Bodyguards für Gibbons

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 Männlicher Gelbwangenschopf-Gibbon. (Foto: N.V. Truong)

Rekord für den Artenschutz: „Zootier des Jahres“- Kampagne bringt mehr als 115.000 Euro ein

Berlin/Landau.  (pm) Ein Rekord-Erfolg für den Artenschutz: Die „Zootier des Jahres“ – Kampagne 2019 konnte erstmals mehr als 115.000 Euro erbringen. „Wir sind überwältigt, dass die diesjährige Kampagne diese unglaubliche Summe erbracht hat“, sagt Dr. Sven Hammer, stellvertretender Vorsitzender der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz.

„Es ist die mit Abstand höchste Summe, die wir seit Beginn unserer Kampagnen im Jahr 2016 erreichen konnten.“ Die gesammelten Mittel können nun in effektive Schutzmaßnahmen für die hochbedrohten Gibbons in Laos und Vietnam fließen. Der Zoo Heidelberg beteiligte sich ebenfalls an der Kampagne und stellte finanzielle Mittel bereit.

„Auch, wenn in Heidelberg keine Gibbons leben, unterstützen wir die Aktion sehr gerne. Im Lebensraum des Gibbons lebt beispielweise die ebenfalls stark bedrohte Goldkatze, die wir auch im Zoo Heidelberg halten, und die von den Schutzmaßnahmen natürlich ebenfalls profitiert“, erklärt Zoodirektor Dr. Wünnemann. Die finanzielle Unterstützung wurde aus einem Teil des Erlöses des Heidelberger Zooleuchtens und aus dem Artenschutzbudgets des Zoos bereitgestellt.

In Asien werden Gibbons gewildert, um ihr Fleisch als exotisches „Bush Meat“ zu verkaufen. Dieses Fleisch wird unter anderem auch exportiert, zum Beispiel nach Korea, wo es in Restaurants angeboten wird. Der Verzehr von Affenfleisch gilt leider auch bei der neuen aufstrebenden Mittelschicht des modernen Vietnams als schick. Darüber hinaus werden junge Gibbons in den touristisch geprägten Teilen Asiens als Motive für Fotos angeboten.

Auf diese Weise bringt der illegale Handel mit den selten gewordenen Tieren viel Geld ein. „Ehemals war der Lebensraumverlust die größte Bedrohung für die Gibbons, doch mittlerweile gilt die Wilderei als Hauptgrund für den Rückgang der Gibbonbestände“, erklärt Viktoria Michel, Projektkoordinatorin der „Zootier des Jahres“- Artenschutzkampagne.

Experten gehen davon aus, dass allein in Vietnam jährlich bis zu 3.000 Tonnen Wildtiere und deren Produkte unbemerkt in den illegalen Handel gehen – darunter auch Gibbons. Nur 3 Prozent dieser Wildtiere werden beschlagnahmt. Von diesen menschlichen Eingriffen erholen sich die Gibbonbestände nur sehr langsam, denn die Tiere haben eine lange Generationsfolge.

So setzt die Geschlechtsreife bei Gibbons erst mit acht bis neun Jahren ein und alle zwei bis drei Jahre wird ein einzelnes Jungtier geboren, welches nach zwei Jahren entwöhnt wird.

Auch deswegen ruhen jetzt die Hoffnungen auf den gesammelten Spenden. Mit ihnen wird Ausrüstung angeschafft, die für die Projektarbeit der Ranger, die die Gibbons vor Ort bewachen und beschützen, unerlässlich ist. Dazu gehören unter anderem Kameras, Ferngläser, Kletterausrüstung und GPS-Geräte für die Feldarbeit. Des Weiteren werden Geländemotorräder finanziert, damit die Teammitglieder zu den Forschungsgebieten gelangen.

Da es in der Gegend keinen verlässlichen Handyempfang gibt, stellt die Kampagne zudem Satellitentelefone zur Verfügung, damit sich die Teams besonders in Notlagen und auf Patrouille verständigen können. Als Verantwortliche vor Ort erfassen die Ranger zum einen die Bestände der Gibbons und verfolgen zum anderen gemeinsam mit den zuständigen Behörden die Wilderer.
Von diesen Schutzmaßnahmen profitieren nicht nur Gibbons, sondern auch viele andere stark bedrohte Tierarten, die in Laos und Vietnam leben, etwa Rotschenklige Kleideraffen, Saolas oder Pangoline.

Die ZGAP wird das neue „Zootier des Jahres“ zusammen mit ihren Kampagnenpartnern dem Verband der Zoologischen Gärten, der Deutschen Tierpark-Gesellschaft, der Gemeinschaft der Zooförderer und weiteren Tiergärten, Zoos und Verbänden am 08. Januar 2020 in Marlow verkünden.

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1 Kommentar

  1. Mit Riesentrara wurde von der „Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V.“ (ZGAP), einem im Zoo Landau in der Pfalz ansässigen Zooförderverein, zu Beginn der Jahres der Gibbon zum „Zootier des Jahres“ ausgerufen. Verbunden war damit eine von der ZGAP initiierte (und von der Deutschen Tierparkgesellschaft e.V., der Gemeinschaft der Zooförderer e.V. und dem Verband der Zoologischen Gärten e.V. mitgetragene) Spendensammelaktion, an der sich 25 deutsche bzw. österreichische Großzoos beteiligten (Karlsruhe, Münster, Berlin, Stuttgart, Wuppertal, Wien…etc.)

    In einigen der beteiligten Zoos wurde eigens der Eintrittspreis um einen (von den Besuchern „freiwillig“ zu entrichtenden) „Artenschutz-Euro“ erhöht.

    Zum Jahresende wurde Bilanz gezogen: Es sei mit der Kampagne 2019 ein „Rekord-Erfolg für den Artenschutz“ erzielt worden, wie die ZGAP überwältigt mitteilte: „Es ist die mit Abstand höchste Summe, die wir seit Beginn unserer Kampagnen im Jahr 2016 erreichen konnten.“ Die gesammelten Mittel könnten nun „in effektive Schutzmaßnahmen für die hochbedrohten Gibbons in Laos und Vietnam fließen.“

    Tatsächlich haben die 25 beteiligten Zoos in der über ein Jahr (!) laufenden Kampagne eine Summe von gerade einmal 115.000 Euro für den Schutz des „Zootieres 2019“ zusammengebracht, durchschnittlich also 4.600 Euro pro beteiligtem Zoo. Notabene: es handelt sich dabei um Geld, das die Zoos noch nicht einmal selbst aufgebracht, sondern von ihren Besuchern eingesammelt haben.

    Nochmal: durchschnittlich 4600 Euro, gesammelt von Besuchern, flossen pro beteiligtem Zoo in die Kampagne, und das von Einrichtungen, die ihrerseits jedes Jahr millionenschwere Subventionen aus öffentlichen Kassen beziehen. Und: die Mehrzahl der Zoos im deutschsprachigen Raum – genauer: 97.5 Prozent von ihnen – hat sich noch nicht mal an der Kampagne beteiligt…

    Die entscheidende Frage aber blieb bei der Bilanzierung der Kampagne ohnehin unbeantwortet: was genau hatten bzw. haben die in den Zoos eingesperrten „Zootiere des Jahres“ von der ganzen Sache?

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