Windpark Markgrafenwald präsentiert

Waldbrunn. Landauf, landab diskutiert man derzeit im Ländle den Ausbau der Windenergie. Nach der Kernschmelze in Fukushima und den Regierungswechsel in Baden-Württemberg hat sich die grün-rote Landesregierung den Ausbau dieser Erneuerbaren Energie auf die Fahnen geschrieben und entsprechend das Landesplanungsgesetz geändert, sodass der Bau eines Windkraftanlage enorm erleichtert wird. Bis 2020 sollen demnach mindestens 10 Prozent des Stroms durch solche Anlagen in Baden-Württemberg produziert werden.

Nachdem durch unsere Berichterstattung im Juli 2012 Pläne bekannt wurden, dass im Markgrafenwald bei Mülben mit 14 Anlagen einer der größten Windparks in Baden-Württemberg entstehen könnte (KP berichtete), erreichte die Diskussion bzw. die Kontroverse auch die Winterhauchgemeinde.

„Besorgte Bürger“ aus dem Höllgrund, die gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Infraschall befürchten, sowie eine „Arbeitsgruppe Windkraft Waldbrunn“ formierten sich, um Alternativen zu den aktuellen Planungen aufzuzeigen.

Eine teilweise sehr hitzig geführte Infoveranstaltung im Höllgrund, bei der im Oktober 2012 neben Bürgermeister Klaus Schölch und Ingenieur Jürgen Glaser, der für die Ausweisung von Konzentrationszonen und neuen Flächennutzungsplänen verantwortlich zeichnet, sorgte insofern für eine gewisse Versachlichung, dass der Abstand der Windkraftanlagen statt der gesetzlich zulässigen 700 Metern auf 1.000 Meter vergrößert wurde. Auch die Frage, warum Waldbrunn die Lasten für die Neckartalgemeinden tragen müsse, wurde mit dem Hinweis auf das St.-Florians-Prinzip entkräftet.

Nachdem die Weihnachtszeit und die Bürgermeisterwahl das Thema Windkraft etwas in den Hintergrund gedrängt hatten, fand nun am Donnerstag in der Winterhauch-Halle in Strümpfelbrunn eine Bürgerversammlung statt, zu der neben Bürgermeister Klaus Schölch, auch Jürgen Glaser im Büro ifk, der den Flächennutzungsplan verantwortet, Walter Simon vom Büro für Umweltplanung, Fachbereichsleiter Axel Krahl vom Landratsamt des  Neckar-Odenwald-Kreises, Manfred Hopfauf und Axel Finger von der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) und Timo Basteck vom Planungsunternehmen Fichtner, der im Auftrag der „Windpark Markgrafenwald GbR“, die von Berthold Prinz von Baden und Dr. Leopold Prinz von Baden gebildet wird. Allerdings machten wenig Waldbrunner von der Möglichkeit Gebrauch, sich aus erste Hand zu informieren, waren die Sitzplätze doch nur gut zur Hälfte gefüllt.


 


Zunächst stellte Bürgermeister Klaus Schölch die anwesenden Experten vor  und gab einen kurzen Abriss zur aktuellen Situation und zur Entwicklung. Einmal mehr kritisierte er die Änderung des Landesplanungsgesetzes und den Windkrafterlass, der die Gefahr in sich berge, dass überall Windkraftanlagen errichtet würden und somit eine „Verspargelung“ der Landschaft die Folge sei. Man sei zwar grundsätzlich für diese nachhaltige Form der Energiegewinnung, fühle sich aber von der Landesregierung alleine gelassen. Erstmals wurde das Thema „Windkraft“ im Jahr 1995 in Waldbrunn diskutiert, als ein Vorhaben an der Lindacher Straße letztlich nicht realisiert wurde, so Schölch zur Entwicklung. Durch den Staatsvertrag in der Metropolregion Rhein-Neckar habe man glücklicherweise etwas Luft, was die Ausweisung von Vorranggebieten bzw. Konzentrationszonen betrifft, so das Gemeindeoberhaupt abschließend.

Auch Ingenieur Jürgen Glaser hob hervor, dass es vonseiten der Gemeinde keinerlei Zeitdruck gebe, da die Gremien der Metropolregion die Frist für einen Regionalplan zur Windkraftnutzung verlängert habe. Anschließend stellte Glaser den Windatlas vor, der für Waldbrunn mehrere sogenannte windhöffige (windreiche) Flächen ausweise. Bei Abwägung aller Argumente habe sich in zahlreichen Gesprächen der Markgrafenwald als sinnvollster Standort ergeben. Dort soll nun im weiteren Verfahren in Kooperation mit dem Gemeindeverwaltungsverband Binau-Neckargerach-Waldbrunn-Zwingenberg eine 180 Hektar große Fläche als Windkraft-Konzentrationszone in einem Flächennutzungsplan ausgewiesen werden.

Vonseiten der MRN erläuterte Manfred Hopfauf, dass man die regionalen Planungsüberlegungen zur Steuerung der Windkraft (Regionalplan) im Gleichklang mit den Flächennutzungsplanungen der Gemeinden rückkoppeln will. Für Einzelanlagen wie im Markgrafenwald könne man jedoch sogenannten Zielabweichungsverfahren durchführen, durch die unabhängig von den Flächennutzungsplanungen Windparks realisiert werden können (NZ berichtete).

Fachbereichsleiter Axel Krahl vom Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis betonte, dass der Gemeinderat unabhängig von Zielabweichungsverfahren jederzeit Herr des Verfahrens bleibe. Daher solle man sich Zeit nehmen, um nach gründlicher Abwägung aller Argumente zu handeln.

So könnte es Ende 2014 im Markgrafenwald aussehen. Die Visualisierung des Büros für Umweltplanung zeigte im November noch 14 Anlagen. Laut aktuellen Planungen sollen 13 Windräder gebaut werden. (Grafik: Simon)

Anschließend stellte Timo Basteck den konkret geplanten „Windpark Markgrafenwald“ vor. Derzeit gehe man von 13 Anlagen aus, von denen zwei auf Eberbacher Gemarkung errichtet werden sollen. Durch den Einsatz spezieller Turbinen, die auf windschwache Standorte ausgelegt sind, könne man am Standort bei Mülben grünen Strom für 18.500 Vierpersonenhaushalte erzeugen und 50.000 Tonnen CO2  einsparen. Die Nabenhöhe liegt laut Basteck bei 140-150 Meter, die Gesamthöhe jeder WKA bei bis zu 210 Meter. Durch diese Dimensionen so der Planer, könne man Strommengen produzieren, die bisher nur in Küstenregionen möglich waren. Durch das Windparklayout und die entsprechende Konfiguration könne man alle lärmschutzrechtlichen Grenzwerte einhalten. Der vielfach diskutierte Infraschall entstehe zwar auch, gab Basteck zu, liege aber deutlich unter der menschlichen Wahrnehmungsgrenze. Im Zusammenhang mit möglichen Schattenwurf erläuterte der Planer den Einsatz sogenannter Schattenmodule, deren Einsatz eine Abschaltautomatik beinhalte, weshalb es keinen Schattenwurf geben werde. In Kooperation mit dem Büro für Umweltplanung von Walter Simon erstelle man derzeit diverse notwendige Gutachten, anhand derer man die Umweltverträglichkeit nachweisen könne. Darüber hinaus zahle man vonseiten der Investoren einen sechsstelligen Betrag für notwendige Ausgleichsmaßennahmen. Was die Wertschöpfung betrifft, werden 70 Prozent der Gewerbesteuer in der Standortgemeinde, also in Waldbrunn entrichtet. Darüber hinaus werden regionale Firmen und Banken mit der Realisierung der Windparks befasst. Nach Fertigstellung entstünden ein bis zwei Arbeitsplätze, so Timo Basteck. Auch die gewünschte Beteiligung an einem Bürgerwindrad sei möglich, so der Planer abschließend.

Walter Simon stellte am Ende seine bisherigen Erkenntnisse aus artenschutzrechtlicher Sicht vor. Demnach finden sich weder schützenswerte Vogel-, noch Fledermausarten in bedenklicher Nähe zum geplanten Windpark. Was die Flächenversiegelung angehe, müsse man mit 6000 Quadratmeter kalkulieren, so Simon. Da auch das Landschaftsbild enorme Veränderungen erfahre, müsse der Investor ca. 150.000 Euro für Ausgleichsmaßnahmen aufbringen, ließ Walter Simon die Zuhörer wissen. Anhand verschiedener Visualisierungen konnte sich jeder einen ersten Eindruck vom geplanten Windpark machen.

Bevor die Experten für Fragen zur Verfügung standen, erläuterte Susanne Wirtz die Arbeit der Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) Neckar-Odenwald, die sich dem Ausbau der regenerativen Energien in der Region unterer Neckar, Odenwald und Bauland  verschrieben hat.

Im Rahmen der Bürgerfragen kamen einmal mehr Befürchtungen zur Sprache, dass der Windpark zu laut sein könnte. Außerdem wurde Kritik an den wenig aussagekräftigen Visualisierungen des Büros Simon laut. Viele Fragestellen sahen sich daher mit Bürgermeister Klaus Schölch einig, der eine nochmalige Reduzierung der Anlagenstandorte anregte.

Mit dem Hinweis, dass weitere Fragen vom Gemeinderat entschieden werden müssen, beendete Bürgermeister Schölch die Bürgerversammlung.

Buergerversammlung Wind

Unser Bild zeigt von links: Bürgermeister Klaus Schölch, Jürgen Glaser (ifk Mosbach), Walter Simon (Büro für Umweltplanung), Axel Krahl (Fachbereichsleiter LRA), Manfred Hopfauf (MRN), Axel Finger (MRN) und Timo Basteck (Projektplaner Fichtner). (Foto: Hofherr)

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: