Auszubildende lernten an historischem Ort

04.05.10

Jugendliche des BBW der Johannes-Diakonie Mosbach setzten Geschichtslehrpfad instand

Unter Anleitung von Ausbildern richteten Jugendliche des BBW den Treppenweg des „Goldfisch“-Pfades her. (Foto: Lothar Dörge)

Mosbach/Obrigheim. (da) Praktische Berufserfahrung und Geschichtsverständnis haben Auszubildende des Berufsbildungswerkes (BBW) der Johannes-Diakonie Mosbach am Geschichtslehrpfad „Goldfisch“ erwerben können. „Goldfisch“ war der Tarnname einer unterirdischen Rüstungsfabrik 1944/45 in Obrigheim, in der Nationalsozialisten und Industrie Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge einsetzten. Im Rahmen einer Ausbildungsmaßnahme haben BBW-Jugendliche einen Teil des Geschichtslehrpfades wieder hergerichtet und daraus mehr als Praxiserfahrung mitnehmen können.

Der Geschichtslehrpfad verbindet die oberirdischen Relikte der ehemaligen Fabrik. Er ist zweieinhalb Kilometer lang und hat zehn Stationen, wie z.B. den ehemaligen Bahnhof, das Kesselhaus und den Treppenweg. Letzteren zu reinigen und auszubessern, war die Aufgabe der etwa 30 Jugendlichen des Berufsbildungswerkes Mosbach. Im BBW durchlaufen sie eine Berufsvorbereitung oder lernen in verschiedenen Ausbildungsjahrgängen Gartenbaufachwerker. Am Geschichtslehrpfad „Goldfisch“ fassten die Jugendlichen mit ihren Ausbildern in einer Woche  knapp 800 Stunden an, stiegen über 30000 Stufen, verlegten rund 50 Meter Baumstämme und bewegten mehr als sechs Tonnen Schotter.

Doch ging es dabei nicht nur darum, den Auszubildenden Berufspraxis zu ermöglichen und den Pfad gut begehbar zu machen. Denn zugleich sollte sich ihnen ein Verständnis für die Geschichte des Nationalsozialismus eröffnen. Das Anliegen von Pfarrer Richard Lallathin war, die Jugendlichen zur Identifikation mit den damaligen teils gleichaltrigen Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen zu befähigen. Dazu trug auch der Religionsunterricht im BBW bei, in dem sich Lallathin mit den Auszubildenden themenbezogen auseinandersetzte. „Für einen Lehrer gibt es nichts Erfreulicheres, als dass Jugendliche nachfragen und sich interessieren“, war das positive Fazit Lallathins aus den Stunden.

Vorsitzende Dorothee Roos vom Verein KZ-Gedenkstätte Neckarelz, der auch mit dem Lehrpfad „Goldfisch“ über die hiesige NS-Geschichte informiert, lobte die Arbeit, Mühe und Sorgfalt der Auszubildenden und Ausbilder. Roos ermöglichte auch, dass „die Jugendlichen Menschen begegnen, welche die Geschichte miterlebt haben“. Denn mit ihr war eine kleine Gruppe „letzter Augenzeugen“ aus Polen an den Einsatzort der BBWler gekommen. Von Elżbieta Sobczyńska erfuhren die Jugendlichen dann, welche Grausamkeiten sie im Alter von zehn Jahren im KZ Ausschwitz-Birkenau durchlebt hatte. Die deutsche Sprache habe bei polnischen Bürgern früher Todesangst ausgelöst, berichtete Stanislaw Pilip. Doch er zeigte sich überzeugt, dass sich Deutsche und Polen heute verstehen. Dazu trug auch der Auszubildende Peter Haas bei, der die Besuchergruppe mit Polnischkenntnissen überraschte, die er sich selbst angeeignet hatte.

Belohnt für ihren Einsatz am Geschichtslehrpfad werden die Jugendlichen noch mit einer Einfahrt in den „Goldfisch“-Stollen, einem Museumsbesuch und einem Film über die Ausbildungsmaßnahme, der bei der Abschlussfeier der diesjährigen BBW-Absolventen präsentiert wird.

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