„Verschlechterte medizinische Versorgung“

Offener Brief an die Fraktionsvorsitzenden im Kreistag des Neckar-Odenwald-Kreise

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mit Unterstützung des MEDI -Verbundes Neckar-Odenwald-Kreis bemühen wir Ärzte uns seit  vielen Jahren um das Fortbestehen einer guten medizinischen Versorgung im fach- und hausärztlichen Bereich auch in enger Zusammenarbeit mit den Neckar-Odenwald-Kliniken in unserem Landkreis. Mit Sorge möchte ich mich heute an Sie wenden. Wir MEDI – Ärzte  sehen den kommenden Ärztemangel schon seit langer Zeit, ebenso wie die Probleme der Kliniken im Neckar-Odenwaldkreis. Wir haben uns seit vielen Jahren bemüht, Vorschläge zu strukturellen Veränderungen zu machen, die eine langfristige gute medizinische Versorgung der Bevölkerung insbesondere auch in Kooperation mit den Kliniken ermöglichen sollen.

In der Zwischenzeit wurde zwar eine Gesundheitskonferenz eingerichtet und eine Zweite soll demnächst entstehen, aber trotz aller Gespräche und guten Vorsätze scheinen seit Jahren die Taten auszubleiben.

Ganz im Gegenteil wird die medizinische Versorgung im Kreis verschlechtert. Zum Beispiel wird die  sehr gut arbeitende urologische Belegabteilung am Krankenhaus Buchen seit mehreren Jahren durch fehlende Unterstützung in der Ausstattung mit zum Standard gehörenden Apparaten, als auch durch häufig mangelnde  Kooperation z.B.  in der Bereitstellung von OP-Zeiten in ihrer Arbeit behindert, dass  die Beendigung der belegärztlichen Tätigkeit der Urologen droht. Dies würde unserer Meinung nach einen schweren Verlust in der medizinischen Grundversorgung der Bevölkerung im Kreis zur Folge haben. In diesem Zusammenhang muss auch das Ärztehaus am Krankenhaus Buchen erwähnt werden. Um dieses – ohne vorherige Kommunikation mit den Niedergelassenen- mit Ärzten zu belegen, wurde zum Beispiel  von den Kliniken  eine Gynäkologenpraxis aus Buchen aufgekauft, wobei bis heute nicht bekannt ist, woher die finanziellen Mittel für diesen Kauf genommen wurden.




Auch wird seit Jahren zum Beispiel von der orthopädisch/unfallchirurgischen Abteilung der Neckar-Odenwald-Kliniken von den Patienten grundsätzlich eine Facharztüberweisung verlangt, obwohl es rechtlich für jeden niedergelassenen Arzt möglich ist, seine Patienten zur einmaligen konsiliarischen Beratung dorthin zu überweisen. Wir niedergelassene Ärzte arbeiten als Vertragsärzte der Krankenkassen natürlich im Sinne des Patienten immer mit der Prämisse ambulanter  vor stationärer Therapie und in enger Kooperation  zwischen Haus- und Fachärzten. So sind  viele Patienten bereits fachärztlich ausführlich untersucht und es bedarf  nur noch der stationären operativen Versorgung. Dann stellt die umständliche Überweisung für eine zweite Überweisung für den Patienten einen entbehrlichen Umweg dar, was vor allem der Patient nicht mehr verstehen kann.

Dies sind keine innerärztlichen Probleme, denn die Kooperation und Kommunikation zwischen uns Niedergelassenen und den Ärzten der Neckar-Odenwald-Kliniken funktioniert sehr gut auch auf kurzem telefonischem Wege. Unserer Meinung nach  liegen die Ursachen hierfür in der betrieblichen Führung und Verwaltung der Kliniken. Wenn ich mich nun informiere, wer die  Sanierung der leider in finanzielle Schieflage gekommenen Neckar-Odenwald-Kliniken übernommen hat, handelt es sich um die Economedic AG.  Nach meiner Recherche ist diese Gesellschaft insbesondere dafür angetreten Klinken so zu sanieren, dass sie vor allem profitabel arbeiten, was ja nicht schlecht ist. Wir befürchten aber, dass  darunter die qualitative medizinische Versorgung der Bevölkerung leiden kann und die Interessen der niedergelassenen Ärzte, der angestellten Klinikärzte und des Klinikpflegepersonals nicht mehr ausreichend berücksichtigt werden. So wird dem drohenden Ärztemangel auf  dem Land und in unserem Kreis nicht zu begegnen sein. Außerdem wurde von offizieller Seite immer wieder beschworen, dass die Kliniken in der Hand des Landkreises bleiben sollen.

Mit dieser rein profitorientierten Sanierung scheint mir, wie es an anderen Kliniken nach Übernahme der Geschäftsleitung durch die Economedic bereits erfolgt ist, eher ein späterer Verkauf an einen privaten Betreiber beabsichtigt zu sein.

Wir MEDI – Ärzte möchten gerne mit Ihnen ins Gespräch kommen und mit Ihnen gemeinsam schnell Lösungen finden, diese dann auch umgehend in die Tat umsetzen und nicht nur darüber reden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Christoph Kaltenmaier

Sprecher der MEDI-NOK-GbR

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