Ärger im FFH-Gebiet

Langenelz. (lm) Vor gut einer Woche hat der LEV in Kooperation mit dem Deutschen Alpenverein eine große Pflegeaktion im FFH-Schutzgebiet entlang der Elz im Mudauer Ortsteil Langenelz durchgeführt und jede Menge Gestrüpp und Holz abfahren lassen (NZ berichtete).

Diese wirklich lobenswerte Aktion hat die Langenelzer wieder an Versprechungen des Landes erinnert, die Ende der 1980-er gemacht, immer mal wieder nach Gutdünken geändert und leider nur sehr unzureichend eingehalten worden sind.

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Den Unmut der Bürger, vor allem derer in direkter Nähe des Landschaftsschutzgebietes (LSG) mussten sich jetzt Ortsvorsteher Markus Speth und sein Vorgänger im Amt, Hans Slama, anhören. Die beiden scheuten sich nicht, als Sprachrohr der Langenelzer diesen Unmut weiter zu geben, wobei dieser sich nicht auf die jüngste Pflegeaktion bezog. Zur Historie erklärten Speth und Slama, dass eben über 30 Jahren zwei Komponenten zusammenkamen. Zum einen seien sehr viele Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausgefallen, zum andern stand die Erschließung des Baugebietes Strutäcker I in direkter Nachbarschaft zur Elzaue und die Ausweisung einer geschlossenen FFH-Fläche an und die ordentliche Pflege dieser weitläufigen Fläche sollte garantiert werden.

So haben Langenelzer Bürger und die Evangelische Stiftschaffnei die Flächen an das Land Baden-Württemberg verkauft. Hans Slama erinnert sich, dass in der Aue, die meist Nassfläche ist, ein Fichtenwäldchen entstanden war, das wegen des Baugebiets, aber auch zur notwendigen Luftzirkulation im Bachtal weichen musste. Vorgabe des Landes an die freiwilligen „Erstpfleger“ aus der Langenelzer Bürgerschaft: „Ihr dürft nicht mit schwerem Gerät hineinfahren, sondern alles muss per Muskelkraft aus dem Nassgebiet gezogen werden.“ Daran und an viele weitere Auflagen, was alles nicht gelagert oder getan werden darf, haben sich die dortigen Anwohner strikt gehalten.

Zunächst pflegte das Land über einen Zeitraum von ca. zehn Jahren seine Flächen sporadisch, doch dann setzten alle Pflegemaßnahmen auf einmal aus, auf Anfrage des Ortsvorstehers mit dem Hinweis „Dafür ist kein Geld mehr da.“ Auf einmal war auch die vorgeschriebene Luftzirkulation nicht mehr akut und die direkte Nähe zum inzwischen bebauten Gebiet interessierte auch nicht mehr, denn die sich ansiedelnden Erlen und Weiden sollten sich nach Meinung der Naturschutzbehörde jetzt doch zu einem Auenbruchwald entwickeln.

Weil das weder die Anwohner noch die Gemeinde verstanden, bot man der Unteren Naturschutzbehörde eine Ersatzfläche außerhalb des Wohnbereiches und nicht mitten im Ort an. Doch diese wurde abgelehnt, weil es zu lange dauern würde dies zu entwickeln. Dieses „rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“ hat die Bürger erneut verärgert und dadurch auch gezeigt, dass den Behörden an einem Miteinander mit den Bürgern wenig gelegen ist.

Die Flächen in den Bachauen sind sehr unzureichend sauber gehalten und viele Laubholzinseln haben sich wieder gruppiert, das Mähgut ist seit Jahren offensichtlich gar nicht abgefahren, sondern wird in Ballen gepresst und jedes Jahr ein Stück weiter Richtung Elz zusammengeschoben, wo es so nach und nach verrottet – und die Untere Naturschutzbehörde kümmere sich nicht darum. Die Anwohner sind gezwungen, auf ein sehr ungepflegtes Gelände zu blicken, was eigentlich herrliche Natur sein sollte.

Ortsvorsteher a.D. Hans Slama bringt es auf den Punkt: „Eigentlich sollten Brücken zwischen Landwirtschaft, Bürgern und Naturschutz gebaut werden. Das ist meiner Meinung nach nicht gelungen. Dazu hat der Naturschutz in der Vergangenheit hier seine Versprechen zu oft nicht gehalten und lässt auch ein diplomatisches Geschick vermissen.“

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