„Schlag ins Gesicht der Vereine“

AchimBroetelWill die Landesregierung die Vereinsregister für den gesamten nordbadischen Raum in Mannheim konzentrieren?

Landrat Dr. Achim Brötel schreibt an Justizminister Stickelberger. (Foto: LRA)

Neckar-Odenwald-Kreis. Jeder, der im Vorstand eines Vereins tätig ist, weiß die kurzen Wege zum Vereinsregister zu schätzen. Gerade wenn es um Satzungsfragen oder andere Auskünfte geht, aber auch etwa bei der Meldung von Vorstandsänderungen sind die Vereinsregister erste Anlaufstelle. Derzeit gibt es solche Einrichtungen bei allen Amtsgerichten im Land, im Neckar-Odenwald-Kreis also in Mosbach, Buchen und Adelsheim.

Möglicherweise wird das aber schon bald Vergangenheit sein. Angeblich will die Landesregierung die Vereinsregister nämlich ab dem 1. Januar 2014 zentralisieren. Für den gesamten nordbadischen Raum soll dann nur noch das Amtsgericht Mannheim zuständig sein. Für Landrat Dr. Achim Brötel wäre das allerdings eine Vorstellung, die ihn ein weiteres Mal auf die Palme bringt. Er hat sich deshalb umgehend, nachdem er eher zufällig von den Plänen erfahren hat, an Justizminister Rainer Stickelberger gewandt und um weitere Informationen gebeten. Da aus Justizkreisen zu hören sei, dass die Zentralisierung intern schon quasi als beschlossen verkündet worden sein soll, stelle sich vor allem auch die Frage, warum man ein solches Verfahren so heimlich, still und leise betreibe.




Gerade im Ländlichen Raum, so Dr. Brötel, hätten die Vereinsregister eine ganz erhebliche Bedeutung. Wenn irgendwo das Ehrenamt einen hohen Stellenwert habe, dann hier bei uns. Angeblich solle es landesweit dabei um ein rechnerisches Einsparpotenzial von gerade einmal fünf Stellen gehen. Dafür die Bürgerfreundlichkeit beim Vereinsregister zu opfern, sei für sämtliche Betroffenen in den vielen Vereine im Neckar-Odenwald-Kreis aber geradezu ein Schlag ins Gesicht.

Der Landrat macht in seinem Schreiben an Justizminister Stickelberger aber auch keinen Hehl aus seiner Sorge, dass gerade die kleinen Amtsgerichte im Ländlichen Raum durch diese Maßnahme ein weiteres Mal substanziell geschwächt würden und erinnert in diesem Zusammenhang etwa an die bereits von der Vorgängerregierung veranlasste Konzentration bei den anderen Registerzuständigkeiten. Letztlich befürchte er weiterhin, eventuell auch befördert durch die neue Diskussion um Sicherheitsaspekte beim Zugang zu den Gerichtsgebäuden, mittelfristig ganz klar eine Justizreform zu Lasten der kleinen Gerichte.

Wenn man schon eine Konzentration beim Vereinsregister für unumgänglich halten wolle, so Dr. Brötel weiter, wäre das übrigens aber ein schönes Beispiel, um endlich einmal den Ländlichen Raum zu stärken und ihn nicht permanent weiter zu schwächen. Wenn irgendwo das Ehrenamt zuhause sei, dann sei es nämlich ganz bestimmt hier und nicht etwa in den Oberzentren.

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1 Kommentar

  1. die regierung wird kritisiert, wenn sie weniger für straßen ausgibt, wenn sie weniger für polizei ausgibt, weniger für die buga, für bildung, hier für verwaltung usw. usf.

    gleichzeitig wird sie zurecht dafür kritisiert, daß bw immer noch zu viele neue schulden macht in den nächsten jahren.

    fazit: noch mehr sparen ist nötig und bitte einfach die nörgler wie den landrat ignorieren, die sehen nicht das ganze, sondern nur ihre belange.

    und hierzu:
    „Angeblich solle es landesweit dabei um ein rechnerisches Einsparpotenzial von gerade einmal fünf Stellen gehen.“ viele kleine einsparungen ergeben auch ein großes ganzes. es gibt nicht so viele große posten, so daß sparen dort ausreichen würde, man muß auch an vielen kleinen schrauben drehen, um raus aus den schulden zu kommen. langfristig ist sowas wie ein vereinsregister sowieso online.

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