Aus Diktat keine Friedensgesellschaft

14.04.10

Gerd Teßmer referierte beim Wir-Kreis über die Folgen von Versailles. (Fot0: privat)

Mosbach. (rt) Eine breite Palette von Themen hat der Wir-Kreis im Ökumenischen Zentrum Neckarelz schon seit Längerem für seine regelmäßigen Veranstaltungen im Angebot. Die Leiterin Hildegard Schumann-Rochlitz hatte dazu, den früheren Landtagsabgeordneten und Historiker Gerd Teßmer für einen Vortrag über die Versailler Verträge gewinnen können.

Gerd Teßmer ging zunächst auf die europäische Geschichte nach dem 70-er Krieg ein, wo mit den Auflagen und dem Verlust von Elsaß-Lothringen gegenüber dem Verlierer Frankreich die Grundlagen für eine Erbfeindschaft und dem Ziel von Gebietsrückgewinnungen gelegt wurden. Als dann der 1. Weltkrieg Deutschland als Verlierer sah, konnten Clemenceau und die französische Regierung alle Demütigungen ab 1870 rächen und dies geschah auch. „Die Deutschen zahlen“ (le boche paie) war die Devise.

Der Referent zeigte die einzelnen Gebietsabtretungen nach 1918 auf und machte deutlich, dass alle Abtretungen und Besatzungsauflagen in erster Linie Preußen trafen. Hohe Reparationen, Kohlelieferungen aus Ruhrgebiet und Saar, die Entmilitarisierung des Rheinlandes, die bis kurz vor Mosbach reichte, trafen das nunmehr demokratische Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im Nationalgefühl. Nur so konnten sich Revanchepolitiker, Freikorps und Monarchisten hervortun und die junge Republik schwächen.

Als man Mitte der 20-er Jahre einsah, dass mit dem „Diktat von Versailles“ keine europäische Friedensordnung entstehen konnte und als sich Deutschland und Frankreich unter Stresemann und Briand aussöhnten, war es für eine vom ganzen Volk getragene Demokratie-Bewegung bereits zu spät.

Gerd Teßmer sprach auch an, welche Probleme und sozialen Nöte in Deutschland durch die zahllosen mittel- und ehrlos gewordenen Soldaten des Weltkriegs und durch den Verlust des gesparten Geldes durch die Währungsreform jeden einzelnen Bürger persönlich traf. Dabei kam die schwierige Situation auch im Badischen Hinterland rund um Mosbach zur Sprache.

Auch geschah der Übergang von der Monarchie zur Demokratie als neue Staatsform ohne jede Vorbereitungszeit und ohne jedes Vorbild, so dass das Volk die Regierung nur bedingt als Autorität anerkannte. Anhand von Aufstellungen und Karten wurde das Gesagte vertieft.

Viele gute Ansätze der Weimarer Republik wurden deshalb nicht genutzt und endete bekanntlich in einer Diktatur, von der man sich zumindest anfangs die Lösung aller Nahrungs- und Arbeitsprobleme erhoffte.

In der folgenden Aussprache wurden die gravierenden Fehler der „Friedensverträge“ noch einmal herausgearbeitet und die Unterschiede zur Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg herausgearbeitet.

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