Jugendhilfeausschuss tagte im Jugenddorf Klinge

08.05.10

Präventionsprojekt „Keiner fällt durchs Netz“ vorgestellt

Neckar-Odenwald-Kreis. Im Bernhardsaal im Kinder- und Jugenddorf Klinge – passender hätte die Örtlichkeit nicht gewählt sein können –  tagten die Mitglieder des Jugendhilfeauschusses des Kreistages unter Leitung von Landrat Dr. Achim Brötel bei ihrer jüngsten Sitzung. Hausherr und Dorfleiter Dr. Johann Cassar begrüßte die Ausschussmitglieder und stellte das Jugend- und Kinderdorf, das derzeit 140 Kindern ein Zuhause bietet und damit voll belegt ist, vor. Dabei fand er auch für die gute Zusammenarbeit mit dem Neckar-Odenwald-Kreis lobende Worte.

Schwerpunkt der Sitzung war das Präventionsprojekt „Keiner fällt durchs Netz“. „Mit diesem Projekt geht der Neckar-Odenwald-Kreis konsequent seinen Weg der Prävention weiter“, stellt Landrat Dr. Brötel an den Beginn seiner Ausführungen. Und tatsächlich soll über dieses Projekt, das in verschiedenen Landkreisen bereits mit Erfolg durchgeführt wird, ein frühzeitiger Zugang zu so genannten „Risikofamilien“ ermöglicht werden, idealerweise schon kurz vor bzw. nach der Geburt eines Kindes. Hilfestellungen schon in den ersten Lebensmonaten sollen verhindern, dass es überhaupt zu einer Gefährdung des Kindeswohls kommen kann.

Peter Roos vom Fachbereich Jugend und Soziales stellte das Programm im Detail vor. Der Erstkontakt zu den werdenden Eltern kommt bereits in den Geburtsstationen zustande. Wird dort speziell von den Hebammen festgestellt, dass besondere Belastungen in der Familie vorliegen, werden so genannte Familienhebammen – staatlich examinierte Hebammen mit Zusatzqualifikation –  vermittelt, die die Familie über ein Jahr lang begleiten, wenn die Eltern  einverstanden sind. Allen Eltern wird darüber hinaus die Elternschule „Das Baby verstehen“ zur Stärkung der elterlichen Sicherheit angeboten. „Da beinahe alle Familien im Rahmen der Regelversorgung Besuch und Unterstützung von Hebammen bekommen, werden die Hausbesuche bei Risikofamilien nicht als Diskriminierung oder Überwachung wahrgenommen und deshalb auch viel seltener verweigert“, ist sich Peter Roos sicher.

In den Fällen, in denen die Hebammen im Laufe des Jahres dank eines standardisierten Verfahrens Risikokonstellationen feststellen, werden den Familien weitergehende Hilfen angeboten. Um das Verfahren in Gang zu setzen und aufrecht zu erhalten, soll im Landratsamt eine Koordinierungsstelle angedockt werden, die vor allem die Familienhebammen und weitere Hilfen vermittelt und Kooperationsstrukturen aufbauen soll.

„Das alles gibt es leider nicht zum Nulltarif“, so Roos. Das Landratsamt rechnet mit ca. 30 Fällen im Jahr. Dadurch entstehen jährliche Projektkosten in Höhe von ca. 25.000 Euro für Hausbesuche der Hebammen und Schulungskosten. Die Koordinierungsstelle im Landratsamt wird vom vorhandenen Personal im Fachbereich Soziales wahrgenommen. „Das ist zwar viel Geld“, so der Landrat, „aber wird dadurch auch nur ein einziger Heimfall vermieden, hätten wir sogar Geld gutgemacht. Von der menschlichen Tragödie mal ganz abgesehen.“ Das sah auch Ausschussmitglied und Kreisrat Jens Wittmann (CDU) so: „Das Geld ist gut angelegt. Es ist wichtig, dass vor allem die Kleinsten größtmöglichen Schutz erhalten“. Der Ausschuss schloss sich einstimmig dieser Meinung an und beauftragte die Verwaltung, das Projekt „Keiner fällt durchs Netz“ einzurichten.

In einem weiteren Tagesordnungspunkt wurde Reinhardt Löhlein als Vertreter des Jugendhilfeausschusses in das Kuratorium des Jugendfonds Neckar-Odenwald-Kreis gewählt. Als Vertreter wurde Meinrad Edinger berufen. Ausschussmitglied und Kreisrat Joachim Mellinger (SPD) erkundigte sich beim Tagesordnungspunkt Mitteilungen und Anfragen über die Einlösungsquote der Gutscheine im Rahmen des Projekts „Stärke“. Der Neckar-Odenwald-Kreis geht hierbei von rund 25 Prozent aus. Damit liegt der Landkreis im Landestrend.

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