Am GTO wird jetzt “ermittelt”

Sherlock Holmes neu und ganz anders

Osterburken. (wb) Unter großem Andrang fand die letzte von vier Aufführungen des Stücks „Neue Fälle für Sherlock Holmes” in der Aula des Ganztagsgymnasiums Osterburken statt. Das Publikum bedankte sich für die großartige Leistung mit stehendem Applaus.

Passend dazu wurden mit Franziska Fischer und Tom Schmid zwei langjährige Schauspieler verabschiedet, die seit vier bzw. fünf Jahren regelmäßig zum wachsenden Erfolg der Theateraufführungen beigetragen hatten und nun nach bestandenem Abitur die Schule verlassen. Beide Schauspieler zeichnete Schulleiter Willi Biemer für ihren Einsatz aus und überreichte den beiden Abiturienten einen Preis für langjähriges Engagement in der Theater-AG des GTO.

Die Theater-AG des GTO unter der Leitung von Florian Pechbrenner hatte zu einem detektivischen Stelldichein geladen. Doch wer glaubt den klassischen Sherlock Holmes vor sich zu haben, ist richtig schief gewickelt. Denn dieser Holmes hat nicht nur neue Fälle zu bieten. Auch sonst ist einiges ziemlich neu.

Durch eklatanten Auftragsmangel schwer deprimiert, versucht Holmes alias Phillipp Barginde (JG 1) vergeblich, seinen Geist durch den morgendlichen Genuss wochenlang gegorener Marmeladenbrote und harten Alkohols zu weiten. Diese „Spezialbehandlung” in völliger Dunkelheit, die gelegentlich durch seine hysterische Haushälterin Mrs. Hudson alias Melanie Bittner (9c) unterbrochen wird, führt ihn immer wieder nicht nur vor sich hin vegetierend auf die Couch, sondern hinterlässt sowohl bei seinen Klienten, als auch bei den Verdächtigen bleibende Eindrücke, die durch seine haarsträubenden Ermittlungsversuche fulminant untermauert werden. So wird er nicht nur bei seinem konspirativ-stümperhaften Versuch, sich als der neue Kutscher Irene Adlers auszugeben, durch selbige sofort enttarnt, der eingefleischte Frauenverachter verliebt sich sogar noch, unprofessionell wie er ist, in diese. Er folgt damit in gewisser Weise seinem alten Freund und Partner, Dr. James Watson alias Jeremias Edinger (9b), einem Arzt, aber sicher keinem Gentleman, der Holmes ungefragt zur Unzeit die unpassendsten Ratschläge gibt und der sich sehr zu dessen Missfallen verlobt hat. Zur Seite steht Holmes weiterhin die Inspektorin Lestrade alias Franziska Fischer (JG 2), die als Polizistin aus Leidenschaft unermüdlich allem auf den Grund geht, was nicht mit ihrem Fall zu tun hat und vor allem als Gefangene ihres eigenen Egos brilliert. Dringend braucht sie die Hilfe des Detektivs, aber eben nicht nur sie.

Graf von Kramm (gespielt abwechselnd von Ramon Staudt (JG2) und Tim Winkelhöfer (9b)), der unbeliebte, inkognito reisende, pleitebedrohte Möchtegernkönig von Böhmen mit Maskenfimmel und Gigoloallüren, der – den Traditionen des Adels folgend – keinen bürgerlichen Rock auslässt und sich in diesem dann heillos verfängt – fürchtet die Veröffentlichung skandalöser Fotos durch Irene Adler. Folgerichtig  beauftragt er Sherlock Holmes mit der Beschaffung der Fotos und bekommt natürlich das, was er verdient – einen Holmes in absoluter Hochform. Apropos Irene Adler alias Vanessa Zschiesche (JG 1): die Berufskriminelle, die wirklich keine Chance auslässt, Geld zu machen, kokettiert hemmungslos mit dem “Chauffeur” Holmes, wickelt ihn um den Finger und schlägt ihm zuletzt ein Schnippchen. Mit ihrem neuen Mann Geoffrey Norton alias Tom Schmid (JG 2), einem naiven Trottel, der Irene Adler allzu gerne mit einer Scheinehe behilflich ist, flieht sie vor dem Zugriff Holmes, ohne die Fotos zu veröffentlichen, was die Reputation Holmes unverdient rettet. Rechte Hand und Mündel Adlers ist Lucy alias Lisa Schmierer (10b), deren Ex-Freund ein ranghohes Mitglied der Boxmafia war und somit auch bestens ins Bild passt.

Als wäre der erste Fall nicht schon schlimm genug, folgt direkt im Anschluss ein zweiter. Als in Sussex ein Gutshofbesitzer ermordet wird, fällt der Verdacht sofort auf James McCarthy alias Benjamin Laier (9b), einem Beinahebigamisten und Sohn des Opfers, der im Laufe der Handlung selbst zum Opfer einer Bigamistin wird. Somit kann er Alice Turner alias Franka Scheffel (10b) nicht heiraten, die sich unermüdlich leidenschaftlich für ihren Freund einsetzt. Natürlich passt der Umstand, dass ihr eigener Vater alias Silas Hirning (8c) der Mörder ist, gut ins Konzept. Um nicht weiter das Opfer einer Erpressung  McCartys zu sein, nutzt dieser die Schusslichkeit von dessen Sohnes aus, um diesen in und sich selbst aus der Schusslinie zu bringen.

Auch in zahlreichen Nebenrollen begeistern Laienschauspieler mit hoher Professionalität das Publikum. Den Protagonisten gehen zahlreiche weitere Akteure theatralisch brillant zur Hand. Zu nennen sind hierbei Jaqueline Kiesel (9b) als Mary Morstan, Madlin Berg (9b) als Kutscher, Tessa Herold (8c) als Patience und Gaukler. Nina Stöffel (7b), Susanna Werner (7b), Fabienne Sauer (8d) als Gaukler und Michelle Palesch (7a) als Souffleuse und Gaukler runden das Ensemble ab.

Ein großer Dank geht auch an die zahlreichen helfenden Hände hinter der Bühne, die eine Menge Zeit in das Gelingen des Stücks investiert haben. Zu nennen sind hierbei die Souffleuse Anna-Lena Bittner (RSO), Frau Münkel und Tim Porep (5d) für das Bühnebild und den Bühnenbau,  Vanessa Zschiesche für die Requisite und Inspizienz, Tom Schmid als Herr des Fundus, der Maske und der Inspizienz und den Bühnenhelfern und Inspizienz Max Rückert und Sabine Tröger (beide 9b). Ohne diese alles wäre Sherlock Holmes nie neu erstanden. Daneben geht ein großer Dank an alle anderen weiteren Mitstreiter, wie die Hausmeister, dem Reinigungspotential und allen Spendern. Am GTO gehen viele der Sache wirklich auf den Grund – und manchmal auch darüber hinaus.

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(Foto: pm)

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