Orientalische Erzählkunst zog in ihren Bann

Salim Alafenisch las in der JVA Adelsheim und bei der vhs Limbach. (Foto: Brauch-Dylla)

Adelsheim/Limbach. (bd) „Die Lesung war sehr schön und stimmungsvoll. Die Veranstaltung passte genau in die Jahreszeit!“ lauteten durchgängig die Kommentare der Besucher, die am selben Tag, aber an ganz unterschiedlichen Orten, dem Schriftsteller und Erzähler Salim Alafenisch gelauscht hatten.

Geheimnisvolles aus der Welt der Beduinen berichtete der Autor zunächst hinter den Mauern der Adelsheimer Jugendstrafanstalt. Dort hatten Werkdienstleiter Harald Fritz und sein Team ein stimmungsvolle Ambiente geschaffen und den Gast mit einer Dekoration aus „Tausend und einer Nacht“ überrascht. Davor lauschten 40 junge Männer konzentriert seiner Lebensgeschichte und seiner bildhaften Beschreibung der Lebensweise im Orient.

Alafenisch war 1948 als Sohn eines Beduinenscheichs in der Negev-Wüste zur Welt gekommen. Aufgewachsen in einem Zelt aus Ziegenhaar hütete er als Kind die Kamele seines Vaters. Erst mit 14 Jahren lernte er lesen und schreiben. Nach dem Gymnasium in Nazareth studierte er u.a. in Heidelberg, wo er heute als freier Schriftsteller mit seiner Familie lebt.

Im Zelt des Scheichs, „so wie hier ein Bürgermeister“ trafen alle Gäste des Stammes ein und wurden nach den Regeln der Gastfreundschaft umsorgt. Diese gewährt 3 Tage lang nahezu uneingeschränkte Rechte und Sicherheit, doch sind dem Gast auch Bescheidenheit und Unterstützung als Pflichten auferlegt. Beispielsweise gelte unmässiger Konsumvon Kaffee als unhöflich, nach der dritten Tasse solle der Gast im Hinblick auf möglicherweise weitere eintreffende Gäste verzichten. Auch nach dem dritten Tag bleibe der Gast willkommen, doch träfen ihn ab dann alle Alltagsverpflichtungen des Stammes.

Die ihm von der JVA gewährte Gastfreundschaft, die höfliche Aufmerksamkeit „und die klugen Fragen“ der Teilnehmer gefielen Alafenisch sichtlich, er wolle den vom Verein Jugendhilfe Mosbach e.V. ermöglichten Vortrag gerne wiederholen, lies er die Verantwortlichen wissen.

Im Limbacher Gemeindehaus Maria Frieden erwartete ihn dann ein überwiegend weibliches Publikum. Die Limbacher VHS-Außenstelle und die katholische öffentlichen Bücherei (KÖB) lhatten zu einem Orientalischen Erzähl- und Geschichtenabend eingeladen, den auch Bürgermeister Bruno Stipp miterleben wollte. Die Organisatorinnen der KÖB taten das ihre zum Gelingen des Abends, denn nicht nur die Dekoration stimmte, sondern selbstgefertigtes orientalisches Gebäck, verschieden Tees etc. liesen die Gäste mit allen Sinnen in die Welt des Orients eintauchen.

Alafenisch stellte seine bisher acht Bücher skizzierend vor und stellte dann sein jüngstes Werk “Die Feuerprobe” in den Mittelpunkt. Darin schildert er eine Geschichte, die wie ein Zauber klingt, aber wahr ist. Als Kind hat er sie selbst erlebt. Alafenischs Stamm in der Negev-Wüste wurde von einer Nachbarsippe der Mitwisserschaft an einem Mord verdächtigt. Nachdem alle Vermittlungsbemühungen scheiterten willigte sein Vater, der Scheich des Stammes, in die radikalste Wahrheitsprobe ein, die das uralte Recht der Beduinen kennt: die Feuerprobe. Sein Bruder hatte sie zu bestehen.

Auch wenn er das Ergebnis nicht verriet, schließlich lebt ein Autor vom Verkauf seiner Bücher, gab er einen Hinweis: in etwa 85 % der Fälle endet sie positiv für den Teilnehmer. Und wie während seines gesamten Auftritts schlug der Erzähler den Bogen in andere Kulturen; so kenne man in Europa das Ritual in der Gestalt, über glühende Schwerter oder auch glühende Kohlen zu gehen.

Wohl werden Alafenischs Bücher auf dem einen oder anderen Limbacher Gabentisch landen, mehr als 30 Werke gingen über den von vhs-Außenstellenleiter Klaus Brauch-Dylla betreuten Büchertisch.

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