NABU und MdL Hauk beringen Wanderfalken

11.05.10

Wanderfalkenbestände haben sich erholt / Baumann: Erfolgsgeschichte zeigt Wirksamkeit von engagiertem Naturschutz

Unser Bild zeigt von links: Jürgen Becht (Vorstand AGW), MdL Peter Hauk (Vorsitzender CDU-Landtagsfraktion, AGW-Schirmherr) und Dr. Andre Baumann (Vorsitzender NABU Baden-Württemberg) mit beringten Wanderfalken. (Foto: NABU/Bianka Brobeil)

Stuttgart. (pm) Als „Erfolgsgeschichte für den NABU und den gesamten Naturschutz“ bezeichneten Baden-Württembergs CDU-Landtagsfraktionschef Peter Hauk MdL und der NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann die Rettung des Wanderfalken vor dem Aussterben. Baumann und Hauk, seit fünf Jahren auch Schirmherr der „Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz im NABU“ (AGW), begleiteten heute AGW-Vorstand Jürgen Becht auf den Turm der Stuttgarter Marienkirche, wo dieser vier junge Wanderfalken beringte.

In den 1960er-Jahren stand der Wanderfalke europaweit kurz vor dem Aussterben. In Deutschland brüteten nur noch knapp 50 Paare – vor allem in Baden-Württemberg und Bayern. „Das Schicksal dieser beeindruckenden Vogelart schien für alle Zeit besiegelt“, erinnert sich Becht. „Die Gründe für diesen katastrophalen Bestandseinbruch waren vielfältig: Windige Geschäftemacher stahlen die Eier aus den Nestern, um die Vögel an Falknereien zu verkaufen. Pestizide wie DDT töteten die Embryonen ab und ließen die Eier dünnschalig und zerbrechlich werden. Taubenzüchter erlegten die Vögel und Kletterer störten die Altvögel bei der Brut.“ Bei Taubenzüchtern ist der Wanderfalke besonders unbeliebt, da auch Tauben von ihm erbeutet werden.

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Zum Vergrößern bitte anklicken. (Foto: NABU/Bianka Brobeil)

Als Reaktion auf diese Entwicklung gründeten ehrenamtliche Vogelschützer des NABU 1965 die AGW. „Mit enormem ehrenamtlichen Einsatz sorgte die AGW dafür, dass die Wanderfalken wieder brüten konnten“, berichtet Schirmherr Hauk. „Die Ehrenamtlichen bewachten über Wochen jeden einzelnen Horst rund um die Uhr, um zu verhindern, dass Menschen die Nester plünderten oder die Jungen töteten. Mit Taubenzüchtern und Kletterern setzten sie sich an einen Tisch und erarbeiteten Lösungen. Und schließlich konnte auch die Politik für den Wanderfalken aktiv werden, indem beispielsweise der Einsatz von DDT verboten wurde. All diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass der Wanderfalke heute nicht mehr auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Vogelarten steht.“ Heute brüten in Baden-Württemberg wieder rund 250 Brutpaare.
Für NABU-Landeschef Baumann macht das Beispiel des Wanderfalken deutlich, welchen Einfluss der Mensch auf die Vogelwelt und die gesamte Natur hat – im Schlechten wie im Guten. „Ich wünsche mir von Herrn Hauk, dass er im Herzen unser oberster Naturschützer bleibt – auch wenn er nicht mehr den entsprechenden Ministerposten innehat. Als CDU-Fraktionsvorsitzender entscheidet er mit darüber, welche Mittel der Naturschutz erhält. Er kann den Naturschutz stark machen. Die Wanderfalken sollen ein Sinnbild dafür sein, dass sich das lohnt und dass wir gemeinsam etwas für Mensch und Natur schaffen können.“
Auch der Wanderfalke hat weiterhin Schutz nötig. Nach Bestandzunahmen auf rund 300 Brutpaare vor sieben Jahren ging der Bestand auf nun 250 Paaren zurück. Die Gründe sind unklar: Vielleicht machen den Wanderfalken die wachsenden Uhu-Bestände das Leben schwer, da der Wanderfalke von diesen Eulen gejagt wird. Andererseits haben auch einige Menschen ihre Hand im Spiel: Immer wieder kommt es zu illegalen Abschüssen und Vergiftungen. Erst 28. April hat Baumann Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet, weil in Mühlheim am Bach (Kreis Rottweil) ein Wanderfalke vergiftet worden war.

Info-Box: Der Wanderfalke
Wanderfalken sind die größten Falken Baden-Württembergs. Die größeren Weibchen werden bis zu einem halben Meter groß, wiegen bis zu 1,3 Kilogramm und erreichen eine Spannweite von bis zu 1,2 Meter. Typisch sind der breite schwarze Backenstreif und die spitzen Flügel. An der Oberseite ist der Wanderfalke schiefer- bis blaugrau, während die Unterseite hell gefärbt ist mit dunklen Querbändern auf Brust und Bauch.

Wanderfalken gelten als die schnellsten Vögel der Welt. Auf der Jagd erreichen die Tiere im Sturzflug Geschwindigkeiten von weit über 200 Kilometern pro Stunde. Ihre Beute besteht fast ausschließlich aus anderen Vögeln. Dabei schlägt der Wanderfalke auch Beutetiere, die genauso schwer sind wir er selbst. Meist stürzt er sich in der Luft auf seine fliegende Beute.

Wichtig für Wanderfalken sind Brutmöglichkeiten an Felswänden – oder heutzutage auch oft an Gebäuden wie Kirchtürmen. Verbreitungsschwerpunkte sind Schwarzwald und Schwäbische Alb sowie am Neckar, im Raum Mannheim-Karlsruhe und in Hohenlohe.

Hinweise zum besseren Verständnis der Wanderfalken können die Ringe bieten, mit denen Wanderfalken ausgestattet werden. Durch den Ring ist jeder Vogel eindeutig identifizierbar, so dass Experten das Leben und die Gefahren für die Vögel nachzuvollziehen können.

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