dank dem 2013 im ehemaligen Schüttwa gegründeten und sehr regen Heimatverein, der bereits unglaubliches bewirkt hat, mit der Total-Renovierung der Dorfkirche, der Sanierung des Friedhofs und einer wunderschönen Gedenkstätte, die auch die deutsche Geschichte von Schüttwa beleuchtet und nicht mehr unter den Teppich kehrt.

Ekkehard Brand regte mit gutem Zuspruch an, dass man zusammen mit der Gemeinde eine Rundfahrt durch die alte Heimat der Schüttwaer organisieren könnte.

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