Neckasteig: Expedition durch die Heimat

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(Foto: pm)

Unbekannte Region neu entdecken

(pm) Urlaub, Ausflüge und Essen gehen – in Zeiten von Corona sind all diese bisher alltäglichen Dinge nur noch sehr begrenzt möglich. Einschränkung und Verzicht bedeuten jedoch nicht zwangsläufig, weniger Vergnügen. Die letzen Wochen haben nämlich häufig gezeigt, dass viele ihre eigene Heimat per Pedes oder mit dem Fahrrad ganz neu kennenlernen und Unbekanntes in der vermeintlich bekannten Heimat entdecken. Eine Wanderung kann dabei auch konform den jeweils geltenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus, alleine zu zweit oder mit der Familie, unternommen werden.

Der Neckarsteig als zertifizierter Qualitätswanderweg vor unserer Türe ist dafür ideal. Wandert man die 128 Kilometer von Heidelberg nach Bad Wimpfen kann man sich auf die Spuren von Marc Twain begeben. Beginnt man in Heidelberg, so ist die Himmelsleiter, ca. 1.200 grob behauene Sandsteintreppenstufen, der erste Antieg und verbindet das Schloss mit dem Königstuhl. Vom Königstuhl aus – in 559 m Höhe – kann man bei gutem Wetter über den Oberrheingraben bis zum Pfälzer Wald sehen. Der Steig führt über den Neckarriedkopf mit der gleichnamigen Schutzhütte, von der aus man auf den Dilsberg schauen kann. Die Neckarriedkopfhütte, aus dem Dornröschenschlaf erwacht, wird, sobald es die Verordnungen zulassen, ab der Saison 2020 an Wochenend- und Feiertagen bewirtschaftet.

Hat man erst die Burgfeste Dilsberg erklommen und ist wieder an den Neckar hinabgestiegen, reihen sich die Burgen der Vierburgenstadt Neckarsteinach wie Perlen an einer Kette aneinander. Die direkt am Neckarsteig gelegene Ruine Hinterburg wurde um 1100 erbaut. Zur Mittelburg, Vorderburg und zur Ruine Burg Schadek lohnt es sich einen kleinen Abstecher zu machen. Weiter per Pedes Richtung Hirschhorn durchquert man die Burganlage Hirschhorn die um das Jahr 1260 gegründet und im 14. Jahrhundert erweitert wurde. Da sie von größeren Zerstörungen verschont blieb, ist sie heute in einem sehr guten Zustand und kann im Rahmen von Fürhrungen besichtigt werden.

Ein wunderschön gelegener Pfad oberhalb der Bahnlinie ermöglicht immer wieder einen Blick auf den Neckar oder auch auf die wunderschöne Stadt Eberbach, direkt am Neckar. In Eberbach hat man die Möglichkeit im parallel zur Uferstraße verlaufenden Park die Neckarschifffahrt bzw. die Ausflugsschiffe zu beobachten oder auch die eindrucksvollen Bronzeskulpturen zu bewundern. Ab hier beispielsweise gäbe es die Möglichkeit mit einem Ausflugsschiff die Landschaft von Neckarseite aus ganz entspannt zu genießen.

Nahezu alpines Gelände passiert man kurz vorn dem beschaulichen Örtchen Neunkirchen auf dem Gebiet Wilder Waibelsberg beziehungsweise Krösselbacher Hang. Hier ist Trittsicherheit gefragt. Der nahe gelegene Reihersee wurde ursprünglich als Futtersee für Reiher gebaut. Heute ist er ein wunderschöner Rastplatz mit Schutzhütte. Geologische Besonderheiten begleiten den Wanderer am Neckarsteig auf Schritt und Tritt. So trifft man auf den Mittelberg, Geotop des Jahres 2018. Er war ein Umlaufberg bevor der Neckar vor ca. 200.000 Jahren den Durchbruch geschafft hat und das bisherige Flussbett trockengefallen ist. Die ehemalige Flussschleife ist im Gelände gut zu erkennen. Besonders von der Anhöhe bei Neckarkatzenbach „Aussichtspunkt Linde“ sieht man die ehemalige Ur-Neckarschleife und kann so ein Gefühl für die Entwicklung eines solchen Flusslaufes bekommen. Ein besonders beeindruckendes Bild der Geologie findet man in der Margaretenschlucht. Die Schlucht steht schon seit 1940 unter Naturschutz. Das Passieren der Margaretenschlucht empfiehlt sich bei guter Witterung und Trittsicherheit da etliche Felsstufen erklommen werden müssen.

Blick auf Neckarkatzenbach. (Foto: pm)
Die Altstadt von Mosbach besticht durch seine beschaulichen Fachwerkhäuser. Diese Kulisse und Atmospäre kann es gut mit berühmten Reisezielen aufnehmen. Ein paar Schritte aus der Altstadt heraus befindet man sich wieder in der Natur Richtung Deutschodenstadt Gundelsheim die weithin am Schloss Horneck zu erkennen ist. Erstmals begleiten einem Weinreben. Der Gundelsheimer Wein aus dem „Himmelreich“ ist bei Weinkennern wohl bekannt. Langsam verändert sich die Landschaft. War es um Heidelberg noch der Wald, die engen Schluchten und die Höhenmeter die die neun empfohlenen Etappen geprägt haben, so ist es nun der Wein, die Weite und die Offenheit der Landschaft. Gerade auf der Burg Guttenberg, sie beherbergt u. a. die Deutsche Greifenwarte sowie ein Burgmuseum und ein Restaurant, blickt man in das wunderschöne Neckartal.

Auf dem Jüdischen Friedhof außerhalb von Heinsheim wurden schon seit dem 16. Jahrhundert die Toten aus Bad Rappenau und aus weiteren 25 jüdischen Gemeinden in der Umgebung beerdigt. Streift man über das Gelände des Friedhofes umgiebt einem eine ganz besonders mystische Stimmung. Er zählt zu den eindrucksvollsten jüdischen Friedhöfen Süddeutschlands. Auch die ehemalige Synagoge im Ortskern von Heinsheim ist ein Zeugnis alter jüdischer Geschichte.

Schon von Weitem kann man das Wahrzeichen von Bad Wimpfen, den Blauen Turm, sehen. Bad Wimpfen ist die größte Kaiserpfalz nördlich der Alpen und mit einer imposanten Stadtgeschichte ein Highlight für das man etwas mehr Zeit einplanen sollte. Die Wanderungen auf dem Steig können grundsätzlich nach den individuellen Vorlieben als Eintages- oder Mehrtagestouren geplant werden.

Aktuell sind die Übernachtungsbetriebe zwar noch geschlossen, freuen sich aber auf Gäste soabald es die Umstände erlauben. Zahlreiche S-Bahnhöfe entlang der Wanderroute sowie der Ruftaxiverkehr oder die Fahrgastschiffe sind, zu nicht Corona Zeiten, ein absolut logistischer Vorteil. Der Neckarsteig ist also nicht nur Wandersteig, vielmehr ist er ein Natur- und Kulturraum der für den Besucher so manches Geheimnis bereithält.

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