Herdenschutzhunde gegen Wolfsangriffe

Völlig ohne Scheu begegnen die ansonsten recht ängstlichen Schafen ihrern Beschützern.

Großeicholzheim. (lm) Je näher man der kleinen Schafherde kommt, desto deutlicher sieht man auch die beiden wunderschönen Hunde, die den Besuchern sehr aufmerksam und schwanzwedelnd entgegenschauen. Menschen sind offensichtlich willkommen, auch wenn Frauchen Donate Seiler noch nicht dabei ist. Doch als diese dann kommt und zu ihren beiden Kangalinchen – wie sie sie liebevoll nennt – und den Schafen ins Gatter steigt, ist die Begrüßungsfreude durch Selda und Ayla noch einige Klassen höher.

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Die beiden Kangals sind erst zehn Monate alt, machen aber schon einen tollen Job als Herdenschutzhunde. Donate Seiler und Manuel Heck betreiben privat eine Tierherberge oder besser gesagt einen Tierschutzhof im Bannholz (Großeicholzheim). Darum haben sie bereits ein breites Sammelsurium an Tieren, darunter eben auch eine kleine bunt gemischte Schaf- und Ziegenherde.

Als Prophylaxe zum Schutz gegen den Wolf, der eben auch schon in Baden-Württemberg gesehen wurde und in manchen Regionen sogar schon heimisch ist, hat sich die Tierfreundin im letzten Jahr an allen möglichen Stellen über Herdenschutzhunde informiert und sich dann in Niedersachsen vier in Frage kommende Rassen angeschaut.

Neben Pyrenäenhunden galt ihr Interesse noch dem Sarplaniac, dem Karaman und eben dem Kangal. Während die Pyrenäenhunde schnell verloren, weil sie als Schutzhunde schon sehr oft versagt haben und auch wenig Menschenfreundlichkeit zeigen, war sie vom Sarplaniac und dem Karaman nicht wirklich überzeugt, dagegen vom Charakter der Kangal sofort begeistert. „Ich durfte in der niedersächsischen Schäferei Wümmeniederung in ein Schafgatter und war sofort von den schmusenden Riesenhunden umringt“.

Schützen Ihre Herde vor anderen Hunden und Wölfen.

Ganz anders dagegen ist das Verhalten der Hunde, wenn ein fremder Hund oder gar ein Wolf in die Nähe der Schafe käme. Dieser Schutzmechanismus ist den Tieren angeboren. Das braucht man nicht zu erziehen. Und Hunde, die selbst denken, und nicht auf den Pfiff folgen, die sind nicht jedermanns Sache. Diese Eigenschaft muss man einfach akzeptieren können. Die Kangals benötigen sehr viel Zuwendung, aber keine Erziehung. Im Alter von 24 Monaten können die Tiere durch den „Verein für arbeitende Herdenschutzhunde“ zertifiziert werden. In dieser Prüfung wird die Menschenfreundlichkeit ebenso bewertet wie die Zauntreue und das Wesen. Und genau diese Eigenschaften waren bei „Selda“ und „Ayla“ bereits im Alter von 12 Wochen bestens ausgeprägt, wie ein Video der beiden zeigt als sie einen fremden Hund heftigst verbellen, der mit seinem Frauchen an ihrem Schafgatter vorbeispazieren wollte.

Es unterstreicht den Optimismus von Tierfreundig Seiler, mit den beiden den bestmöglichen prophylaktischen Schutz gegen den Wolf gefunden zu haben und inzwischen hat sie noch mehr positive Eigenschaften an ihren Kangalinchen feststellen dürfen, die ganz genau wissen, welche Menschen zu ihrem Rudel gehören und trotzdem zu allen zweibeinigen Gästen freundlich sind und von ihren Schafen geradezu geliebt werden.

Donate Seiler begrüßt einen der Herdenschutzhunde. (Fotos: Liane Merkle)

© www.NOKZEIT.de


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