Mediathek Neckarsulm wird teuerer

Gemeinderat beschließt Stellenaufstockung, um Leistungsumfang zu erhalten 

Neckarsulm. (snp) Die Mediathek Neckarsulm erhöht die Jahresgebühr für die Ausstellung eines Leseausweises, um dem anhaltend hohen Abmangel entgegenzuwirken. Wie der Gemeinderat beschloss, steigt die Jahresgebühr zum 1. September um zwei auf 16 Euro. Die Mehreinnahmen pro Jahr betragen rund 4000 Euro. Der Gemeinderat beschloss ferner mehrheitlich eine Stellenaufstockung von 0,3 Vollzeitäquivalenten, um die Leistungen im bisherigen Umfang erhalten zu können. Die Aufstockung entspricht einem erhöhten Stellenumfang von 11,7 Stunden in der Woche.

Die Stadt gleicht den Abmangel der Mediathek jedes Jahr mit Haushaltsmitteln aus. Seit 2006 beträgt der Zuschussbedarf rund eine Million Euro pro Jahr. Mit insgesamt 43 Prozent der Gesamtausgaben bilden die Gebäudekosten und die kalkulatorischen Kosten, darunter die Abschreibungen für den 2004 bezogenen Neubau den größten Ausgabeblock, gefolgt von den Personalkosten mit 37 Prozent. Die Einnahmen der Mediathek stammen zu 42 Prozent aus der Jahresgebühr und zu 29 Prozent aus Versäumnisentgelten.

Weitere Einnahmen erzielt die Mediathek mit Vormerkgebühren, Druck- und Kopiergebühren sowie Eintrittsgeldern für Veranstaltungen. Die Jahresgebühr als wichtigste Einnahmequelle wurde zuletzt im Jahr 2012 um zwei Euro erhöht. Mit der erneuten Anpassung erhebt die Mediathek Neckarsulm eine gleich hohe Jahresgebühr wie die größte Bibliothek in der Region, die Stadtbibliothek Heilbronn. Jugendliche bis zum 19. Lebensjahr sind in Neckarsulm weiterhin von der Jahresgebühr ausgenommen.

Trotz des im Einzelvergleich der Kostenarten relativ hohen Anteils der Personalkosten an den Gesamtausgaben ist die Mediathek im landesweiten Vergleich unterdurchschnittlich mit Personal ausgestattet. Der Personalkostenanteil an den Gesamtausgaben liegt bei der Mediathek Neckarsulm 20 Prozentpunkte unter dem landesweiten Durchschnitt von 57 Prozent. Die Personalkosten pro Entleihung betragen im Landesdurchschnitt 1,39 Euro und in Neckarsulm 1,28 Euro.          

Aktuell verfügt die Mediathek über 7,85 Vollzeitstellen. Diese Personalausstattung liegt sowohl unter dem Umfang, der von der Bundesvereinigung der deutschen Bibliotheks- und Informationsverbände für eine Bibliothek dieser Größe empfohlen wird (8,88 Stellen) als auch unter dem Gesamtbedarf, den die Firma Kienbaum in der Personal- und Organisationsuntersuchung für die Mediathek ermittelt hat (8,39 Stellen). Dementsprechend ist die Arbeitsbelastung in der Mediathek 30 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. Der Personalmehrbedarf wurde bislang über geleistete Überstunden abgedeckt und wird jetzt durch die beschlossene Stellenaufstockung im Personalbestand kompensiert. Dadurch kann die Mediathek sowohl das medienpädagogische Angebot als auch die Öffnungszeiten im bisherigen Umfang beibehalten.

Einem Prüfauftrag des Gemeinderates folgend suchten Mediathek und Kulturamt gemeinsam nach weiteren Möglichkeiten, den Jahresverlust zu vermindern. Weil die Mediathek ohnehin schon seit Jahren effektiv arbeitet und effizient wirtschaftet und unter anderem dafür 2011 und 2014 als „Ausgezeichnete Bibliothek“ zertifiziert wurde, sind kaum Einsparpotenziale vorhanden. Eine Einsparung von 12.600 Euro im Jahr hätte durch die Schließung der Zweigstelle Obereisesheim erzielt werden können. Der Gemeinderat sprach sich jedoch einstimmig für den Erhalt der Zweigstelle aus.

Weitere Einsparmöglichkeiten ergeben sich durch energetische Optimierungen in den beiden Gebäudeteilen der Mediathek. So soll die Beleuchtungs- und Heizungssteuerung optimiert werden, um pro Jahr mindestens 4000 Euro an Strom- und Heizkosten zu sparen.

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