Mahnwache mit „weiblichem Blick“

(Foto: pm)

Einblicke, Zweifel, Solidarität und Ermutigung

Mosbach. (bd) Die dritte Mahnwache für Frieden und Solidarität mit der Ukraine in der Woche des internationalen Frauentags gab fünf Rednerinnen die Gelegenheit, ihre Sicht auf den Krieg gegen die Ukraine und die Folgen, insbesondere auch für Frauen auf der Flucht, zu betrachten.

Stiftskirchen – Pfarrerin Stefanie vom Hoff ermutigte die ca. 200 Teilnehmer auf „bei allem Entsetzen den Weg des Friedens zu suchen“. Den Menschen auf der Flucht vor den Krieg sei Schutz und Hilfe zu gewähren, gleich ob sie nun aus der Ukraine, aus Syrien, Afghanistan, Mexiko oder Pakistan kämen. Vom Hoff lud zum ökumenischen Friedensgebet in die katholische Kirche St. Juliana, „von montags bis freitags jeweils um zwölf Uhr“ ein, das einem Helfen könne die Kriegsangst besser zu verkraften und ermögliche Gottes Beistand anzurufen.

Nancy Gelb und Jeanette Bell vom Diakonischen Werk berichteten von ihrer Beratungs- und Projektarbeit mit geflüchteten Frauen aus allen Teilen der Welt. Sie schilderten die besondere Verletzlichkeit von Frauen und Kindern auf der Flucht, auch im Ankunftsland, der mit mitmenschlicher Betreuung und auch therapeutisch begegnet werden müsse. Aber sie schilderten auch beeindruckende Begegnungen. „Frauen, die es hierher geschafft haben, sind Überlebende. Sie bringen Fähigkeiten mit, die unsere Vorstellungskraft übersteigen.“

Dorothee Roos, Historikerin und Vorsitzende des Vereins KZ-Gedenkstätte Neckarelz sprach im Anschluss. In ihrer viel beachteten Rede, die wir als Download bereitstellen, bekannte sie zunächst „eine große Ratlosigkeit.“ Roos betrachtete den historischen und weltpolitischen Kontext und reflektierte die Kriegssituation, die Reaktionen und die gezogenen Schlüsse.

Bei der Betrachtung der Dilemata offenbarte sie ihr tiefes Unbehagen angesichts der beschlossenen politischen Notwendigkeiten. Momentan „gerät der Gedanke der Abrüstung unter die Räder, der so lange den politischen Diskurs zur Kriegsvermeidung bestimmt hat. Ich gestehe, dass ich die neue Rüstungsbegeisterung nur schwer nachvollziehen kann. Gleichzeitig sehe ich natürlich auch, dass es gegenüber einem zum Angriff entschlossenen Aggressor Verteidigung braucht, oder, besser gesagt, Widerstand.

Vielleicht sind Verteidigungswaffen jetzt notwendig, es wäre sicherlich zynisch, der Ukraine zu raten, sich erobern und knechten zu lassen“.  Sie hege weiter Zweifel, ob Aufrüstung grundsätzliche Probleme lösen könne. „Dieser Krieg muss uns lehren, neue Ideen zu entwickeln.“ Aber bereits heute könne jede/r in seinem Alltag handeln: „Helfen soweit es in unserer Macht steht, hierzulande die Demokratie verteidigen und weg aus der Abhängigkeit von russischem Gas und Öl“ lautete ihr Resümee.

Abschließend erhob Janna Baier die Stimme, Ukrainerin, die seit 1995 im Neckar-Odenwald-Kreis lebt und nun bereits 5 Angehörige zu sich geholt hat. Sie hält ständigen Kontakt in das überfallene Land und berichtete erschüttert von den Angriffen der letzten Tage. „Das ist im 21. Jahrhundert und mitten in Europa“ konfrontierte sie die Zuhörer eindringlich. Sie dankte den Menschen im Neckar-Odenwald-Kreis, ihrer neuen Heimat, für die Unterstützung für ihr Vaterland, verlangte diese auch für die kämpfenden Männer dort. Mit „Slava Ukraine, Herojam Slava!“ (Ruhm der Ukraine und ihren Helden) endete sie.

Bei einer Collagenaktion mit blauen und gelben Karten konnten die Besucher ihrer eigene Betroffenheit Worte geben. Lena-Maria Dold und Arno Meuter als Organisationsduo wollen diese über die sozialen Netzwerke Menschen in der Ukraine zugänglich machen, um ihnen zu zeigen, dass Europa sie nicht vergisst.

Für kommenden Samstag, den 19.03., lädt das kreisweite Bündnis aus demokratischen Parteien und ihren Jugendorganisationen erneut um 12:00 Uhr zur Mahnwache nach Mosbach (Château-Thierry-Platz, zw. Volksbank und Sparkasse) ein.

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