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Karnele – Energie – Lügen, Kosten, Wende

10.06.2012   ·   0 Kommentare


(Grafik: HAIGE)

In Zusammenarbeit mit der in Steinbach lebende Autorin Nele Tabler veröffentlicht NOKZEIT die Kolumne “Karnele”. Darin widmet sich die Autorin, die durch ihren Karnele – “Blog über Lesben und lesbisches Leben, Feminismus und Alltagswahnsinn” bundesweit bekannt geworden ist, künftig dem “normalen Alltagswahnsinn” im Odenwald und darüber hinaus. Passend zum Wahnsinn, wird es keine Regelmäßigkeit und thematisch keine Vorgaben bzw. geben.

In ihrem neusten Beitrag auf NOKZEIT beschäftigt sich Nele Tabler mit den Lügen der Energieversorger, der Entlassung von Umweltminister Röntgen und der Energiewende. Hauptrolle spielt dabei ein “kleines Wasserwerk”.


Unter anderem ist Norbert Röttgen als Umweltminister gefeuert worden, weil er die Sache mit der »Energiewende« angeblich nicht schnell genug auf die Reihe bekommen hat. Vielleicht ging es ihm damit ja ähnlich wie mir und seine Vorstellungen einer Energiewende unterschieden sich gewaltig von denen Angela Merkels, Philipps Röslers und der ganzen Energiewirtschaft. Möglicherweise verstand er darunter etwas anderes als nur »Wie kann damit am meisten Geld verdient werden?« – Einverstanden, wahrscheinlich dachte er das nicht und machte einfach seinen Job nicht richtig. Aber man muss ja nicht immer einem Politiker Unfähigkeit und böse Absichten unterstellen. Ein einziges Mal könnte es ja auch anders gewesen sein.

Beim Hundeauslauf heute Nachmittag sind wir auch an »unseren« drei Windrädern vorbeigekommen. Ich gehe dort gerne hin und bestaune sie jedes Mal wieder, ebenso wie die vielen Solardächer in unserem Dorf. Allerdings weiß ich, dass diese Art der Stromerzeugung nicht überall in Deutschland beliebt ist. Man mag zwar keine Atomkraftwerke und findet Kohlekraftwerke auch nicht gerade toll, aber gegen die Alternativen laufen inzwischen auch Menschen Sturm. Energiewende ja bitte, aber …

Die großen Stromkonzerne tun bereits seit Jahren sehr viel, um die Windräder, Solardächer und Ähnliches der Bevölkerung madigzumachen. Leider habe ich ein besonders unverschämtes Schreiben der EnBW nicht aufgehoben und kann deshalb nur den ungefähren Inhalt wiedergeben: »Ihre Nachbarn sind gerade dabei, sich Solaranlagen aufs Dach zu setzen. Da diese Anlagen subventioniert werden, wird sich der Strompreis für Sie demnächst um xxx erhöhen.« Zu jener Zeit war die Atomenergie noch angesagt und anscheinend hoffte man darauf, dass sich Nachbarn zusammenrotten und die Solardacheigentümer_innen verdreschen würden. Wenigstens habe ich diesen Brief damals so interpretiert.

Seit Jahren verbrauchen wir immer weniger Strom, weil wir genauer auf den Verbrauch achten, entsprechende Geräte ersetzen oder z. B. bei Stand-by Geräten den Stecker ziehen. Trotzdem wird unsere Stromrechnung höher und höher und höher. Egal, was und wo auf der Welt passiert, die Stromkonzerne nutzen jedes sich bietende Ereignis, um die Preise zu erhöhen. Mal ist es ein Krieg, mal eine Naturkatastrophe, mal ein zu niedriger Heizölverbrauch, mal ein zu hoher Gasverbrauch, mal der Sack Reis, der China umfällt. Sollte sich tatsächlich jemand darüber gewundert haben, dass im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus der Atomkraft als erstes zu hören war: »Das wird für die Endverbraucher_innen aber teuer!«

Energiewende? Zu allererst geht es doch darum, dass die Stromkonzerne weiter richtig viel Geld verdienen. Wie, scheint dabei ziemlich egal zu sein. Ob mit Atomkraft, Kohle, Gas oder Solaranlagen. Und wenn man auf diese Weise nebenbei noch die Bevölkerung und alle, die gegen Atomkraftwerke sind, ärgern kann, scheint das manchen der Verantwortlichen wirklich glücklich zu machen. Statt über regionale und dezentrale Konzepte nachzudenken und zu fördern, sollen Landschaften mit Hunderten von Windrädern an einer Stelle verschandelt, Stromleitungen durch Naturschutzgebiete gelegt und Freileitungsmasten zwischen Kindergarten und Altenheim mitten im Neubaugebiet aufgestellt werden. Um dann triumphierend unterstellen zu können: »Ihr wolltet das doch so!«


Nein, das ist nicht die Energiewende, wie ich sie mir vorstelle. Einfach nur Atomkraftwerke gegen neue Umweltzerstörung einzutauschen, ist die Fortsetzung der alten Politik mit etwas anderen Mitteln. Auf drei oder auch fünf Windräder und Solaranlagen auf bereits vorhandene Dächer ist die Bevölkerung meist richtig stolz. Fünfzig Windräder vor dem Ortseingang sind eine Zumutung und machen wahrscheinlich sogar krank.

Mein Vater hat sich schon immer mit Kindern »vernünftig« unterhalten. Sprechende Autos und rosa Ponys waren nie sein Ding gewesen, statt Märchen vorzulesen, hat er liebe wahre Geschichten erzählt. Eine davon handelte von einem tapferen kleinen Wasserkraftwerk:

Als er noch ein ganz junger Ingenieur gewesen war und bei den Bayerwerken Strom machte, gab es eines Tages weit weg bei einem großen Kraftwerk einen Knall. Das Kraftwerk musste vom Netz gehen, das nächste große Kraftwerk war deshalb überlastet und musste schnell auch vom Netz gehen und bald drohte ein Blackout in ganz Deutschland. Denn als die Kessel wieder angefahren werden sollten, gab es keinen Strom für den Anschub. Man brauchte zwar nur ein kleines Bisschen, doch all die großen und stolzen Kraftwerke waren ja nicht mehr am Netz. Da kam ihnen ein kleines Wasserkraftwerk am Main zu Hilfe, obwohl all die anderen schon lange gesagt hatten, es sei so klein, tauge zu nichts und koste nur Geld. Es solle endlich verschwinden.

Heute weiß ich, dass dem kleinen Wasserkraftwerk seine Hilfeleistung nicht gedankt und es trotzdem stillgelegt wurde. Aber man könnte aus dieser Geschichte vielleicht etwas lernen und aus der Energiewende wirklich eine Energiewende machen.

Steinbach windkraftanlagen

Die Windräder in Mudau-Steinbach. (Foto: Nele Tabler)

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