Childhood-Haus Heidelberg eingeweiht

Bei der Einweihung des Childhood-Hauses Heidelberg (v.li.) Innenminister Thomas Strobl, Elke Büdenbender, Königin Sylvia von Schweden, Direktorin Prof. Annette Grüters-Kieslich und Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner. (Foto: pm)

Mehr Schutz für von Missbrauch und Gewalt betroffene Kinder

Heidelberg. (pm) In Anwesenheit von Königin Silvia von Schweden wurde das Childhood-Haus Heidelberg auf dem Gelände des Universitätsklinikums Heidelberg heute feierlich eingeweiht.

Das Childhood-Haus ist eine interdisziplinär arbeitende Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die sexuellen Missbrauch oder Gewalt erlebt haben.

Die neue Einrichtung ist eine Kooperation des Universitätsklinikums Heidelberg und der World Childhood Foundation, finanziell ermöglicht durch die bedeutende Förderung der Klaus Tschira Stiftung.

Mangelnde kindgerechte Umgebung, wenig geschultes Personal vor Ort, lange Wartezeiten, ein Marathon aus Befragungen und schlussendlich eine Aussage vor Gericht: Kinder, die sexuellen Missbrauch oder schwere Gewalt erlebt haben, müssen in dem darauffolgenden Verfahren oft einen langen zweiten Leidensweg über sich ergehen lassen. Das muss aber nicht so sein.

In einem sogenannten Childhood-Haus können betroffene Kinder durch geschulte Ärzte, Polizisten und Richter untersucht und befragt werden. In freundlich eingerichteten Räumen werden alle wichtigen Schritte an einem Ort durchgeführt, um so das Kind vor dem Risiko einer Retraumatisierung zu schützen.

Ein Team aus Ärzten, Polizisten, Richtern, Psychologen und der Jugendhilfe wird zukünftig gemeinsam im Childhood-Haus Heidelberg zusammenarbeiten. Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, der am Donnerstag vor Ort war, sagte: „Die heutige Eröffnung des zweiten Childhood-Hauses in Deutschland ist ein wichtiger Meilenstein für kindgerechte Verfahren bei sexueller Gewalt.“

„Es ist mir eine große Freude, heute bei Ihnen in Heidelberg zu sein und das erste Childhood-Haus in Baden-Württemberg einweihen zu dürfen. Wenn ich bedenke, in welch kurzer Zeit hier aus einer Idee ein konkretes Projekt wurde.

Hier wurde in den vergangenen 15 Monaten wirklich Unglaubliches geleistet.“ Mit diesen Worten weihte Königin Silvia von Schweden die Räumlichkeiten des Childhood-Hauses ein.

Als Gründerin der World Childhood Foundation ist ihr das Thema „Sexuelle Gewalt an Kindern“ ein besonderes Anliegen. „Sie alle können stolz auf das Erreichte sein und auf den Mut und die hohe Professionalität, die alle Beteiligten vor Ort gezeigt haben. Durch die neuen Formen der Zusammenarbeit trägt das Haus dazu bei, das Leben der von Missbrauch betroffenen Kinder zu verbessern. “

Ein Modellprojekt für Baden-Württemberg

„Im Childhood-Haus Heidelberg kommen die Experten zu den Kindern und ihren Familien. Dies erspart den Betroffenen zusätzliche Wege“, sagt Prof. Dr. Georg F. Hoffmann, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg.

„Die Angebote der Kooperations- und Netzwerkpartner im Kinderschutz in Heidelberg und Umgebung werden hier unter einem Dach koordiniert. Dies ist ein Modellprojekt für Baden-Württemberg.“

Ermöglicht wurde das Projekt auch durch die bedeutende finanzielle Förderung der Klaus Tschira Stiftung. Die Verantwortlichen waren von dem Konzept überzeugt, das die Stiftung bereits im Childhood-Haus in Leipzig durch ihre finanzielle Förderung ermöglicht hat und das dort erfolgreich läuft.

„Wir waren gern bereit, hier Verantwortung für die Schwächsten unserer Gesellschaft zu übernehmen,“ sagt Beate Spiegel, Geschäftsführerin der Klaus Tschira Stiftung. „Wir würden uns wünschen, dass es noch viele weitere Unterstützer für weitere Childhood-Häuser in Deutschland gibt.“

Die offizielle Einweihung wurde mit dem symbolischen Durchschneiden eines roten Bands vor den Räumen des Childhood-Hauses im Klinikumsbereich in Heidelberg-Bergheim vollzogen.

Vorausgegangen war der eine Eröffnungsveranstaltung in der Neuen Aula der Universität Heidelberg, zu der die World Childhood Foundation, die Klaus Tschira Stiftung und das Universitätsklinikum Heidelberg Gäste aus Politik, der Stadt Heidelberg und dem Kinder- und Jugendschutz geladen hatten.

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