Organspende – Lebensrettende Entscheidung

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Rosemarie Jany ist Dialysepatientin und lebte lange mit einer gespendeten Niere. Anlässlich des Tags der Organspende erzählt sie ihre Geschichte und ruft gemeinsam mit der Kommunalen Gesundheitskonferenz dazu auf, eine Entscheidung zu treffen. (Foto: pm)

Betroffene Rosemarie Jany berichtet

Adelsheim.  (pm) In vielen europäischen Ländern ist man automatisch Organspender, wenn nicht vor dem Tod widersprochen wird. Diese Widerspruchslösung gibt es in Deutschland nicht. In der Bundesrepublik ist der eigene Wille beispielsweise in dem dafür vorgesehenen Organspendeausweis zu dokumentieren.

Die Kommunale Gesundheitskonferenz Neckar-Odenwald-Kreis möchte genau dazu ermutigen: „Eine Entscheidung muss getroffen werden, sonst passiert im Zweifel nämlich nichts“, so der Vorsitzende der Kommunalen Gesundheitskonferenz Landrat Dr. Achim Brötel.

Ein gutes Beispiel für die Bedeutung einer solchen Entscheidung ist Rosemarie Jany, 61 Jahre alt, aus Adelsheim. Jany hat bereits zum zweiten Mal eine Niere erhalten und erzählt anlässlich des heutigen Tags der Organspende, am 04. Juni, ihre Geschichte.

Rosemarie Jany ist eine starke, ehrgeizige und lebensfrohe Person, was sich in den unterschiedlichen Bereichen ihres Lebens wiederspiegelt: Seit ihrer Kindheit leidet sie an einer chronischen Nierenerkrankung, weshalb schon früh regelmäßige Behandlungen erforderlich waren.

Mit zunehmend schlechteren Nierenwerten musste Jany sich im April 1995 mit 35 Jahren erstmals einem medizinischen Verfahren zur Reinigung des Blutes (Dialyse) unterziehen. Dreimal wöchentlich musste sie von da an für mehrere Stunden an das Dialysegerät angeschlossen werden. Dazu kamen Diätvorschriften und die Einschränkung der Trinkmenge.

Schließlich kam sie auf die Warteliste für Nierentransplantation und hatte ein Riesenglück: Nach relativ kurzer Zeit bekam sie ein Angebot.

„Normalerweise wartet man mehrere Jahre auf eine Spenderniere“, erklärt Jany und berichtet: „Ich war gerade mit meiner Schwester im Urlaub in der spanischen Stadt Málaga. Dort gab es eine großartige Feriendialyse. Die Rückreise war für sonntags geplant. Samstags, früh am Morgen, kam der überraschende Anruf aus dem Transplantationszentrum Heidelberg.

Für mich sei eine Spenderniere gefunden worden“. Den Transport zum Flughafen übernahm der damalige Arzt der Feriendialyse persönlich. Um 18:30 Uhr landete die Maschine in Frankfurt. „Mein Koffer war der letzte auf dem Gepäckband“, erinnert sich Jany.

Mit dem Taxi ging es schnellstmöglich nach Heidelberg. Bereits eine Stunde später zog sie mit Reisegepäck ins Krankenhaus ein: „Ich hätte nicht zu spät kommen dürfen.

Das war für alle Beteiligten sehr aufregend“, erinnert sie sich. Sofort starteten die erforderlichen Untersuchungen, die glücklicherweise alle passend ausfielen. Die Spenderniere war kompatibel und Rosemarie Jany war trotz der anstrengenden Reise transplantationsbereit. „Um 23 Uhr war ich im OP-Saal“, sagte die Empfängerin des Spenderorgans.

Sonntagsmorgens um 5 Uhr ist sie aufgewacht: „Ich hatte Schmerzen, es tat alles weh, aber das war egal. Ich war am Leben“. Die neue Niere war nach wenigen Dialysedurchläufen alleine funktionsfähig.

Der Empfänger erhält immer nur eine der beiden gespendeten Nieren. Der Körper kann damit problemlos funktionieren. Nach zweieinhalb Wochen durfte sie das Krankenhaus verlassen.

Einige Wochen nach der Transplantation war sie wieder körperlich fit und konnte fast ohne Einschränkungen leben. Achtsam muss man mit einer gespendeten Niere natürlich trotzdem sein, muss viel trinken und sich vor Infektionen schützen.

Die fortwährende Einnahme von Medikamenten gegen die Abstoßung sowie regelmäßige Arztbesuche sind erforderlich. Rückblickend sagt sie: „Das nimmt man alles gerne in Kauf, ich bin der Familie einfach unendlich dankbar, die damals die Zustimmung für die Organspende gegeben hat.“

„Wichtig ist, dass sich jeder mit der Frage auseinandersetzt, ob man selbst Organspender sein möchte oder nicht und dies dokumentiert und an die Familie kommuniziert“, betont Landrat Dr. Achim Brötel.

Der Ärztliche Direktor und Transplantationsbeauftragte der Neckar-Odenwald-Klinken Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker erzählt aus Erfahrung: „Schlimm ist es, wenn Angehörige im Moment der Trauer mit einer solchen Entscheidung konfrontiert werden und nicht wissen, was der Wille des Verstorbenen war. Aus Unsicherheit heraus wird einer Transplantation dann manchmal nicht zugestimmt“.

Nach 16 Jahren hat das Spenderorgan von Rosemarie Jany langsam seine Funktion eingestellt.
Die zweite Niere erhielt sie im Alter von 53 Jahren. Leider war das neue Organ insgesamt nur drei Jahre funktionsfähig, ehe die Dialyse wieder die Aufgabe der Niere ersetzte.

„Ich bin froh über die Möglichkeit der Dialyse. Anders wäre ich seit 1995 schon nicht mehr am Leben“, verdeutlicht Jany den Ernst ihrer Lage.

Mehr als 40 Jahre war sie bei der Johannes-Diakonie Mosbach beschäftigt und hat dort zahlreiche Chancen zur beruflichen Weiterentwicklung erhalten. Ob Studium oder Regionalleitung, die Arbeit war immer an ihre gesundheitliche Situation angepasst, worüber sie sehr dankbar ist.

Vor wenigen Tagen erst hat sie dort ihren Abschied gefeiert. Seit 01. Mai ist Rosemarie Jany nun offiziell im Ruhestand und kann ihren Hobbys wie Stricken, Lesen und mäßiger Gartenarbeit nachgehen. Rosemarie Jany hält sich zudem mit Sport fit und achtet auf die ärztlichen Vorschriften, die jeder Dialysepatient einhalten muss.

Insgesamt ist ein gesunder Lebensstil als Dialysepatient und als transplantierte Person unabdingbar. Jany betont abschließend „Die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst ein Organ benötigt, ist höher, als dass man Organspender wird“.

Hintergrund:

Betroffene und Angehörige finden Unterstützung in Selbsthilfegruppen: Claudia Jany (Schwester) engagiert sich im Kontaktkreis Organspende und Transplantation Heilbronn e.V. und leitet die Regionalgruppe Heilbronn des Verbandes Niere Baden-Württemberg e.V. (E-Mail: c.jany@niere-bw.de; www.niere-bw.de). Weitere Informationen zur Organ- und Gewebespende sind abrufbar unter www.organspende-info.de. Organspendeausweise sind beispielsweise bei den Krankenkassen, in Krankenhäusern und im Internet sowie am Empfang des Hauptgebäudes des Landratsamtes, Neckarelzer Straße 7, in Mosbach erhältlich.

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