Räuber und Erfinder auf dem Winterhauch

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Frühlingsimpression vom Winterhauch. (Foto: pm)
Waldbrunn.  (pm) Wer sich Richtung Katzenbuckel aufmacht, bemerkt schnell, dass es bergauf geht und die Landschaft sich verändert. Der Reisende lässt das Neckartal, die Hügel des hessischen Odenwaldes oder das Bauland hinter sich und nähert sich dem Rest eines Feuerbergs aus dem Paleozän. Feuer spuckt der ehemalige Vulkan schon lange nicht mehr, der höchste Berg des Odenwaldes ist er aber dennoch geblieben.

Ganz sicher jedenfalls hat das durch den Ausbruch entstandene Basaltgestein dazu beigetragen, dass die Bauern der landwirtschaftlich eher kargen Region, immer auch ein Zubrot beim „Steener klopfe“ verdienen und dadurch die Armut ein wenig lindern konnten. Nachzulesen ist die Geschichte des einstigen Vulkans auf dem einzigartigeb Lehrpfad dem „Weg der Kristalle“ rund um den Gipfel des Bergs.

Viel Wissenswertes zu Geologie, Biologie und Geschichte des Katzenbuckels lässt sich auf den Tafeln nachlesen und am Wegesrand entdecken, wo Jahrmillionen alte „vulkanische Bomben“ den Pfad Nebenbei gibt es für Wanderer und Spaziergänger die beeindruckende Kulturlandschaft und deren Artenreichtum zu sehen.

Wer dann zu Fuß, mit dem Rad oder etwas weniger anstrengend mit dem PKW den 626m hohen Gipfel des Katzenbuckels bewältigt hat, wird ganz oben auf einem Aussichtsturm mit einem großartigen Fernblick bis zum Schwarzwald belohnt. Bei guter Wetterlage will manch ein Kletterer sogar schon den Fernsehturm der Landeshauptstadt gesehen haben.

Diesen Ausblick hatten wohl auch die Erbauer des Turms, die Brüder Leopold, Wilhelm und Maximilian von Baden im Sinn, als sie den Turm im Jahr 1821 errichten ließen. Großherzog Karl Friedrich, Vater der Turmbauer zu Waldkatzenbach, hatte die naheliegende Burg Zwingenberg und deren Ländereien 1808 als markgräflichen Familiensitz erworben.

Diesen Umstand nutzte der im Dienst des Hause Badens stehende Forstinspektor und Fahrraderfinder Karl Drais, um, nach einem Mordanschlag in Mannheim, seinen Häschern zu entkommen und sich versteckt zu halten. Wer dem liberalen Erfinder und Demokrat nach dem Leben trachtete, erfährt der interessierte Leser und Radfahrer auf etlichen Infotafeln, die das Leben, des zu seiner Zeit verkannten Genies, auf dem Winterhauch erzählt. Startend in Waldkatzenbach, wo noch das Haus existiert, das der vielseitig interessierte Karl Drais bewohnte, zeichnet der Rad-Lehrpfad Leben und Erfindungen nach.

Den Einheimischen war Drais zwar nicht ganz geheuer, als „Forschtmeeschda uffm Holzbock“ war er dennoch bei den Dorfbewohnern beliebt, reparierte er doch alle Gerätschaften, die den Bauern kaputtgegangen waren. Sicher hat Karl Drais den neuen Aussichtsturm öfter besucht.

Der Karl Drais-Radweg, verbindet als Rundweg die Dörfer Waldbrunns und führt auch am touristischen Leuchtturm, dem beliebten Familienbad Katzenbuckel-Therme vorbei. Im Ortsteil Mülben führt der Weg zum Demeter-Kurgestüt Hoher Odenwald der Familie Zollmann, die bereits in dritter Generation Stutenmilch produziert. Jetzt im Frühjahr ist es nicht nur für Fans der Vierbeiner die reine Freude, an der riesigen Pferdeherde mit den vielen kleinen Fohlen vorbeizufahren. Anhalten sei jedem Pferdeliebhaber empfohlen, da Familie Zollmann im Hofladen Stutenmilchkostproben serviert. Außerdem dürfen Besucher beim Melken der Stuten zusehen.

Bis heute sind die Wälder rund um Mülben in der Hand der Markgrafen von Baden. An Schützenhaus und Friedhof vorbei geht es tief in den Wald, wo eine riesige Buntsandsteinformation einer Räuberbande unter der Führung des Hölzerlips als Unterschlupf diente. Das sogenannte Felsenhaus in der Nähe des Steinernen Tischs diente um 1800 herum, dem bei Fulda geborenen und dem fahrenden Volk der Jenischen angehörigen Georg Philipp Lang, genannt Hölzerlips und seinen Kumpanen, als Zuflucht. Was romantisch klingen mag, war wohl eher der Not als randständiger Teil einer Armutsgesellschaft der frühen Neuzeit geschuldet. Nach einem Überfall auf Schweizer Kaufleute bei Hemsbach an der Bergstraße, dee in einem mehrfachen Raubmord endete, setzte die Obrigkeit alle Mittel ein, um der Bande habhaft zu werden. Wenig später endete das Leben des Odenwälder-Räuberhauptmanns und seiner Bande mit der Hinrichtung auf dem Heidelberger Marktplatz.

Die Kulturlandschaft um den Katzenbuckel mit vielen Streuobstwiesen und Wäldern ist ein Paradies für Wanderer und Radfahrer. Im Winter kommen ab und an auch Winterfreunde auf ihre Kosten. Wen es nach langer Wegstrecke dürstet, kann in den zahlreichen Gasthäusern Odenwälder Most aus Äpfeln und Birnen probieren und die Landschaft schmecken und mit einem weiteren Sinn entdecken. Um dieses einzigartige Getränk im Bewusstsein zu halten, feiert man auf dem Winterhauch im Herbst zur Apfelernte die Kulinarischen Mostwochen.

Egal ob in der Historie Herrschaften, Bauern, Räuber, Erfinder, Kurgäste oder heutige Wanderer und Urlauber, alle haben eins gemeinsam – die Landschaft um den Vulkanhärtling ist eine ganz besondere, sie hat die Menschen hergeführt und vielfach verzaubert. Gerade aus Ballungsräumen wie der Rhein-Neckar-Region mit Mannheim und Ludwigshafen, der Rhein-Main-Gegend rund um Frankfurt oder dem Ruhrpott, zu allen Jahreszeiten kommen Gäste nach Waldbrunn um in hervorragender Luft, zu „entschleunigen“ und neue Kräfte zu sammeln. Alle Gäste, von denen die allermeisten immer wieder, teils viele Jahrzehnte an den Katzenbuckel reisen, wissen, dass ein Besuch auf dem Winterhauch immer einen Reise wert ist.

Infos im Internet:

www.waldbrunn-odenwald.de/index.php?id=292

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