Energiepflanze feiert Landkreis-Premiere

26.04.10

Landwirt Lothar Derr wagt Pilotversuch – Gärtner Dr. Schreiber zieht Setzlinge

Mit einer Pflanzmaschine, bei der die Setzlinge einzeln in Verteilerräder eingelegt werden, wird die Durchwachsene Silphie gepflanzt. Die vielversprechende Energiepflanze kann nicht einfach ausgesät werden, lässt sich dann aber als mehrjährige Pflanze rund zehn Jahre lang beernten. (Foto: Markus Moll)

Neckar-Odenwald-Kreis/Main-Tauber-Kreis. (mm) Große Freude bei den Verantwortlichen der Bioenergieregion Hohenlohe-Odenwald-Tauber GmbH (H.O.T.): Erstmals wurde Anfang der Woche im Main-Tauber-Kreis die „Durchwachsene Silphie“ angepflanzt. Auf der Pflanze ruhen große Hoffnungen hinsichtlich der Produktion von Bioenergie. Landwirt Lothar Derr aus Grünsfeld, der  eine große Biogasanlage betreibt, ließ 5000 Setzlinge auf einem 0,3 Hektar großen Feldstreifen pflanzen. Produziert wurden die Setzlinge von Gartenbauingenieur Dr. Richard Schreiber aus Unterbalbach.

Der sich eigentlich im Ruhestand befindende Dr. Schreiber (73), der seine Gärtnerei längst an die nächste Generation übergeben hat, interessiert sich noch immer für neue Projekte. Im vergangenen Jahr hatte er in der Zeitung von der Gründung der Bioenergieregion Hohenlohe-Odenwald-Tauber gelesen, einem Zusammenschluss der drei Landkreise Hohenlohe, Neckar-Odenwald und Main-Tauber. Nach einem bundesweiten Wettbewerb waren die drei Kreise gemeinsam zu einer von 25 „Bioenergieregionen“ in Deutschland gekürt worden. Besonders die Ankündigung, großflächig die Durchwachsene Silphie anzubauen,  weckte das Interesse des Experten. Er wandte sich an die H.O.T.-GmbH und die stellte zunächst den Kontakt nach Rosenberg her, wo auf einem Versuchsfeld die Durchwachsene Silphie angebaut wird. Von dort bezog Dr. Schreiber den Samen, den er Anfang Dezember 2009 säte. Etwa vier Wochen später wurde pikiert. 5000 Pflänzchen wurden so herangezogen – mit einem enormen Pflegeaufwand, wie er sich erinnert. Anfang März schließlich suchte Dr. Schreiber über die H.O.T.-GmbH einen Abnehmer für die Jungpflanzen und wurde fündig bei Lothar Derr.

Der Grünsfelder Landwirt betreibt seit Ende 2007 eine große Biogasanlage, mit der er Strom und außerdem Wärme für benachbarte Unternehmen und eigene Betriebszweige produziert. Dafür benötigt er Material von etwa 300 Hektar Anbaufläche. Der Anbau der Durchwachsenen Silphie auf einer Fläche von 0,3 Hektar kann freilich nur ein Pilotversuch sein – aber der innovationsfreudige Landwirt kann sich sehr gut vorstellen, die Anbaufläche nach erfolgreicher Erprobung schnell auszudehnen.

H.O.T.-Geschäftsführer Sebastian Damm und der Regionalbüroleiter für den Main-Tauber-Kreis, Lothar Lauer, sind begeistert von Dr. Schreibers Initiative und natürlich auch von Derrs Mittun. Beide sehen den Ausbau der erneuerbaren Energie nicht nur als unverzichtbaren Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch als Konjunkturprogramm. „Besonders viel versprechend ist diesbezüglich der Anbau der Durchwachsenen Silphie. Hier besteht ein erhebliches Potenzial für die Energieerzeugung. Erdöl, Gas oder Kohle müssten nicht mehr auswärts eingekauft werden, das Geld bliebe in der Region“, erklärt  Sebastian Damm.

Tatsächlich spricht vieles für die Durchwachsene Silphie. Gerade gegenüber dem Mais besitzt sie als Energiepflanze eine Reihe von Vorteilen. Ihre hohe Biomasse und Biogasausbeute machen sie nach aktuellem Forschungsstand zur besonders geeigneten Energiepflanze. Das Gewächs aus der Familie der Korbblütler gedeiht auch an trockenen Standorten gut. Und auch Imker schätzen die Pflanze, die für Bienen und andere Insekten interessant ist, weil sie im August und September und damit recht spät blüht. Nach einer höheren Erstinvestition durch das Auspflanzen von Jungpflanzen – anstelle einer Aussaat, die problematisch wäre – kann die mehrjährige Pflanze etwa zehn Jahre lang jährlich beerntet werden. Dank der Beschattung des Bodens durch das Blattwerk müssen ab dem zweiten Anbaujahr keine Unkrautbekämpfungsmittel mehr eingesetzt werden. Eine Bodenerosion wird durch die ganzjährige Begrünung vermieden.

Wer sich im Neckar-Odenwald-Kreis für den Anbau der Durchwachsenen Silphie interessiert, kann sich bei der H.O.T.-GmbH  unter der Telefonnummer 06281/906801 (E-Mail s.damm@bioenergie-hot.de) unverbindlich informieren.

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