Ökumenische Amtseinführung in der JVA Adelsheim

(Foto: privat)

Martin Reiland (kath.) und Michael Schumacher (ev.) neue Vollzugs-Seelsorger – Ökumene gelebte Selbstverständlichkeit

Adelsheim. (bd) Mit dem Lied „Morning has broken“ begann im Adelsheimer Jugendgefängnis ein neuer Lebensabschnitt für die Theologen Martin Reiland (kath.) und Michael Schumacher (ev.), die vor zahlreichen Mitfeiernden in ihr jeweiliges Amt als Anstaltsseelsorger eingeführt wurden.

Anstaltsleiterin Katja Fritsche begrüßte besonders ihre Familien, Freunde und Weggefährten, zu denen sich sowohl eine Vielzahl von Ehrengästen und Vollzugskollegen wie auch einige Insassen gesellt hatten.

Als Vertreterin des Justizministeriums hieß sie Dr. Natalia Sterz willkommen ebenso wie Landrat Dr. Achim Brötel, Bürgermeister Klaus Gramlich sowie Anstaltsbeirätin Elisabeth Baier, die Dekanin für die evangelische Gefängnisseelsorge Susanne Büttner und Peter Holzer als Dekan für die katholische Gefängnisseelsorge. Als Kirchenvertreter außerhalb der Mauern zeigten seitens der Evangelischen Kirche die Dekanin des Kirchenbezirks Kraichgau, Christiane Glöckner-Lang sowie Dekan Rüdiger Krauth, Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg, gemeinsam mit Adelsheims Pfarrerin Angelika Bless ihre Verbundenheit, für die katholische Kirche hatte sich Dekan Johannes Balbach in das Jugendgefängnis begeben. Die ehemaligen Gefängnisseelsorger Dr. Fritz Sperle (ev.) und Kurt Wolf (kath.) machten ihren Nachfolgern ebenfalls die Aufwartung.

Der gebürtige Pfälzer Martin Reiland absolvierte sein Theologiestudium in Eichstätt und Lima(Peru), bevor er von 1992 bis 1998 als Pastoralreferent in Berlin, danach 10 Jahre in der katholischen Diaspora in Pritzwalk (Brandenburg) tätig war. 2008 wechselte er in die Seelsorgeeinheit MOSE nach Mosbach. Sein Interesse an der Tätigkeit im Vollzug wurde hier durch Kurt Wolf geweckt.

Der aus Aglasterhausen stammende Michael Schumacher arbeitete bereits während seines Studiums in Heidelberg und Halle an der Saale ehrenamtlich in der Gefängnisseelsorge. Nach Studienabschluß trat er als Lehrvikar in Boxberg in den Dienst der Evangelischen Landeskirche ein, ab 2008 arbeitete er als Gemeindepfarrer in Sinsheim-Eschelbach und Waldangelloch im Kirchenbezirk Kraichgau, wo er zuletzt auch Dekanstellvertreter war. Schumacher ist Mitglied der Landessynode.

Fritsche dankte Reiland und Schumacher für Ihre Bereitschaft, sich in den Dienst der Gefängnisseelsorge zu stellen und sich auf diesen neuen Abschnitt einzulassen. „Mögen Sie an jedem Tag, der anbricht, mit Freude hier hereinspazieren und überall wirken, wo Sie gebraucht werden. Möge es Ihnen gelingen, nah am Menschen zu sein, egal welcher Konfession und ob mit oder ohne Schlüssel. Möge es Ihnen beiden gelingen, die Tradition der Ökumene und der praktizierten Nächstenliebe weiterzuleben“ endete sie und beschenkte die Geistlichen mit zwei Büchern, deren Titel „Nach dem Amen bete weiter“ sowie „Wofür mein Herz schlägt“ Botschaft sein könne in Zeiten und an Orten, wo Gefühle und Herzenswärme oft zu kurz kämen.

Dekanin Susanne Büttner und Dekan Peter Holzer brachten im Gottesdienst den Paulus-Brief an die Galater zur Sprache: „Zur Freiheit hat Euch Christus befreit“, – das Führen in die Freiheit sei der Kern der christlichen Botschaft. Gerade im Gefängnis gelte es Räume zur Freiheit, zu geistiger Freiheit zu öffnen. Dazu wünschten sie „Kraft und Mut und Gottes Segen“, bevor Reiland und Schumacher die folgende Amtsverpflichtung mit den Worten „Ja, mit Gottes Hilfe!“ annahmen.

In seiner Predigt bezog sich Martin Reiland auf das Lukasevangelium, das ihn lange begleite: „Der Geist des Herrn ruht auf mir. Der Herr hat mich gesalbt. Das ist mein Auftrag: ….den Gefangene soll ich ankündigen, dass sie frei werden.“ Der Platz der Kirche müsse bei Menschen in schwierigen Lebenssituationen sein, daher sei sie hier am richtigen Ort. Michael Schumacher rief die Zusage aus dem Matthäus-Evangelium in Erinnerung, die auch im Gefängnis gelte: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt!“.

Im Anschluss an den Gottesdienst beglückwünschte Landrat Dr. Brötel die Seelsorger. Die Gefängnisseelsorge sei eine Art „Rettungsanker“, etwas, das Halt und Zuversicht gebe, auch wenn einem gerade der Boden unter den Füßen weggezogen zu sein scheine – und das völlig unabhängig von der Frage, ob jemand überhaupt an etwas glaube oder nicht, ob er konfessionslos sei oder sich zu einem bestimmten Glauben bekenne. In seinen Augen habe die Gefängnisseelsorge deshalb eine extrem wichtige Aufgabe: Sinn zu stiften, auch wenn alles gerade irgendwie sinnlos erscheinen mag.

Reiland und Schumacher könnten die Häftlinge zwar weder befreien noch ihre Vergangenheit ungeschehen machen, aber Sie könnten Ihnen die Hand reichen und sie begleiten auf ihrem Weg in eine hoffentlich bessere Zukunft. Im Gefängnis gehe es in allererster Linie um die Seele und nicht um das Gesangbuch. Wenn man diese Botschaft noch sehr viel mehr nach draußen tragen könnte, insbesondere dorthin, wo die kirchlichen Entscheidungsträger sitzen, dann wäre das ein sehr wichtiger Beitrag zur Resozialisierung unserer Gesellschaft insgesamt, merkte er an.

Bürgermeister und Anstaltsbeiratsvorsitzender Klaus Gramlich überbrachte die Grüße von Stadt und Anstaltsbeirat, während Dekan Johannes Balbach in bester ökumenischer Eintracht auch die Glückwünsche seines evangelischen Mitbruders Rüdiger Krauth aussprach. Er überreichte einen großdimensionierten Schirm, der schützen und unter dem viele Platz finden sollen.

„Ich lobe meinen Gott“ lautete das Schlußlied, begleitet von der Mitarbeiter-Band mit Katja Fritsche an der Geige.

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