Dem Forst auf den Zahn gefühlt

FSC® und PEFC™-Zertifikatsüberprüfung im Staatswald Neckar-Odenwald-Kreis erfolgreich – Forstdirektor Dietmar Hellmann: „Doppelter Wald-TÜV bestätigt vorbildliche Waldbewirtschaftung“

Neckar-Odenwald-Kreis. (pm) Der Wald im Neckar-Odenwald-Kreis bedeckt 42 Prozent der Kreisfläche und wird von den Verantwortlichen der Forstbehörde nach hohen Standards bewirtschaftet. In regelmäßigen Zeitintervallen wird die Qualität der Waldbewirtschaftung von unabhängigen Experten überprüft, Anfang März fiel ein solche Stichprobe auf den Staatswald im Kreis. „Ich freue mich, dass von zwei unabhängigen Gutachtern die vorbildliche, nachhaltige und verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung bestätigt wurde“, sagte der Leitende Fachbeamte der Unteren Forstbehörde Dietmar Hellmann nach der so genannten Vor-Ort-Auditierung, die vergangene Woche in Schwarzach stattfand.

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Alle für den Staatswald verantwortlichen Mitarbeitenden in der Forstbetriebsleitung Schwarzach, die Forstleute und Waldarbeiter waren entsprechend gespannt als die beiden Auditoren Alfred Raunecker (FSC®) und Niels Pluscyk (PEFC™), tätig als freiberuflich Forstsachverständige im Auftrag der zuständigen Zertifizierungsstelle, zum Audit erschienen. Zu Beginn fand eine tiefreichende Prüfung der Betriebsunterlagen wie Karten und Wirtschaftsplänen sowie ein umfassendes Gespräch mit den verantwortlichen Waldbewirtschaftern der Unteren Forstbehörde statt.

Dabei ging es unter anderem um die Einhaltung der mittelfristigen Nachhaltigkeitsplanung im Forstbetrieb, die Verwendung von geprüftem Saat- und Pflanzgut für die nächste Waldgeneration, den Einsatz von zertifizierten Forstunternehmen als Garant für eine pflegliche Holzernte, die Umsetzung des Alt- und Totholzprogramms als wichtigen Beitrag für die Erhaltung der Artenvielfalt, die Berücksichtigung der Naturschutzvorgaben der Europäischen Union, die Einhaltung des Verbotes von Pflanzenschutzmitteln im Wald und den Anbau von fremdländischen Baumarten.

Im Anschluss daran ging die Kontrolle vor Ort bei zeitweilig starkem Regen in zufällig ausgewählten Waldbeständen weiter. Dabei wurden wichtige Punkte zur Einhaltung einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung überprüft, etwa ob die Waldbestände mit schweren Maschinen befahren wurden und ob die Vorgaben der Arbeitssicherheit eingehalten sind. Im Revier Lohrbach lobten die beiden Auditoren insbesondere die Arbeitsqualität, die Teamleistung und die vorbildliche Kommunikation zwischen Revierförster und Waldarbeitern.

Beeindruckt zeigten sie sich im Revier Rosenberg von einem großflächigen Projekt zum Schutz von Amphibien. Sehr gut präsentierten sich zum Abschluß des Audits die Auszubildenden des Forstlichen Hauptstützpunktes Schwarzach, die alle Antworten zur Ersten Hilfe im Wald und die Rettung verletzter Kollegen parat hatten.

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Nach Abschluss des Audits gratulierten die Auditoren den Forstleuten zum hervorragenden Ergebnis der Prüfung und zur vorbildlichen Bewirtschaftung des Waldes im Kreis. Dietmar Hellmann lobte seine Mitarbeiter der Unteren Forstbehörde, die das Audit mit Bravour und ohne jegliche Mängel bestanden haben. Hellmann betonte abschließend: „Ich finde es gut und richtig, dass die beiden Zertifikate des Staatswaldes regelmäßig überprüft werden. Das ist wie ein Doppel-TÜV beim Auto. Dass die Auditoren nur Lob für die Forstleute hatten und keine Kritik üben mussten, freut mich besonders.“ Auch der zuständige Fachbereichsleiter beim Landratsamt Erster Landesbeamter Dr. Björn-Christian Kleih und sein Stellvertreter Axel Krahl gratulierten zu dem Ergebnis.

Hintergrundinformation

Im März 2000 erhielt der Staatswald Baden-Württemberg das PEFC™-Zertifikat. Im Mai 2014 wurde zusätzlich das FSC®-Zertifikat verliehen. In beiden Fällen handelt es sich um internationale Zertifizierungssysteme, die den Waldbesitzenden verpflichten, bei der Waldbewirtschaftung die zugrundliegenden, strengen Standards zu beachten. Verlangt wird eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die ökologische, soziale und ökonomische Kriterien gleichermaßen berücksichtigt. Die Standards der beiden Zertifizierungssysteme decken sich in vielen Punkten, wobei zum Teil unterschiedliche Schwerpunkte gelegt werden.

Beispiele für die Prüfkriterien der Zertifikate sind:

  • Angestrebt werden ökologisch hochwertige, naturnahe Mischbestände, mit standortgerechten und weitgehend heimischen Baumarten.
  • Bei der Holzernte sollen Schäden am Bestand und am Boden weitestgehend vermieden werden.
  • Aufbau und Erhaltung von Totholzvorräten im Wald.
  • Eingesetzte Forstunternehmen weisen ein Unternehmenszertifikat nach und setzen ausschließlich Bioöle und Sonderkraftstoffe ein.
  • Verbot von jeglichen Einsatz chemischer Biozide im Wald. Im Borkenkäferkalamitätsfall kann nur nach einem vorangegangenen aufwändigen Genehmigungsverfahren ausnahmsweise ein Pflanzenschutzmitteleinsatz durch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz fachlich angewiesen werden.
  • Nachweis von Maßnahmen zur Unfallverhütung und Gesundheitsvorsorge für die im Wald arbeitenden Personen.

Das Audit wurde von den Auditoren (Gutachtern) Alfred Raunecker (FSC®) und Niels Pluscyk (PEFC™) durchgeführt. Raunecker und Pluscyk sind freiberuflich tätige Forstsachverständige, die im Auftrag der Zertifizierungsstelle DINCERTCO in Berlin, einer Tochter des TÜV Rheinland, das Audit durchführen.

Über FSC® und PEFC™

Der Forest Stewardship Council® (FSC®) ist eine internationale, gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, mit Hilfe eines Siegels ökologisch und sozial verantwortliche Waldbewirtschaftung global auf Produkten sichtbar zu machen. Weltweit sind über 195 Millionen Hektar Wald FSC-zertifiziert, in Deutschland sind es rund 1,2 Million Hektar Wald.

In deutschen Wäldern steht der FSC u.a. für eine Waldwirtschaft, die den Wald nicht übernutzt, die ökologische Vielfalt fördert und ohne Kahlschläge, Gentechnik und Pestizide auskommt. FSC setzt sich hier für die Mehrung natürlicher Mischwälder, für den Schutz seltener Arten und Ökosysteme sowie für faire Entlohnung und mehr Bürgerbeteiligung ein. Die Zertifikatsvergabe erfolgt durch unabhängige Dritte und wird jährlich überprüft.

Das Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC™) ist die größte Institution zur Sicherstellung nachhaltiger Waldbewirtschaftung durch ein unabhängiges Zertifizierungssystem. Holz und Holzprodukte mit dem PEFC-Siegel stammen nachweislich aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft.

PEFC Deutschland e.V. wurde 1999 gegründet und entwickelt die Standards und Verfahren der Zertifizierung, stellt der Öffentlichkeit Informationen bereit und vergibt die Rechte am PEFC-Logo in Deutschland. PEFC ist in Deutschland das bedeutendste Waldzertifizierungssystem: Mit 7,3 Millionen Hektar zertifizierter Waldfläche sind bereits rund zwei Drittel der deutschen Wälder PEFC-zertifiziert, weltweit bereits rund 300 Millionen.

Baden-Württemberg ist bundesweit eines der waldreichsten Länder. Es ist auf einer Fläche von rund 1,4 Millionen Hektar und zu 39 Prozent von Wald bedeckt.

Weitere Informationen zum Thema Wald finden sich auf der Internetseite des Landesbetriebs ForstBW unter www.forstbw.de.

Die Auditoren Niels Pluscyk, PEFC™ (4. v.l.), und Alfred Raunecker, FSC® (6.v.l), mit Forstleuten der Unteren Forstbehörde des Neckar-Odenwald-Kreises und von ForstBW beim Doppelaudit im Staatswald Lohrbach. (Foto: pm)

© www.NOKZEIT.de


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