150. Geburtstag des Mundartdichters Jakob Mayer

Buchen. (pm) Den 150. Geburtstag von Jakob Mayer (05. Januar 1866 – 11. Juni 1939) nimmt die Stadt Buchen zum Anlass, zu Ehren dieses bekannten Buchener Mundartdichters eine Gedenkveranstaltung durchzuführen.

Jakob Mayer war als Sohn einer jüdischen Familie in Buchen geboren worden. Sein Vater Joseph Mayer betrieb in der Marktstraße ein Textilgeschäft für Damen – und Herrenmoden, zeitweise auch einen Postkartenverlag; das Geschäft wurde von den Kindern Helene und Jakob nach dessen Tod weitergeführt. In den 1920er und frühen 1930er Jahren war Jakob Mayer der Vordenker und Ideenlieferant der Buchener Fastnacht, die jährlich unter einem besonderen Motto gestanden hatte. Er hat zahlreiche Lieder und Gedichte zur Fastnacht geschrieben, z. B. „Kerl wach uff“ oder das „Buchemer Faschebouzelied“, aber auch das bekannte Schützenmarktlied. Von etwa 1898 bis Ende 1933 war  Mayer Mitglied der Casino-Gesellschaft, seit 1913 bis zu seinem Austritt aus dem Verein wirkte er als deren Schriftführer. Seit ihrer Gründung 1898 bis 1933 gehörte er der Buchener Sektion des Odenwald-Clubs als Kassier und Rechner, später als Schriftführer, von 1927 bis 1933 sogar als 1. Vorsitzender an. Die örtliche Auskunftsstelle des Odenwald-Clubs, eine Art Geschäftsstelle befand sich in seinem Geschäft. Am 13. Februar 1911 wurde Jakob Mayer Gründungsmitglied des Vereins Bezirksmuseum. Er übernahm für ca. zwei Jahre das Amt des 3. Vorsitzenden, ab 1913 bis ca. 1928 war er Ausschussmitglied, von 1916 bis 1925 wirkte er auch hier als Schriftführer. Daneben war er auch zeitweise Vorstand der jüdischen Gemeinde Buchen.

Nach dem Tod seiner Schwester, nach der Machtergreifung durch die NSDAP 1933 und dem damit einhergehenden Boykott der jüdischen Geschäfte geriet Jakob Mayer in den wirtschaftlichen Ruin. Sein Haus in der Marktstraße musste er verkaufen, lediglich ein Wohnrecht im oberen Stockwerk wurde ihm zugesichert. Er vereinsamte zunehmend, nachdem zahlreiche jüdische Familien ausgewandert waren, bzw. die meisten seiner früheren Freunde ihn mieden. Am 11. Juni 1939 setzte Jakob Mayer im Dachboden seines ehemaligen Hauses seinem Leben ein Ende. Er wurde auf dem jüdischen Bezirksfriedhof in Bödigheim beigesetzt.

Die Gedenkveranstaltung zu Ehren von Jakob Mayer wird am Dienstag den 19. Januar 2016 um 20 Uhr im Bürgersaal des Alten Rathauses stattfinden. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Roland Burger werden die beiden Künstler Stefan Müller-Ruppert und Christian Roos (Klavier) mit Gedichten und Prosatexten sowie Liedbeiträgen zahlreiche Beispiele aus Jakob Mayers literarischem Werk vortragen und an die Vielseitigkeit dieses unvergessenen Dichters erinnern.

JacobMayer

(Zeichnung: Robert Frank)

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