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Kosten, Bürokratie und Fachkräftemangel
Mudau. (pm) Die jüngste Sitzung des CDU-Kreisvorstandes Neckar-OdenwaldCDU-Kreisvorstandes Neckar-Odenwald führte den Vorstand in die Landbäckerei SchlärLandbäckerei Schlär, einen Familienbetrieb mit vier Filialen, mobilem Verkaufswagen und zusätzlichem Verkaufsstand in einem Supermarkt.
Der Kreisvorstand setzt sich bewusst mit der Situation des Handwerks auseinander und verbindet seine Sitzungen regelmäßig mit Besuchen in Betrieben vor Ort, weil das Handwerk eine tragende Säule für Wirtschaftskraft und Nahversorgung im Landkreis ist.
Die Bäckerei beschäftigt 46 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, überwiegend in Vollzeit, darunter auch vier Auszubildende. Ohne Minijobber sei aber insbesondere der Samstagsbetrieb kaum möglich, der Sonntagsverkauf wurde bereits eingestellt, weil er wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist.
Peter Schlär machte deutlich, dass an der Arbeit eines Bäckers vier bis fünf Arbeitsplätze im Verkauf hängen. Wenn handwerkliche Bäckereien wegbrächen, gingen auch dort zahlreiche Stellen verloren. „Als kleine Handwerksbetriebe müssen wir mit den industriellen Bäckereien im Wettbewerb bestehen“, fasste er die Lage zusammen.
Besonders ins Gewicht fallen nach seinen Worten die Personalkosten. Die Löhne seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, die Lohnnebenkosten erreichten im Handwerk inzwischen Werte von bis zu über 60 Prozent.
Hinzu kommen hohe Energiekosten, die gerade das produzierende Gewerbe belasten sowie steigende Rohstoffpreise. Für Betriebe, die bewusst regional einkaufen, ist die Situation zusätzlich anspruchsvoll.
Dr. Norbert Rippberger, Bürgermeister von Mudau und Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, kennt den Betrieb aus seiner Gemeinde. „Wenn regionale Bäckereien unter der Last von Kosten und Bürokratie zusammenbrechen, geht es nicht nur um einen Betrieb, sondern um Lebensqualität und Infrastruktur vor „Ort, machte Rippberger deutlich.
Ein weiteres Thema waren die wachsenden bürokratischen Anforderungen. Die wieder abgeschaffte Bonpflicht sei ein wichtiger Schritt gewesen, weitere Entlastungen seien aus Sicht des Handwerks aber dringend nötig. „Politik ist wichtig und es ist schön, dass ihr da seid, denn die Kreispolitik muss wissen, wo der Schuh drückt“, merkte Schlär an.
Ausführlich sprach der Betriebsinhaber über die Rolle der Minijobs. Ohne sie lasse sich der Betrieb, vor allem an Samstagen, personell kaum absichern. Mit deutlichen Worten warnte er vor einer Abschaffung dieses Modells. „Finger weg von den Minijobs – für uns Betriebe überlebenswichtig und für die Angestellten wichtig, um gerade bei Hauptberufen im Niedriglohnsektor die Lebenshaltung zu finanzieren.“
Kritisch beleuchtet wurden auch Ausbildung und Fachkräftesicherung. Trotz rückläufiger Ausbildungszahlen sei die schulische Ausbildung vor Ort für die Innung wichtig, mit der ZGB als zentralem Bildungspartner. Zugleich beobachte man, dass die Qualität der Schulabgänger für Praktika und Ausbildung schlechter werde.
Schlär betonte zudem: „Viele Arbeitskräfte in der Branche haben einen Migrationshintergrund, ohne die es schlecht um die kleinen regionalen Bäcker stehen würde.“ Gleichzeitig bleibe der Aufwand hoch. „Bürokratie ist auch bei der Anstellung oder Ausbildung von Asylbewerbern ein großer Aufwand.“
Positiv hob Schlär ein inklusives Ausbildungsprojekt hervor. In Zusammenarbeit mit der Johannes-Diakonie Mosbach bildet die Bäckerei eine Auszubildende in einem Pilotversuch aus. Dieser verlaufe sehr gut, die Übernahme ist geplant, das Konzept wurde der Innung vorgestellt und soll weiterverfolgt werden.
Das Beispiel zeige, dass Inklusion im Handwerk konkret gelebt werden kann. Der zusätzliche Aufwand und das Engagement lohnen sich, weil der Betrieb eine motivierte Mitarbeiterin gewinnt, die Auszubildende eine klare Perspektive erhält und alle Seiten von der Einbindung in den regulären Arbeitsalltag profitieren.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage der Betriebsnachfolge. Viele Handwerksbetriebe finden keine Nachfolger, Übernahmen erfolgen meist durch bestehende Betriebe in der Region. Selbst dort, wo eine Nachfolge gesichert ist, bleiben Bürokratie, Steuern und Genehmigungen hohe Hürden.
Der Betrieb Schlär sei insgesamt gut aufgestellt, doch die Spielräume für Investitionen und Weiterentwicklung seien begrenzt. Kleinere Betriebe könnten diese Entwicklungen oft nicht ausgleichen und müssten schließen.
Der Kreisvorsitzender Markus Haas dankte Peter Schlär für die offenen Einblicke. „Die Schilderungen aus der Praxis machen deutlich, wie eng die Spielräume für das Handwerk geworden sind und wie viel Verantwortung gleichzeitig übernommen wird. Für uns ist es wichtig, diese Realität aufzunehmen und in Gesprächen und Entscheidungen auf der politische Ebene einzubringen“, betonte Haas.
Zum Abschluss dankte der CDU-Kreisvorstand Familie Schlär und ihrem Team für den umfassenden Einblick in Produktion und Verkauf. „Bei der Anfrage war für mich klar, dass ich direkt zusage“, sagte Peter Schlär. Die gewonnenen Eindrücke sollen in die weitere politische Arbeit einfließen, damit die Rahmenbedingungen für Handwerk, Ausbildung und Nahversorgung im Neckar-Odenwald-Kreis gestärkt werden.