Breitbandversorgung – Ist Funk die Lösung?

04.05.10

Neckar-Odenwald-Kreis. Vor wenigen Wochen ging das Thema durch die Presse: die Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen durch die Bundesnetzagentur. Und in diesem Zusammenhang kursierte die These, nach der eine Breitbandversorgung via Funk gerade auch für den ländlichen Raum „die“ Lösung sein könnte, weil sie sehr viel kostengünstiger ist als die kabelgebundene Variante, die immer mit Tiefbauarbeiten verbunden ist.

Tatsächlich stellt der kabelgebundene Breitbandausbau die Gemeinden vor allem im ländlichen Raum mit vergleichsweise wenigen potentiellen Nutzern in aller Regel vor enorme finanzielle Herausforderungen. Doch bis zur flächendeckenden Umsetzung von Funklösungen zu tragbaren Kosten ist – zumindest nach Meinung von Experten –  noch ein weiter Weg. Denn tatsächlich seien bei dieser Variante mehrere Gesichtspunkte entscheidend: die nutzbaren Frequenzen, die Geländesituation und die eingesetzte Funktechnik.

Zum Thema nutzbare Frequenzen muss man wissen, dass Frequenzpakete in den Bereichen 800-MHz, 1,8 GHz, 2 GHz und 2,6 GHz. versteigert werden. Mit dem Frequenzpaket im 800-MHz-Bereich ist  eine etwas größere Versorgungsreichweite zu erwarten. Anders ausgedrückt: Speziell dieses eine Frequenzpaket ist wirklich geeignet, mit wenigen Sendern im ländlichen Raum eine kostengünstigere Flächenversorgung zu erzielen.

Mit der Frequenzvergabe werden die Frequenznutzer zugleich zu einer bestimmten Versorgungsrate gerade auch kleinerer Gemeinden verpflichtet, um die Benachteiligung gegenüber den Ballungsräumen zu mildern. Trotz und mit dieser Versorgungsverpflichtung, deren  Nutznießer überwiegend die größeren Ortsteile der Gemeinden sind, bleiben jedoch immer noch Lücken in der Breitbandversorgung. Die betreffen in aller Regel Randsiedlungen bzw. Gebiete mit sehr geringer Einwohnerdichte und/oder mit einer für Funk schwierigen Geländesituation. Der Vorteil durch die vergrößerte Reichweite von Funklösungen kann nämlich nur in den Gegenden genutzt werden, wo quasi Sichtverbindung zwischen den Mobilfunksendern und den Empfängern besteht. Hügel, steile Taleinschnitte, hohe Gebäude oder hoher Bewuchs verhindern eine effektive Ausnutzung der größeren Reichweiten und verhindern damit die erwarteten Kostenvorteile. Die abgeschatteten Bereiche können nicht bzw. nur durch den (teuren) Aufbau weiterer Senderstandorte versorgt werden – die Vorteile des Funk verpuffen.

Ein dritter Punkt ist die eingesetzte Funktechnik. Zwar ist mit der Frequenzvergabe keine besondere Funktechnologie vorgeschrieben, d.h. es können neben den herkömmlichen Technologien GPRS, UMTS, HSDPA, HSPA+ auch neue Technologien zum Einsatz kommen. Die in diesem Zusammenhang viel diskutierte Technologie der nächsten Generation (LTE) verspricht sehr große Bandbreiten für den Nutzer in der Funkzelle. Diese Technik kann auch ganz sicher Bewegung in die Mobilfunkversorgung bringen – allerdings laufen derzeit erst Pilotversuche. Bis ein großflächiger Einsatz von LTE zu erwarten ist, dürften – ähnlich wie damals bei UMTS – noch Jahre vergehen. Ob und wann LTE tatsächlich flächendeckend für die Breitbandversorgung im ländlichen Raum eingesetzt wird, kann derzeit noch nicht einmal abgeschätzt werden.

Zusammenfassend muss festgestellt werden: Funk wird im Neckar-Odenwald-Kreis ganz sicher nicht den schnellen und kostengünstigen Durchbruch in Sachen Breitbandversorgung bringen können. Zumal auch der weit verbreitete Vorbehalt in der Bevölkerung gegen jeglichen Funk nicht zu unterschätzen ist. Um per Funk eine mit DSL vergleichbare Flächenversorgung zu erreichen, ist eine relativ hohe Funkzellendichte mit entsprechend vielen Funksendern erforderlich.

Aus diesen Gründen wird die Weiterbetreibung der Breitbandversorgung per DSL und Glasfaser – freilich neben einer leistungsfähigen Funklösung da, wo es Sinn macht – unverzichtbar sein.

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