Jugendhilfeausschuss tagte in Sulzbach

Sulzbach. Eingeladen zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses in Sulzbach hatte Landrat Dr. Achim Brötel, die Sitzungsleitung oblag aber aufgrund von Terminüberschneidungen ausnahmsweise seinem Stellvertreter, dem Ersten Landesbeamten Martin Wuttke. Nach dem kurzen Grußwort vom Hausherr, Billigheims Bürgermeister Reinhold Berberich, bei dem er insbesondere auf die Kinder- und Jugendeinrichtungen Billigheims und seiner Ortsteile sowie entsprechende Förderungen einging, rief Wuttke den ersten Tagesordnungspunkt auf: „Keiner fällt durchs Netz“, ein seit Frühjahr 2011 laufendes Projekt, bei dem Mütter und ihre Babies im ersten Lebensjahr auf freiwilliger Basis betreut werden, um so der „Entwicklung von jugendhilferelevanten Problemlagen“ vorzubeugen.

Angelika Bronner-Blatz ist als Hauptverantwortliche „die gute Seele des Projekts“. In einem Sachstandsbericht erläuterte sie die drei Hauptkomponenten, mit deren Hilfe versucht wird, die elterlichen Erziehungskompetenzen im Umgang mit ihren Kleinkindern zu stärken: Elternkurse („Das Baby verstehen“), ein Netzwerk für Eltern mit zahlreichen Kooperationspartnern und die aufsuchende Arbeit von sechs Familienhebammen und zwei Familiengesundheits- und Kinderpflegerinnen. Anhand von Schaubildern und Statistiken wurde deutlich, dass das Projekt sehr gut angenommen wird. Tatsächlich können mit aktuell 41 Familien  überdurchschnittlich viele Familien im Kreis mit problematischen Grundstellungen – immer im Vergleich zu statistischen Kennzahlen – erreicht und wirksam unterstützt werden. Wichtig, so Angelika Bronner-Blatz, sei jetzt die Anbindung der Familien an Hilfsangebote auch über das erste Lebensjahr des Kindes hinaus: „Sogenannte „Familienpaten“ werden hier künftig wichtige Aufgaben ehrenamtlich übernehmen.“ Martin Wuttke stimmte mit ihr überein, dass „Keiner fällt durchs Netz“ wesentliche Kriterien des neuen Bundeskinderschutzgesetzes schon vorweg erfüllt und nach Ablauf der Projektphase in eine Regelleistung des Kreises überführt werden sollte. „Jedes einzelne Kind, das dadurch von einer späteren Jugendhilfemaßnahme ferngehalten wird, ist den Aufwand wert“, konstatierte im Anschluss auch das Ausschussmitglied Jens Wittmann.




Dem gerade erwähnten neuen Bundeskinderschutzgesetz, seit 1. Januar 2012 in Kraft mit dem Ziel, den Kinderschutz in Deutschland wesentlich zu verbessern, war der nächste Tagesordnungspunkt gewidmet. Das Gesetz begründet viele neue Pflichten und Aufgaben für die Träger der Jugendhilfe. Aufgrund einer ganzen Reihe offener Fragen war die Umsetzung bisher bundesweit schwierig. Im Neckar-Odenwald-Kreis wird derzeit ein Konzept erarbeitet. Das beinhaltet unter anderem den Aufbau einer „Beratungsstelle für Kinderschutz“ (BfK) als zentrale Anlaufstelle, das das Thema Kinderschutz repräsentiert und mit der öffentlichen Jugendhilfe kooperiert. Ein reales „Gesicht“ hat diese Beratungsstelle bereits in Gestalt von Pascal Picavet, der bisher im Allgemeinen Sozialen Dienst beschäftigt war, entsprechende Zusatzausbildungen absolviert hat und ab 1. Dezember die Beratungsstelle leiten wird. Pascal Picavet war in der Sitzung anwesend und stellte sich kurz vor.

Die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hatte Ende August 2012 einen Antrag zum Thema „Jugend – Perspektiven im Neckar-Odenwald-Kreis“ gestellt, in dem sie Bezug nahmen auf eine breit angelegte Umfrage (vom Förderprogramm LEADER unterstützte Studie) unter Jugendlichen im Landkreis Tuttlingen, bei der es um Perspektiven der jungen Leute und deren „Bleibebereitschaft“ ging. Dorothee Roos, Kreisrätin der Grünen, hatte als Nichtmitglied des Ausschusses um Rederecht gebeten und erläuterte den Hintergrund der Anfrage: „Neben unserer Sorge um die „Problemkids“ müssen wir uns um alle  jungen Leute und deren Bedürfnisse kümmern. Für sie müssen wir Perspektiven erarbeiten, um dem Wegzug entgegen zu wirken und sie vermehrt im Kreis zu halten. Das ist, auch im Zusammenhang mit dem Demographischen Wandel, eine Pflichtaufgabe.“ Christine Günther vom Jugendhaus Mosbach pflichtete ihr aus eigener Erfahrung bei: „ Es wird viel getan für die immer älter werdende Bevölkerung. Aber auch die Jungen haben Bedürfnisse. Bezahlbarer Wohnraum für junge Leute mit wenig Geld ist zum Beispiel absolute Mangelware.“


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Die Verwaltung hatte im Vorfeld zur Beantwortung der Anfrage eine umfangreiche Liste mit entsprechenden Maßnahmen der Jugendhilfe in den letzten Jahren erarbeitet und verwies ergänzend auf den jährlichen Sozialbericht, der Entwicklungen detailliert beschreibt. Darüber hinaus verwies Martin Wuttke das Thema an den Ausschuss Wirtschaft, Umwelt und Verkehr, weil sich ein Teil des Antrags im Wesentlichen mit einer LEADER-Studie zur Strukturentwicklung im ländlichen Raum befasst, was wiederum in die Zuständigkeit dieses Ausschusses fällt. Meinrad Edinger vom Caritasverband des Kreises merkte abschließend an, dass man sich darum kümmern müsse, wie man junge Leute nach ihrer Ausbildung oder ihrem Studium – „nachdem sie erlebt haben, was sie erleben wollen oder vielleicht auch müssen“ – wieder zurück in den Kreis holen könnte: „Darauf sollten wir unseren Fokus legen.“

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