Seckach „feiert“ Partnerschaftsjubiläen

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(Foto: Liane Merkle)
Seckach/Hettingen.  (lm)  Mehrere tausend Städte und Gemeinden in Deutschland pflegen partnerschaftliche Beziehungen mit ebensolchen in Deutschland oder auch im Ausland. So auch Seckach mit der ostdeutschen Gemeinde Reichenbach in der Oberlausitz und als „Dreiecksbeziehung“ zudem mit der norditalienischen Gemeinde Gazzada Schianno in Italien.

Während man mit den Italienern auf 15 Jahre freundschaftliche Beziehungen zurückblicken kann, sind es im innerdeutschen Bereich mit Reichenbach bereits 30 Jahre, in denen sich zahlreiche Freundschaften entwickelten.

Eigentlich wäre dies ein Grund für ein zünftiges Geburtstags- und Jubiläumsfest, aber wie feiert man in Coronazeiten ein Fest die Menschen als Hauptdarsteller. Mit dieser Frage beschäftigte sich dieser Tage auch Bürgermeister Thomas Ludwig als bekennender „Städtepartnerschafts-Verfechter“ und da es keine Alternativen zu vermelden gab, beschloss man als Festersatz zumindest, an die beiden Partnerschaften zu erinnern.

Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde zwischen der Gemeinde Seckach und der Stadt Reichenbach fand am 12. Oktober 1990 statt, jährt sich also am heutigen Montag bereits zum 30. Mal und seit dem 23. September 2005 ist man mit Gazzada Schianno urkundlich verbunden. Über die Hintergründe, die Chronik und die gesellschaftliche Entwicklung dieser Partnerschaften berichtet als Beteiligter und profunder Kenner der Symbolik Bürgermeister Thomas Ludwig.

Man sollte meinen, dass eine Landgemeinde wie Seckach mit den großen Linien der Geschichte doch nur sehr wenig zu tun hat und natürlich auch keinen direkten Einfluss auf die Weltpolitik nehmen kann. Aber es liegt sehr wohl im Bereich des Möglichen, auf der örtlichen Ebene am Erreichen der großen Ziele mitzuwirken, indem man die sich hierfür bietenden Chancen nutzt. Die Seckacher Städtepartnerschaften mit Reichenbach in der Oberlausitz und Gazzada Schianno in Italien, so Ludwig in seinen Ausführungen, seien zwei Beispiele hierfür.

Im Zuge der Wiedervereinigung galt es, den ostdeutschen Städten und Gemeinden Hilfestellung beim Aufbau ihrer kommunalen Selbstverwaltungen zu geben. Auf für die Wendezeit typischen verschlungenen Wegen entstand mit diesem Ziel der Kontakt zwischen Seckach und der Stadt Reichenbach in der Oberlausitz. Gegenseitige Besuche schufen das Vertrauen für die Begründung einer offiziellen Städtepartnerschaft vor nunmehr genau drei Jahrzehnten. Der Schulterschluss zwischen Reichenbach und Seckach war damals nur eine von vielen Hundert innerdeutschen Partnerschaften und es bedarf keiner großen Erläuterung, dass die Stadtverwaltung Reichenbach schon längst auf starken eigenen Füßen steht.

Dass diese Städtepartnerschaft aber auch heute noch intensiv gelebt wird, hat seine Ursache darin, dass nicht nur die Verwaltungen untereinander in Kontakt kamen, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger insgesamt.

„Grundvoraussetzung für diesen Erfolg war die Überzeugung der Bürgermeister Dr. Walter Langer(+), Andreas Böer(+) und Carina Dittrich (alle Reichenbach) sowie Ekkehard Brand und Thomas Ludwig (beide Seckach), dass man nur zusammenwachsen kann, wenn man sich kennt, sich persönlich begegnet, miteinander spricht und natürlich auch feiert“. Durch die jährlichen offiziellen Partnerschaftsbegegnungen (es sind schon 32 an der Zahl!) und die nicht minder zahlreichen Begegnungen zwischen den unterschiedlichsten Vereinen und Organisationen wuchsen rasch viele persönliche Freundschaften, wobei letztere schon längst auch ohne regelmäßige Impulse aus den beiden Rathäusern funktionieren.

Die Freiwillige Feuerwehr brachte und bringt sich hier ebenso ein wie zahlreiche örtliche Vereine aus den Bereichen Sport und Kultur – sie bleiben auch in Zukunft die Grundpfeiler dieser Städtepartnerschaft. Sehr genau lassen sich hingegen die Wurzeln der Städtepartnerschaft mit der norditalienischen Gemeinde Gazzada Schianno zurückverfolgen. Hier stellt nämlich die Person von Pfarrer Heinrich Magnani den Kristallisationspunkt dar.

Er gründete bekanntlich nach dem II. Weltkrieg das Kinder- und Jugenddorf Klinge. Sein Vater stammte aus dem Teilort Schianno, wanderte im Jahre 1888 nach Deutschland aus und gründete hier eine Familie. Alfonso Minonzio, ein Großneffe von Pfarrer Magnani, war seit Mitte der 1990-er Jahre Bürgermeister von Gazzada Schianno.

An Weihnachten 2001 wandte sich Minonzio per Brief an den damaligen Seckacher Bürgermeister Ekkehard Brand und schlug die Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen vor. Weil das damalige Seckacher Ortsoberhaupt aber schon wenige Monate später in den Ruhestand trat, überließ es die Angelegenheit seinem Nachfolger, also Thomas Ludwig. Das Interesse der Bevölkerung war von Anfang an groß, zumal sich auf deutscher Seite auch der Buchener Stadtteil Hettingen, wo Magnani von 1935 – 57 als Pfarrer wirkte, und natürlich das Kinder- und Jugenddorf Klinge an den Aktivitäten beteiligten.

Beide sind offiziell Mitpartner der mittlerweile seit dem Jahre 2005 bestehenden offiziellen Städtepartnerschaft. Die gegenseitigen Besuche sind stets von einer großen Herzlichkeit geprägt, wozu neben den leiblichen Genüssen auch verschiedene kulturelle Höhepunkte und die jeweilige touristische Anziehungskraft beitragen. Von besonderer Bedeutung sind die regelmäßigen Schulbegegnungen, welche den Jugendlichen die Gelegenheit zum kennen lernen des jeweils anderen Landes bieten.

Nach Alfonso Minonzio bekleideten Piero Angelo Brusa(+) und Cristina Bertuletti das Amt des Bürgermeisters von Gazzada Schianno, bevor im Jahre 2019 der heute amtierende Paolo Trevisan gewählt wurde. Beide Städtepartnerschaften können in diesen Tagen also auf runde Jahrestage ihrer offiziellen Begründung zurückblicken. „Es ist selbstredend, dass entsprechende Feierlichkeiten geplant waren, die nun aber wegen der Corona-Pandemie leider verschoben werden müssen“, sagte Bürgermeister Ludwig.
 
 

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