Künstlerpaar feiert Goldene Hochzeit

Seckach künstlerisch „aufgemöbelt“

Seckach. (lm) In die Kategorien ,,künstlerisch, gesellschaftlich, sozial und pädagogisch“ unterteilte kürzlich Bürgermeister Thomas Ludwig die Spuren, die die Wagners im Laufe ihres über 23-jährigen Wirkens in Seckach und im Umland hinterlassen haben.

Am heutigen Dienstag nun feiern Marianne und Paul Wagner, die inzwischen auf ihren ,,Alterssitz“ nach Breuberg in die Nähe ihrer Tochter umgesiedelt sind, das Fest der Goldenen Hochzeit im Kreise ihrer Familie und den sicherlich zahlreichen Freunden.

50 Jahre gemeinsamer Lebensweg resümiert sich bei den Wagners nicht nur über das ,,Geschaffene“, sondern und vor allem, durch die enge und engagierte Einbindung in die heimische Gemeinschaft und die dadurch erworbene und nachhaltig gefestigte Achtung und Anerkennung.

Geboren wurde Paul Wagner am 04. Oktober 1934 in Berlin-Kreuzberg und bereits mit 11 Jahren entdeckte er seine Liebe zur Gestaltung mit Mauerfragmenten, die er als riesige Wandgemälde auf Trümmerreste im damals zerbombten Berlin zeichnete. Nach dem Besuch der Mittelschule begann er mit 18 Jahren eine Lehre zum Industriekaufmann und seine Freizeit widmete er der Musik. Mit seinem Saxophon und seiner Klarinette stürzte er sich in die Berliner Jazz-Szene und spielte in Jugend- und Kulturzentren. Seine Treue zum Jazz besteht heute noch denn Paul Wagner ist Mitglied der siebenköpfigen Art-House-Band, die seit 1987 als Dixie-Ensemble auftritt und sich kaum gegen die steigenden Termine wehren kann. Elf Jahre nachdem er sich zum Programmierer hatte ausbilden lassen und in diesem Beruf auch in Darmstadt gearbeitet hatte, wagte er den Schritt in die Selbständigkeit als freischaffender Künstler. In den Folgejahren verdiente er seinen Lebensunterhalt durch Bildhauerkurse, die er in verschiedenen Orten über die Volkshochschule anbot.

Als später mehrfach ausgezeichnete Künstlerin wurde Marianne Wagner am 25. Dezember 1938 in Berlin geboren, lebte und arbeitete längere Zeit in Darmstadt, ehe sie zusammen mit ihrem Ehemann Paul nach Seckach übersiedelte. Ihre ganze Liebe galt dem plastischen Gestalten mit den Werkstoffen Ton, Sandstein, Speckstein, Bronze und Holz. Nach dem Abitur und einer Ausbildung bei der Bildhauerin Annemarie Haage in Berlin, absolvierte sie in der Zeit von 1968 bis 1970 eine weitere Ausbildung und erhielt 1971 den Preis für Gartenplastik der Bundesgartenschau in Köln. Von 1974 bis 1977 arbeitete sie als Dozentin für plastisches Gestalten in Dieburg und in diese Zeit fiel auch ihre Mitgliedschaft im Bund für freie und angewandte Kunst in Darmstadt. Ein Jahr später wurde Marianne Wagner zur Dozentin an der freien Kunstakademie in Auerbach an der Bergstraße ernannt, mit der Stilrichtung plastisches Gestalten mit Ton und Sandstein. Seit 1978 galt sie als anerkannte und gefragte Dozentin für plastisches Gestalten in den Kunstakademien Auerbach/Bergstraße, Laboe, Bostalsee und im eigenen Atelier ,,Lichtung“ in Seckach.

Bis Paul Wagner nach Seckach kam, stellte er seine eigenen Kunstwerke bei verschiedenen Ausstellungen in ganz Süddeutschland aus. Damit hörte er aber auf, als er die Initialzündung für den Seckacher Skulpturenpark gab. Was ganz klein begann, berichtet er stolz, ist heute durch die Unterstützung der Gemeinde ein weithin bekannter Skulpturenpark mit hoher Besucherfrequenz.

Das künstlerische „Aufmöbeln“ der Gemeinde begann am 21. November 1987 mit der offiziellen Eröffnung des in dreijähriger Eigenarbeit entstandenen Ateliers ,,Lichtung“ und der damit verbundenen Ausstellung mit Kleinplastiken von Marianne Wagner. Die Palette reicht von der Bronzeskulptur ,,Balance“ vor der Grundschule Großeicholzheim, über das Gemeinschaftswerk des Drachen ,,Mabkapau“ vor dem Kindergarten Großeicholzheim, die Holzfossile in der Seckachtalhalle und die Gedenktafel an der Klingebrücke bis hin zur ,,Familienaufstellung“ vor dem Seckacher Rathaus. Besonders ortsbildprägend sei aber auch die aus dem Jahre 1991 stammende ,,Dickmamsell“, oder auch ,,Altlasten-Trägerin“, beim Dienstleistungszentrum.

Der schon längst zu einem geflügelten Wort gewordene Slogan ,,In Seckach keimt die Kunst“ ist oberhalb des Bahnhofes an der Heinrich-Magnani-Straße in Stein gehauen zu sehen und darüber hinaus grüßen viele Dachreiter von Privathäusern herab. Als weitere Meilensteine der sichtbaren Spuren gelten u.a. die Schaffung von Kunstwerken im überregionalen Bereich wie z.B. in der Partnergemeinde Reichenbach, das wöchentliche gemeinsame Liedersingen im Seniorenzentrum in Limbach, die musikalischen Aktivitäten im Kinder- und Jugenddorf Klinge mit der Schaffung des ,,Klinge-Song“, die zahlreichen Events mit Schülerinnen und Schülern der Seckacher Schule sowie das gemeinsame Weihnachtsliedersingen auf dem Seckacher Weihnachtsmarkt und vieles mehr.

Den sicherlich zahlreichen Glückwünschen zur Goldenen Hochzeit schließen wir uns gerne an.

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