„Schulsozialarbeit wird dringender denn je gebraucht“

Ausschuss für Gesundheit und Soziales erhielt eindrucksvolle Einblicke in die Schulsozialarbeit im Kreisgebiet – Sitzung in Mosbach

Mosbach. (lra) War die Schulsozialarbeit noch vor zehn Jahren nur an vereinzelten Schulen zu finden, ist sie heute aus dem Schulalltag im Neckar-Odenwald-Kreis nicht mehr wegzudenken. Ermöglicht wurde dies durch den von kommunaler Seite immer wieder geforderten Wiedereinstieg des Landes in die finanzielle Förderung der Schulsozialarbeit, der auch den Impuls für das anknüpfende Förderprogramm des Landkreises im Jahr 2012 gab. Um Einblicke in die tägliche Arbeit der Schulsozialarbeiter aus erster Hand zu geben, wurde dem zuständigen Kreistagsausschuss für Gesundheit und Soziales am vergangenen Mittwoch im Mosbacher Rathaus ein Praxisbericht vorgelegt.

Landrat Dr. Achim Brötel unterstrich eingangs die außerordentlich erfreuliche Entwicklung der Schulsozialarbeit. Er begrüßte explizit die im Dezember vergangenen Jahres getroffene Entscheidung des Kreistags, die landkreiseigene Förderung bis zum Ende des Schuljahres 2017/2018 zu verlängern und damit etwa ein Drittel der Personalkosten pro Vollzeitstelle und Jahr zu tragen. Ein weiteres Drittel der Personalkosten wird jeweils vom Land und dem Schulträger geleistet. „Schulsozialarbeit ist weit mehr als nur ein zusätzliches Angebot. Sie wird angesichts vieler gesellschaftlicher Wirklichkeiten auch im Ländlichen Raum dringender denn je gebraucht“, sagte der Landrat. Aktuell gebe es, so Dr. Brötel, im Kreis rund 15 Vollzeitstellen für Schulsozialarbeit an 33 öffentlichen Schulen in 16 verschiedenen Städten und Gemeinden. 13 von 17 beteiligten Schulträgern hätten den Caritasverband für den Neckar-Odenwald-Kreis e. V. mit der Aufgabe der Schulsozialarbeit beauftragt. In vier Fällen habe der Schulträger die Schulsozialarbeiter selbst angestellt.

Über ihre Tätigkeit und Erfahrungen in der täglichen Praxis berichteten dann die Schulsozialarbeiter Kristin Bachert und Maximilian Uihlein, die beide beim Caritasverband angestellt sind. Insbesondere die Vielfältigkeit der Aufgabenbereiche, von der Einzelfallhilfe über die Förderung sozialen Lernens in den Klassen bis zur inner- und außerschulischen Vernetzung, zeigten sie in ihrem Vortrag eindrucksvoll auf. „Neben der Funktion der Krisenintervention ist es uns wichtig, die Bedeutung präventiver Arbeit zu unterstreichen“, betonte Uihlein.

Weitere Einblicke wurden mit Bildern aus dem Berufsalltag und auf Basis statistischer Auswertungen gegeben. So geben meist Konflikte in der Schule und Mobbing, aber auch Probleme im Elternhaus und Verhaltensprobleme den Ausschlag für den Erstkontakt. Dabei nutzten noch immer mehr Mädchen als Jungen das Angebot und die meisten Anfragen kämen aus den Klassenstufen 3 bis 7. „Wir begleiten inzwischen die Schüler über ihre ganze Schulzeit hinweg, so dass sie zunehmend auch im Teenageralter das Vertrauen haben, uns bei Problemen anzusprechen“, erklärte Bachert den Effekt langfristig angelegter Schulsozialarbeit.

Auf Seiten der Kreisräte war man sich durchweg einig, dass man mit der Förderung der Schulsozialarbeit auf dem richtigen Weg sei. Der Bericht habe gezeigt, so Oberbürgermeister und Kreisrat Michael Jann (CDU), dass das Geld richtig investiert werde. Kreisrätin Simone Heitz (Grüne) unterstrich den demokratiebildenden Charakter der Arbeit. Wie Heitz erfragten die Kreisrätinnen Dr. Dorothee Schlegel und Heide Lochmann (beide SPD) sowie Kreisrat Theo Häfner (CDU) weiterführende Informationen von den Referenten, unter anderem zu den oft zu hoch gesteckten Erwartungen von Lehrern und Eltern sowie zur strengen Schweigepflicht der Sozialarbeiter. Der Landrat und Vertreter aller Fraktionen dankten Bachert und Uihlein für ihren Bericht.

Zudem stimmten die Mitglieder des Ausschusses einstimmig dem Vorschlag der Verwaltung zu, den Teilhabeplan für Menschen mit einer chronischen psychischen Erkrankung und wesentlichen seelischen Behinderungen fortzuschreiben. Damit komme der Landkreis seiner gesetzlichen Verantwortung für die Versorgung von Menschen mit einer Behinderung nach, erklärte Dr. Brötel. Ebenfalls zugestimmt wurde dem Vorschlag, dass Experten des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales (KVJS) die Verwaltung bei der Planfortschreibung unterstützen.

Auch wies der Landrat darauf hin, dass der geplante Gesundheitswegweiser mit einer umfangreichen Auflistung von Ärzten und medizinischen Institutionen im Kreis kurz vor dem Abschluss stünde. Mit einer Veröffentlichung der Online- und dann auch der Druckversion des neuen Serviceangebots des Landkreises sei im Herbst zu rechnen.

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