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Adelsheim. (li) Es war ein eher ungewöhnliches Fahrzeug, das im Juni auf das Gelände der Justizvollzugsanstalt (JVA) Adelsheim fuhr. Die Tore öffneten sich diesmal nicht für die zahlreichen Baustellen- und Firmenfahrzeuge im Hinblick auf die Umsetzung des Masterplans Justizvollzug, sondern für das DFB-Mobil des Badischen Fußballverbands. Auf dem Kunstrasen der JVA stand eine besondere Trainingseinheit mit den Verbandstrainern für die Mitglieder der „Anstoß“-Mannschaft an.
Training mit den Verbandstrainern auf dem Kunstrasen
Die A-lizenzierten Verbandstrainer Martin Bieser und Patrick Fischer hatten in ihrem DFB-Mobil zahlreiche Fußbälle, Kleintore und weiteres Trainingsmaterial dabei. Auf dem Programm stand ein intensives Trainingsprogramm mit den jugendlichen Teilnehmern der „Anstoß“-Mannschaft, die seit 2013 an dem durch die Sepp-Herberger-Stiftung initiierten Projekt „Anstoß für ein neues Leben“ teilnimmt. Die Aktion wurde durchgeführt, um gezielt Teamgeist und Fairness zu fördern. Durch moderne Fußballübungen mit viel Bewegung und Ballkontakten wurde die neue Trainingsphilosophie des DFB-Masterplans in der Praxis umgesetzt.
Moderne Trainingsmethoden und Resozialisierung
Gefangenensportleiter und Trainer des Anstoß-Teams, Heiko Link, fordert mit der Aussage „Lasst die Jugend dribbeln“ mehr Freiraum für individuelle Kreativität und technische Fähigkeiten auch im Jugendstrafvollzug der JVA Adelsheim. Er kritisiert damit teilweise die gängige Trainingspraxis im Amateursport und setzt stattdessen auf modernes Kleinfeldtraining zur Förderung von Spielfreude und Mut.
Die Erwartungen an die Verbandstrainer wurden bei allen Beteiligten übertroffen. So wurde intensiv gepasst, gedribbelt, Laufwege erarbeitet, das Eins-gegen-Eins geschult sowie viele Tore geschossen. Hochmotiviert gingen die Teilnehmer ans Werk – und das trotz aller Sprachbarrieren und unterschiedlichen Leistungsstände. Das gemeinsame Kicken ließ Herkunft, Status und Vorurteile komplett in den Hintergrund treten und leistet zudem einen wichtigen Beitrag zur Resozialisierung. Gemeinsame Werte wurden vermittelt, sodass die jugendlichen Inhaftierten lernten, zusammen für ein Ziel zu arbeiten.
Trainingsdisziplin als Schlüssel zur Freiheit
Im Kontext des Gefangenensports und von Projekten wie der DFB-Anstoßmannschaft ist Trainingsdisziplin nicht nur eine sportliche Vorgabe, sondern das wichtigste Werkzeug zur Resozialisierung. Wer auf dem Platz stehen will, muss sich im Alltag beweisen, denn Trainingsdisziplin gilt hier als Schlüssel zur Freiheit. Die Teilnahme ist ein Privileg: Nur wer sich im Vollzugsalltag an die Regeln hält, darf am Training teilnehmen. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind oberstes Gebot, Absprachen und Trainingszeiten müssen ohne Ausnahme eingehalten werden.
Auch der Umgang mit Frustration wird geschult: Fouls oder Niederlagen müssen ohne Aggression verarbeitet werden. Durch Selbstbeherrschung müssen Emotionen auf dem Platz kontrolliert und in sportliche Leistung umgewandelt werden. Zudem wird Verantwortung großgeschrieben, da das Fehlverhalten eines Einzelnen den Status des gesamten Teams gefährdet. Das große Ziel ist der Transfer in das Leben danach: Die auf dem Platz gelernte Disziplin soll den Jugendlichen helfen, nach der Entlassung eine berufliche Ausbildung durchzuhalten, Termine bei Behörden wahrzunehmen und dauerhaft straffrei zu bleiben.
Begeisterung und Ausblick
„Die Jungs erlebten einen interessanten Trainingsabend“, lautete das Fazit nach dem Besuch des DFB-Mobils, der mit einem kurzen Austausch und einem Snack in der JVA Adelsheim endete. Die inhaftierten Jugendlichen zeigten sich sichtlich begeistert.
Highlights des Trainingsabends waren vor allem die praxisnahen Einblicke. Die lizenzierten DFB-Teamer zeigten moderne, abwechslungsreiche Übungseinheiten direkt auf dem Platz. Die Jugendlichen überzeugten durch eine hohe Motivation, zogen voll mit und bewiesen enormen Einsatz sowie Lernbereitschaft. Das Event bot damit eine willkommene, sportlich wertvolle Abwechslung zum streng durchgetakteten Gefängnisleben.
Die Trainer lobten nach der Einheit ausdrücklich das fußballerische Talent und das faire Verhalten der gesamten Gruppe. Solche gezielten Highlights verstärken den Lerneffekt der wöchentlichen Trainingsarbeit. Sie zeigen den Jugendlichen, dass sich ihre harte Arbeit an der Trainingsdisziplin auszahlt und sie als vollwertige Sportler wahrgenommen werden.
Gerne nimmt die JVA Adelsheim auch das vorbesprochene Trainingsangebot einer Futsal-Trainingseinheit im Winter an. Diese wird dann jedoch ohne einige der jetzigen Teilnehmer stattfinden – da diese bis dahin bereits wieder ihr Leben in Freiheit genießen dürfen.